Asterix und Dentix
Autor: Ingrid Hagenbücher
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Trübselig, die Hände auf dem Rücken verschränkt, schlich Asterix durch das Dorf. Alle waren fröhlich, nur er nicht. Idefix setzte gerade ein kleines, dampfendes Häuflein neben den Hinkelstein von Obelix, der dies aber nicht bemerkte. Er himmelte nämlich gerade Amandella an, das blonde Mädel aus dem Norden und kaute dabei gedankenverloren auf einem Wildschweinlauf herum.
"Hey, was ist los mit dir, Asterix?" Verratenix schlug ihm derb auf die Schulter, so daß Asterix etwas in den Knien einknickte. Verwirrt schaute er den Störenfried an. "Was soll denn los sein?" brummte er. Verratenix kicherte: "du siehst aus, als wenn dir ein Römer über die Leber gelaufen ist!" - Asterix blickte ihn nur kurz an: "Schleich dich, Verratenix, ich verrat dir nix!"
Nun war auch Obelix auf seinen Freund aufmerksam geworden. Er warf Idefix den abgenagten Wildschweinknochen zu, hievte sich seinen Hinkelstein auf den Rücken und stapfte auf Asterix zu. Amandella war ins Haus zurückgekehrt und Obelix Äuglein waren wieder frei für wichtigere Augenblicke. "Brauchst du Kampf, Asterix?" fragte er gierig. "Könnte dich ein kleiner Ringkampf aufheitern?" Asterix sagte nix und seufzte nur, dabei hielt er sich die Backe. "au weia, Zahnschmerzen," grölte Obelix los, "da wollen wir doch gleich mal den Dentix holen." Asterix, der Held, der starke und mutige, knickte noch mehr in den Kniekehlen ein. "Nein, nein, Obelix, laß das bloß sein, nur das nicht!" Doch Obelix war schon unterwegs. Er grölte durch das ganze Dorf: "Wo ist Dentix, wir brauchen Dentix, her mit ihm, dem Dentix."
Troubadix, der von dem Geschrei aus einer neuen Liedkomposition aufgeschreckt wurde, machte sich gleich daran, ein Sonett zu reimen. Er begann auf der Stelle zu singen: "Dentix, Dentix, komm mal fix, komm mal fix, der Asterix, der Asterix, dem graut vor nix, dem graut vor nix". Asterix verschwand schleunigst in der Behausung von Miraculix. Ihm war eingefallen, daß dieser ihm doch ein Tränklein gegen die tobenden Zahnschmerzen mixen könnte. Oder sogar ein Tränklein gegen die Zange des Dentix, wenn dieser ihn malträtieren sollte. Armer Asterix, Miraculix war nicht zu Hause. "Is zum Kräutersammeln," grummelte Mammamix, die in einem großen Topf herumrührte und zwischendurch den Löffel abschleckte.
Inzwischen hatten mehrere Dorfbewohner sich auf die Verfolgung von Asterix gemacht und sich vor der Behausung von Miraculix versammelt. Sie hielten den dürren Dentix an beiden Armen fest, er hatte sich zwar im Gebüsch versteckt gehabt, doch Idefix hatte ihn erschnüffelt und laut geknurrt. Die dünnen Ärmchen von Dentix ähnelten auch gar zu sehr einem leckeren Knochen. Dentix zitterte, er wollte Asterix nicht behandeln, nein, jeden anderen, aber nicht Asterix. Und der wollte ja auch gar nicht behandelt werden. Als Asterix wieder vor zur Tür von Miraculix hinaus trat, blieb ihm der Mund offen stehen. Genau in diesem Moment warf Obelix einen weiteren Wildschweinknochen von sich. Obwohl er nicht darauf gezielt hatte, landete dieser haargenau in Asterix aufgesperrten Mund. "Grrr," sagte er und versuchte, den Mund wieder zuzuklappen. Der Knochen störte ihn erheblich dabei. Es knirschte gefährlich. Idefix sprang an Asterix hoch und erwischte den Knochen. Mit dem Knochen fiel noch etwas aus Asterix heraus. Nun konnte er den Mund wieder zuklappen. Plötzlich strahlte er: "Ihr könnt Dentix los lassen, meine Zahnschmerzen sind vorbei," und er guckte verblüfft auf den Backenzahn, der vor ihm im Staub lag. Alle jubelten ihm zu. "Laßt uns gleich ein Wildschwein schlachten, und einen neuen Hinkelstein mache ich gleich noch dazu," brüllte Obelix begeistert und schlug Dentix auf den Rücken. Der machte, daß er weg kam und vergaß vor Erleichterung sogar seine Zange. Idefix schleppte sie ihm hinterher.
Das Dorf feierte seinen Helden. Asterix hatte es geschafft, er hatte seine Zahnschmerzen ohne Dentix besiegt, und nicht einmal den Zaubertrank von Miraculix hatte er dazu gebraucht. Nun konnte er wieder kraftvoll zubeißen.
Troubadix sang ausnahmsweise einmal nicht, er hatte nämlich den Text schon wieder vergessen, den er gerade erst erfunden hatte.
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