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Wie ein Comic entsteht

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Vorbereitungen | Entstehung | Materialien | Recherche


Vor dem Band, den Leser nach dem Erscheinen in Händen hält, steht sehr viel vorbereitende Arbeit in Form einer guten Idee, Recherche zur Geschichte und dem daraus entstehenden Drehbuch.

Der Weg von der Bleistiftskizze bis zum gedruckten Album ist jedoch mindestens ebenso weit wie die Distanz vom Dorf von Asterix und dem Neuen Kontinent, den Asterix und Obelix in "Die große Überfahrt" entdecken. Im ersten Schritt muß das Thema gefunden und ein Exposé, eine Art Kurzfassung der Geschichte, ausgearbeitet werden. Darauf folgt das Drehbuch mit der Bildbeschreibung und den Dialogen. Dem Autor steht es selbstverständlich frei, Text oder Zeichnung noch im Verlauf der Arbeit zu verändern.

Die Reinzeichnung wird mit Hilfe eines fotografischen Verfahrens auf die Größe eines Comic-Albums verkleinert und in zwei Abzügen gedruckt. Einer davon ist blau angelegt und dient als Strichzeichnung für die Kolorierung, die mit Wasserfarben vorgenommen wird. Die farbige Seite wird anschließend mit dem schwarzen Strichfilm der Originalzeichnung zusammenkopiert.

Technisch besteht der einzige Zwang in der vorgegebenen Anzahl der Seiten pro Album. Im Offset-Druck hat man immer Bögen für 16 Seiten. Da bietet sich ein 48-Seiten-Album aus drei Bögen an.

Die StoryDie Allgemeinbildung eines Zeichners ist für den Erfolg seines Werkes ebenso wichtig, wie die zusätzliche Recherche zur Dokumentation, denn auch auf dem Papier kann man die Kostüme und Außendekorationen nicht erfinden, ohne die historischen Begebenheiten zu berücksichtigen. In den Asterix-Bänden macht dieser Aspekt im Zusammenhang mit den Anachronismen und den damit verbundenen Verbindungen zur heutigen Zeit den ganz besonderen Reiz dieser Serie aus.

Wie die allgemeine Idee zu Asterix entstanden ist, beschreibt eine liebevoll gezeichnete Geschichte, in der Uderzo und Goscinny die Idee versinnbildlichen. Doch auch jeder einzelne Band ist eine Geburt für sich und muß sorgsam vorbereitet sein. Drei Basis-Elemente muß der humoristische Schriftsteller geschickt anwenden:
  • Abenteuer: Die Geschichte muß wie ein Drama aufgebaut sein; es müssen Gefahren auftauchen, Hindernisse zu überwinden sein; es muß "Gute" und "Böse" geben.
  • Parodie: Die Handlung der Geschichte muß von der Basis her sowohl als Tragödie, wie auch als Komödie verwendbar sein. Komödie wird sie in dem Augenblick, wo die Realität ein wenig auf die Schippe genommen wird. Dieser Faktor findet in den Asterix-Bänden seine Anwendung, weil Uderzo und Goscinny die Dinge, über die sie sich lustig machen, sehr genau kennen.
  • Witz: Der Gag muß an der passenden Stelle auftauchen und sich in die Situation einfügen. Er darf nicht künstlich "aufgesetzt" wirken und von der eigentlichen Handlung ablenken. Dies erreichen die Autoren durch den Einsatz von Karikaturen und aktuellen Beziehungen zur Gegenwart.


Aus unzähligen Büchern, die Goscinny und Uderzo über die Gallier und Römer zur Zeit Cäsars gelesen haben, kristallisiert sich im Laufe der Zeit ein Thema heraus, aus dem beide eine Geschichte entwickeln. Die Recherche spielt dann eine größere Rolle, als gemeinhin angenommen wird. Dazu später mehr im Kapitel Recherche. Worum soll es gehen? Was machen die Helden? Wie kommen sie an ihr Ziel? So stand beispielsweise "Asterix bei den Belgiern" jahrelang auf der Liste der möglichen Themen, bis die Autoren auf die zündende Idee kamen, weshalb Asterix und Obelix die belgische Grenze überschreiten sollten.

Bis zum Tode von René Goscinny im Jahre 1977 war Uderzo für die Zeichnungen, Goscinny für die Texte zuständig. Auch die Idee der Geschichte war Teamarbeit. Über den Verlust im Zusammenhang mit der Produktion eines Bandes sagte Uderzo, daß die Situation tatsächlich weniger schwierig war als ursprünglich angenommen. Seiner Meinung nach lag es daran, daß er bereits zu Beginn seiner Karriere alle Drehbücher seiner eigenen Projekte selbst geschrieben hatte. Und dies hatte Uderzo in der Zeit mit Goscinny bis ins Detail verfeinert. René Goscinny pflegte seine Drehbücher von A bis Z zu planen, wobei Uderzo das Zeichnen erst begann, wenn die letzte Seite der Geschichte vorlag. Nie gab es etwas zu ändern, nie mußte etwas umgestossen werden. Bei Goscinny habe Uderzo gelernt, sein Drehbuch komplett fertig zu schreiben, von der ersten bis zur letzten Seite.

Aus einer Umfrage des Asterix-Lexikons 1998 ging hervor, daß die Asterix-Bände, die in Teamarbeit entstanden sind, die bei den Lesern beliebtesten sind. Dies hat eine erneute Umfrage im Januar 2001 bestätigt. Die ewige Bestenliste zeigt ähnliche Tendenzen.

Nächstes Kapitel: Entstehung



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Die Grafik auf dieser Seite wurde der Originalseite http://www.asterix.tm.fr entliehen. Die Zitate von Uderzo stammen aus einem Interview von Thierry Smolderen und André Moons, das in "Uderzo - Skizzen" (1988) erschienen ist. In diesem Sonderband werden Skizzen aus "Asterix im Morgenland" präsentiert.

 
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© Deutsches Asterix Archiv 1998-2009, Zeichnungen: Albert Uderzo - © Les Editions ALBERT-RENÉ, GOSCINNY-UDERZO
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