Der Fall Gutemine
Autor: Hans-Georg Winterfeldt
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... wir befinden uns im Jahr 50 vor Christus Geburt.
Aus der Vogelperspektive gesehen flimmert über das Dorf der Verrückten die Luft wie eine Glocke. Die frenetischen Jubelsalven der zahlreichen Gäste - zum Rhythmus der Musiker - lassen den Palisadenzaun und die Luft vibrieren. Der Lärm einer Riesenparty steigt himmelwärts.
Herangezoomt sieht man, daß die Feiernden in ihrer Mitte vor der prall gefüllten Tafel eine Person hochleben lassen: Gutemine, die Gemahlin des Majestix hat Geburtstag. Jeder - vor allen Edelfix - drängt zu ihr und will sie herzen.
Hinter ihr sind ihre Geschenke aufgetürmt. Gutemine sonnt sich in Gedanken im Bad der Menge und wohlwollend verteilt sie Handküsse.
Ihre Freundinnen überreichen ihr Geschenk: Einen Vogelkäfig in der eine weiße Taub sitzt. "Laloma" heißt sie und wird von allen bewundert.
Falbala kichert Gutemine ins Ohr, daß die Taube allein ist und einen Mann brauchte.
Die Gratulanten lassen eine Gasse, durch die Majestix auf seinem Schild zum Geburtstagskind getragen wird.
Mit offenem Mund staunt die Menge laut über die prachtvolle und kopfgroße himmelblaue Rose, die Majestix vor sich am Stiel umklammert hält. Der dornige Rosenstengel reicht bis zur Erde. Im Duftschweif der Rose und in der Spur der Träger des Majestix liegen lauter tote Schmetterlinge und Fliegen kreiseln im Sturzflug herab.
Asterix erklärt dem staunenden Obelix, daß es sich um eine neue Sorte der belgischen Rose handelt. Obelix wundert sich, wo Automatix bleibt.
Als Majestix vor seine Gemahlin diese Rose in eine passende Amphore stellen läßt, verfärbt sich die Rose und wird knallrot. Sobald Majestix seiner Frau den Gratulationskuß aufdrückt entströmt ein angenehmer Duft von der Rose und entlockt den Umstehenden angenehmes Staunen.
In rosa Schleifen gehüllt überreicht Majestix dem Geburtstagskind einen Gutschein, den Gutemine beim Miraculix für einen Täuberich eintauschen kann. Der Jubel ist groß und die Gäste spornen Gutemine an, damit sie den Gutschein in ihrem Beisein eintauscht.
Vom Baumhaus des Assurancetourix, le barde, aus sieht man die lachende Gutemine, mit einem Taubenkäfig in der Hand, von ihren Freundinnen - Falbala, Gelantine, Flavia und Maestra in Hosen - begleitet, näher kommen und im Haus des Miraculix verschwinden.
Die anderen feiern und singen und raufen sich.
Sie kommt aus Miraculix seinem Haus mit einem Täuberich, namens Georg.
Alle hüpfen und stampfen vor Vergnügen, als der Täuberich die Taube im Käfig gurrend begrüßt.
Der Boden bebt und am Fuße des Baumhauses öffnet sich die Erde.
Das Baumhaus rutscht tiefer und Gelantine und Gutemine mit ihrem Taubenkäfig in der Hand straucheln in das Erdloch herab.
Die Umherstehenden stehen umher und erstarren vor Schreck.
Lediglich die Esser an der Tafel, unter ihnen Asterix und Obelix, plaudern johlend und schmatzend. Sie hören nicht, wie still es wurde.
Gelantine und Gutemine - den Tauben-Käfig fest im Griff - rutschen durch die glitsche Erdröhre tiefer.
Oben bröckelt die Erde weiter und läßt zuerst ein Rinnsal dann den halben Bach in das Loch glucksend verschwinden.
Der Stamm des Baumhauses sackt hinterher und versinkt, bis sein Schornstein niedriger als der Maulwurfhaufen im Garten von Miraculix ist.
Die beiden Frauen rutschen in einem gewundenen Gang abwärts, der auf eine Rampe endete, hinter der sich ein unterirdischer Grotte auftat.
Gutemine stolpert sich tastend im schimmernden Schein der Steine voraus und rutscht weiter. Gelantine ruft hinterher: "Wie geht's? Schlecht?" - "Nee, ich rutsche noch."
Fledermäuse umsausen die Frauen und sie erschrecken sich gegenseitig.
Die Grotte wird von einem Bach durchflossen und von irgendwoher wird das schimmernde Licht aus den Seitenarmen der Höhlengänge stärker.
Es roch sonderbar nach Vanille. Zuerst hörten sie Grunz-Belliges und umklammerten sich ängstlich. Dann vernahmen sie Singsang in hundertfältigem Laut und es roch jetzt nach Glühwein.
Sie gelangen in eine baumhohe Grotte, die in aquarmarines Licht getaucht ist, während der Sandboden silbrig schimmert.
Ein Dutzend Männer - mit kostbaren Ornamenten und Silberschmuck geschmückt - sitzen um ein offenes Feuer über dem an einem Dreibein ein Kessel brodelt.
Die Männer beten im Singsang zu Cerunnos, ihrem gallischen Gott der Natur. Ringsum an den Wänden stapeln sich bis zur Grottendecke die Helme der Römer.
"Das muß die Helmspielhalle von Asterix und Obelix sein?", staunt Gelantine und wischt umherfliegende Fledermäuse fuchtelnd weg.
Die Frauen erkennen Automatix, Mac Teefürzweifix, O'Fünfuhrteefix, Quantaplanckix, Nullnullnix, Verratnix, Selfservix und verblüfft ihren Schwager, Ozeanix.
"Nein Ihr Lieben befindet Euch inmitten des Klubs der Anonymen Alkoholiker - des ALCOHOLICI SINE NOMINI begrüßt sie Alkoholix, der Kneiper aus Gergovia.
"Beim AGNI, wollt Ihr auch trocken werden? Hier - nahe den Göttern - unter dem Dorf der Verrückten, geht eine Zauberkraft aus, die jeden Alkoholiker das Wasser lieben lehrt."
"Und was wollt Ihr aus dem Kessel da trinken?", will Gelantine wissen.
"Das wird unser Calva-Mix der aus Bracae, Cervisia, Zutat und Steinöl besteht. Dazu gibt es Gastrium-Palati-Sui."
Mac Teefürzweifix grinst anerkennend: "Schmeckt viel besser, als unsere Heißwasserstunde."
Gutemine erkennt den Neffen ihres Mannes. "Du hier?" Grautvornix umarmt seine Tante und stellt sie jenen 2 Kaledoniern - mit den unaussprechlichen Namen - vor, die sich respektvoll verbeugen.
Er zeigt seiner Tante - im Fackelschein - im hinteren Teil der Grotte was in den Holzfässern gelagert wird.
"Normalerweise kochen wir hier unsere letzte Erfindung - Seife. die wir in unserer vorletzten Erfindung - Holzfässer kippen und dann in den Bach rollern. Der trägt sie dann durch unterirdische Grotten bis zum nahen Strand..."
Gutemine staunt: "Das ist ja interessant." Grautvornix griff in ein Faß und zeigte stolz den Klumpen Seife. "Wir können nicht nur Seife kochen, sondern genausogut Eisen." - "Eisen?" Gutemine tippte sich an ihre Stirn. "Aber ja! Automatix bändigt dünne Eisenstangen im Feuer und weißglühend härtet er sie mit Tonschlamm. Heute brachte Automatix den Kaledoniern das Eisenbändigen bei. Du weißt, Tante Gutemine, daß die Gallier die schärfsten Schwerter und Lanzen haben... das darf niemand wissen. Nicht weitersagen. Mir graut davor, wenn das die Römer erfahren. Dann sind wir dran." -
"Mache Dir keine unnötigen Sorgen." tröstet Gutemine ihren Neffen Grautvornix. Er nickte und erzählte, daß sie nach getaner Arbeit sich im Bach waschen und zum Abschluß in ihrer Festkleidung beten und sich ihre Erfahrungen als ASN2-Club-Mitglieder austauschen.
Beide gingen zum Feuer zurück, wo Gelantine ängstlich umherfuchtelte. Da, sie hatte eine Fledermaus erwischt, die getroffen ins Trudeln gerät und dann sich besinnend in die Dunkelheit der Gänge verkrümelte. Automatix knurrte Gelantine an, daß von Fledermäusen keine Gefahr ausgeht und mahnt:
"Wenn Du in eine Höhle gehst nimm nichts mit, laß nichts zurück und zerstöre nichts und schlage nichts tot."
Gelantine unterbricht ihn:
"Was heißt hier gehen? Wir sind hier reingerutscht. Ich will heim!"
Gutemine stimmt zu und drängt die Männer zum Gehen.
Das unangenehme Grollen und Grunz-Bellige wurde dumpfer und schien näher zu kommen.
Hoch aus der Vogelperspektive sieht man, wie im nahen Atlantik ein unterseeischer Vulkan entstehen, dessen nachquellende Glut sich ringsum unterirdisch weit - wie ein riesiger Tintenklecks - durch das weiche Sedimentgestein drückt und unter dem Strand entlang, bis hin zum Dorf der Verrückten, sein glühende Lava-Finger bohrt. Das Wasser schäumt und brodelt.
In der Höhle fallen Steine und die Glut bohrt sich näher. Auf einmal wurde die Luft wurde dichter und staubiger.
Erschrocken springen sie auf.
Gutemine und Gelantine wollen mit den Männern folgen, als vor den Männern sich ihr Höhleneingang mit Schutt verschließt.
Während die Männer ratlos diskutieren, welchen Seitenarm sie für ihre Flucht nehmen, schließen die Engländer Wetten ab, welches dunkle Loch ringsum der tatsächliche Ausgang aus dem Labyrinth der Grotten sein mag.
Gutemine schüttelt darob ihren Kopf und öffnet ihren Taubenkäfig.
Die Tauben - Georg voran - fliegen schnurstracks zu dem schmalen Gang mit Schlüssellochprofil. Die Frauen folgen ihnen und die Männer schaffen es noch rechtzeitig hinterher.
Aus den anderen Seitenarmen drückt sich eine Schuttmasse durch die Grotte, das Feuer erlischt und der Schutt - von der Lava vorangetrieben breitet sich aus und wird durch alle Öffnungen von der Lava gepreßt.
Das hat zur Folge, daß Assurancetourix, le barde, sein Baumhaus wieder hochgeschoben wird und das verdichtete Erdreich ihm einen festeren Stand verlieh.
Die Lava erstarrte zischend im herabrieselnden Wasser des Baches, der vom hochgeschobenen Erdreich sein altes Bett zurück erhielt.
Gutemine, Gelantine, die Männer des ALCOHOLICI SINE NOMINI werden von dem Luftdruck zischend durch den Gang gepreßt und landen wie Sektkorken hinter der Hütte des Automatix. Dort zwischen den Felsen des nahen Waldes finden die ausgesandten Suchtrupps die Verschollenen und versorgen sie sofort.
Obelix maulte, daß man nicht einmal in Ruhe essen kann und Asterix wollte helfen, derweil war alles erledigt.
Die Erde hatte sich beruhigt und das Wiedersehen wurde mit einem Festessen gefeiert, das sich sehen lassen konnte. Und zur
Überraschung aller: Assurancetourix, le barde, - das Geburtstagskind Gutemine setzte sich durch - durfte ungeknebelt mitfeiern und weil er versprach nicht zu singen, ließ er den Kinderchor ihre neu eingeübten Lieder singen. Als die Kinder zu Bett mußten, erkletterte er sein Baumhaus und fegte den Dreck herunter. Dünne Staubfahnen wehen scheinbar zum Vollmond hin... begleitet von einem leisen Lied, das seinen Lippen verließ - Oha...
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