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ASTERIX IN VINDOBONA
Autor: Kay Karpinsky
Bitte beachten Sie: die Rechte der jeweiligen Geschichten liegen ausschließlich beim Autor. Setzen Sie sich mit dem Autor in Verbindung, wenn Sie weitere Fragen zur Geschichte haben. Comedix hat die Erlaubnis zur Veröffentlichung ausschließlich im Rahmen dieses Wettbewerbs.
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1. Das Problem
Dass der berühmteste Zaubertrank von Miraculix zwar übermenschliche Kräfte
verleiht, nicht jedoch auch unverwundbar macht, ist allenthalben bekannt.
Bislang vermochten die Bewohner des kleinen, unbeugsamen Dorfes dieses kleine
Defizit allerdings stets mit beherzter Tatkraft zu einem unbedeutenden zu
machen. Am Rande einer Wildschweinjagd stellen Asterix und Obelix nun aber fest,
dass die Römer im Lager Babaorum unter Zenturio Mitmus eine neue Kriegsmaschine
entwickeln: Ein überaus stacheliger, mit Speerspitzen besetzter
übermannsgroßer Rammbock könnte problemlos in eine Horde ungestümer Gallier gelenkt
werden, ohne dass Legionäre dabei zu Schaden kämen. Nach Rückkehr und Meldung im
Dorf unternimmt man folglich umgehend einen Präventivschlag, der die Römer
genauso überraschend trifft wie ihr Material, ihre Pläne und ihre Moral
zerstört. Mitmus beschließt, fortan nur noch auf die Ablösung zu warten.
2. Der kundige Berater
Das grundsätzliche Problem der Verwundbarkeit bleibt dessen ungeachtet
aktuell. Es kommt auch einem Handelsreisenden zu Ohren, der sich an diesem Tage
scheinbar zufällig im Dorf aufhält. Seine Heimat ist Vindobona in Noricum,
seinen Namen gibt er mit Achduschrek an. Er spricht recht merkwürdig und langsam
und braucht für einen Satz meistens mehrere Bilder und Sprechblasen. Majestix
redet er stets als „Herrn Häuptling“, Troubadix als „Herrn Barden“ und
natürlich Miraculix als „Herrn Druiden“ an. Letzterem gegenüber behauptet er, Rat
zu wissen. In den Hercynischen Wäldern unweit seines Heimatlandes gebe es
mehrere fabelhafte Tiere, so unter anderem auch Einhörner. Aus deren einem Horn
könne man eine Substanz gewinnen und einem Zaubertrank beimischen, der dann,
wie man erzählt, die erwünschte Unverwundbarkeit bewirke. Das werde nur
deswegen selten praktiziert, weil diese Tiere zu schwer zu jagen seien und
ansonsten unbrauchbar. Achduschrek empfiehlt sich, Asterix und Obelix werden nach
Noricum auf die Suche nach Einhörnern geschickt.
3. Cäsars Problem
In seinem Palast in Rom sehen wir Julius Cäsar umgeben von mehreren
Papierrollen bei anstrengender schriftstellerischer Tätigkeit. In den Händen hält der
Imperator eine Rolle mit dem Titel COMMENTARIVS SEXTVS, doch der bisherige
Inhalt will wohl nicht so recht gefallen, denn der Autor wirkt unzufrieden.
Cäsar wird dann aber unterbrochen durch die Ankündigung eines informellen
Mitarbeiters namens Achduschrek. Den kennt man bereits, doch hätte man vielleicht
nicht erwartet, dass er hier gegenüber Cäsar mit Freude erklärt, welche Falle
er den Galliern gestellt habe. Einzelheiten erfahren wir zwar noch nicht,
aber immerhin doch soviel, dass Cäsar eine Kohorte unter Zenturio Postbus gen
Vindobona aussenden lässt, um den Fortgang der Ereignisse auch militärisch
abzusichern.
4. Auf nach Vindobona
Asterix und Obelix haben ihre lange und beschwerliche Reise nach Noricum
begonnen. Ihr Plan sieht vor, zunächst in der bedeutendsten norischen Stadt
Vindobona Station zu machen, sich dort zu erkundigen und anschließend die
Einhornsuche zu einem hoffentlich glücklichen Abschluss zu bringen. Die Reise
verläuft ansonsten eher friedlich. Lediglich die Rheinüberquerung sorgt für ein
kleines Scharmützel, denn nicht nur die römischen Legionäre, die die einzige
Brücke über diesen Fluss bewachen, müssen standesgemäß vermöbelt werden, am
Schluss bricht auch ein Teil der Brücke zusammen, weil sie Obelix‘ Gewicht nicht
zu tragen imstande ist. Cäsar wird später im Bellum Gallicum in Verdrehung
der Tatsachen schreiben, er hätte diese Brücke selbst und mit voller Absicht
zerstört. Schließlich erläutert Asterix noch für Obelix, dass man nun weiter
nach Osten gehen werde und dass die Noricer entfernte Verwandte der Goten
seien.
5. Einiges über Vindobona
Am Fluss Danuvius gelegen ist Vindobona, ein ansehnliches Städtchen, dessen
Bewohner würdevoll durch die dortigen Straßen wandeln. An den Ladenschildern
der Hauptgeschäftsstraße Via Carniciensis kann man unschwer erkennen, dass
die Namen der Einwohner sämtlich auf „ek“ enden. Es finden sich dort unter
anderem Geschäfte von Brauchstanbelek, Schlechtsverstek und Großerroterflek. Auf
der Suche nach einer geeigneten Unterkunft entscheiden sich unsere Gallier
für die Herberge und Kneipe von Beimheurigenumsek. Der redet genauso gemütlich
wie Achduschrek und verspricht neben der Unterkunft auch, sich um das
zentrale Anliegen, Einhörner also, zu kümmern. Außerdem fragt er Asterix und Obelix
nach ihren Berufen, was Obelix fortan den Titel „Herr Hinkelsteiningenieur“
einträgt. Ungewohnte und neuartige Süßspeisen (vortex malorum, globus faecis,
scriblita Lentiensis) finden hingegen den allergrößten Gefallen des etwas
rundlicheren Galliers.
6. Erste Exkursion südwestlich von Vindobona
Da die Erkundigungen von Beimheurigenumsek einige Zeit dauern werden,
schlägt dieser vor, die Gallier mögen doch zunächst auf eigene Faust loslegen, am
besten im südwestlichen Gebiet. In diesem recht gebirgigen Waldgebiet trifft
man aber keine Einhörner an, doch immerhin Elche, die eben, wie Asterix
vermutet, eine Art zu groß geratene Hirsche sind, aber sonst nichts besonderes.
Außerdem überschreitet man alsdann die Schneegrenze, was in steilem Gelände und
auf Grund herumliegender Holzreste unerwartete Folgen zeitigt. Die Gallier
treten jeweils auf ein flaches und glitschiges Stück Holz, kommen dadurch ins
Rutschen und erst im Tal wieder zum Stehen. Dort anwesende Einheimische sind
begeistert, wissen aber nichts über Einhörner zu berichten. Statt dessen
beginnen sie noch während der Unterredung, das gallische Beispiel nachzuahmen und
mit Holzbrettern unter den Füßen den verschneiten Hang herunterzurutschen.
Noch heute ist dies das Einzige, was die Bewohner jenes Landstriches wirklich
können.
7. Zwischenspiel in Vindobona
Wenigstens hat sich Beimheurigenumsek in der Zwischenzeit informiert. Die
Einhörner gebe es wohl doch eher im Gebiet nördlich des Danuvius. Der Wirt
berichtet ferner über die Anwesenheit einer Kohorte von Römern in der Stadt und
ihrer Umgebung. Sie hätten sich nach dem Verbleib zweier Gallier erkundigt.
Derweil ist Zenturio Postbus nervös, da die ihm avisierten Gallier nirgends zu
finden sind. Er kann von Achduschrek, der auch wieder zurück in Vindobona
ist, beruhigt werden. Noch sei es nämlich zu früh, gegen die Gallier vorzugehen.
Sie seien noch gar nicht im eigentlichen Hercynischen Wald gewesen, denn
erst heute habe ihn der Kneipier Beimheurigenumsek nach der Lage des
Einhorngebietes gefragt. Das sei ein sicheres Zeichen dafür, dass die Gallier noch
suchten und nach ihrer Rückkehr wahrscheinlich beim Heurigen ums Eck zu finden
seien.
8. Zweite Exkursion nördlich von Vindobona
Höhepunkt der Überquerung des Danuvius ist die Versenkung eines
Piratenschiffes, das sich unvorsichtigerweise dorthin verirrt hat. Der Pirat Dreifuß
kommentiert vielsagend: „Nequiquam, mare, subterfugi a tuis tempestatibus.“
Sodann gelangen Asterix und Obelix in einen Wald nördlich von Vindobona, in dem
sich allerlei seltsames Getier herumtreibt. Die bereits bekannten Elche sind
auch darunter, nur haben sie im Gegensatz zu denen in den Ostalpen offenbar
keine Gelenke an den Knien. Etwas weiter ergibt sich dann ein noch seltsameres
Bild. Ein umgestürzter Baum, daneben ein umgestürzter Elch, der auf Grund
seiner steifen Gelenke nicht in der Lage ist aufzustehen. Noch während Obelix
Idefix tröstet und Asterix sich wundert, eilt ein Einheimischer herbei und freut
sich, mal wieder einen Elch gefangen zu haben. Er stellt sich den Galliern
als Jagehschowek vor und erläutert, dass sich die Elche ihrer Gelenksteife
wegen zum Schlafen nicht hinlegen könnten und sich deshalb an Bäume anzulehnen
pflegten. Um Elche zu fangen, müsse man daher nur ihre Schlafbäume ansägen, so
dass Baum und Elch umstürzten und letzterer nicht mehr aufstehen könne. Auf
Asterix‘ Nachfrage, weswegen die Elche denn steife Gelenke hätten, erklärt
Jagehschowek schließlich, hierzu müsse man in Kenntnis ihrer Futterplätze dort
Köder auslegen, denen man zuvor eine Substanz beigemischt hat, welche aus dem
Horn von Einhörnern gewonnen wird. Er zeigt Asterix ein Pülverchen und
erweist ihm sogar den Gefallen, eine Probe davon zu überlassen, was Obelix („Aber
im Dorf gibt es doch gar keine Elche, und für Wildschweine braucht man das
nicht“) zunächst nicht versteht.
9. Wiedersehen mit Achduschrek
In Vindobona fragt Asterix den Wirt, ob er einen gewissen Achduschrek kenne.
Beimheurigenumsek erwidert, genau dieser habe ihm doch den Hinweis über den
Verbleib der Einhörner gegeben. Die Gallier machen sich sofort auf den Weg.
Achduschrek ist allerdings nicht zu Hause. Denn er versucht immer noch,
Zenturio Postbus davon abzubringen, die Herberge von Beimheurigenumsek sofort
anzugreifen, denn auch wenn die Gallier zurück in Vindobona seien, müsse man
zunächst den Stand der Dinge genau erkunden. Postbus hingegen hat die Nase voll
von der Warterei und zieht mit seinen Legionären los. Da sich das Gespräch mit
Achduschrek auf Grund dessen Langsamkeit beim Reden hinzieht, kommt der
informelle Mitarbeiter Cäsars mit den Römern mit. Die unvermeidliche Schlägerei
Obelix gegen die Römer findet also neuerdings in der Via Carniciensis zu
Vindobona statt. Asterix hingegen erkennt Achduschrek wieder und serviert ihm
scheinheilig einen Trank, der tatsächlich wie versprochen unverwundbar gemacht
habe und den er dem freundlichen Ratgeber nicht vorenthalten möchte. Achduschrek
durchschaut den Trick nicht und probiert dankbar. Eine demolierte Kohorte
und einen informellen Mitarbeiter Cäsars mit steifen Knie- und Ellbogengelenken
zurücklassend, sagen unsere Gallier der Stadt Vindobona Lebewohl.
10. Cäsars Lösung
In Rom ist Cäsar nur maßvoll verärgert über die Dusseligkeit seiner
Untergebenen. Immerhin hat sich das Ganze wenigstens in einer Hinsicht gelohnt. Denn
die Geschichte mit den Einhörnern und den Elchen noch in das sechste Buch des
Bellum Gallicum einzuarbeiten, könnte diesen Teil der Kommentare immerhin
sinnvoll auflockern.
11. Schlussbankett
Im Gallischen Dorf findet ein Festchen statt. Am Platz von Obelix steht
neben der Wildschweinpfanne ein großer Teller mit leckeren Süßspeisen.
Erläuterungen zu den lateinischen Ausdrücken:
Vindobona = Wien (in der Römerzeit war das etwas donauabwärts gelegene
Carnuntum weitaus bedeutender, doch ohne diesen kleinen Anachronismus fehlt es der
Geschichte an Witz)
Noricum = römische Provinz seit augusteischer Zeit, die den größten Teil des
heutigen Österreichs und Teile Ostbayerns umfasste
Commentarius Sextus = Sechstes Buch (beim Bellum Gallicum)
Danuvius = Donau
Via Carniciensis = Kärtnerstraße
vortex malorum = Apfelstrudel
globus faecis = Germknödel
scriblita Lentiensis = Linzertorte
Nequiquam, mare, subterfugi a tuis tempestatibus = Vergeblich, Meer, bin ich
deinen Unwettern entkommen (Plautus, Mercator 195)
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