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Asterix und der Tempel Cäsars

Autor: Petra Berkmann

Bitte beachten Sie: die Rechte der jeweiligen Geschichten liegen ausschließlich beim Autor.
Setzen Sie sich mit dem Autor in Verbindung, wenn Sie weitere Fragen zur Geschichte haben.
Comedix hat die Erlaubnis zur Veröffentlichung ausschließlich im Rahmen dieses Wettbewerbs.

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Wir befinden uns im Jahre 50 vor Christus. In Rom, der caput mundi, findet im prachtvollen Palast des großen Julius Cäsar gerade eine Besprechung statt! Vor dem Herrscher Roms, der im großen Saal auf seinem Thron sitzt, steht ein kleiner schmächtiger Mann, dessen Toga schlampig über den Schultern hängt. "Ich habe dich rufen lassen, Kummalldrus", spricht Cäsar nun den kleinen Mann an, "weil du einer meiner besten Spione bist. Ich brauche dich für eine besondere Mission!"

Unwillkürlich blickt Kummalldrus zum Cäsar hoch und zupft sich seine Toga zurecht.
"Wie du weißt, befindet sich ganz, oder jedenfalls fast ganz Gallien im Besitz des römischen Imperiums!" Kummalldrus weiß nur zu gut, wie sehr Cäsar sich über das Wort "fast" in der Gestalt eines kleinen, zur Unabhängigkeit entschlossenen Dorfes ärgert, aber er sagt nichts. Es ist im Allgemeinen nicht sehr gesund Cäsar zu reizen.

"Doch nicht nur dieses dämliche Dorf", erhebt nun Cäsar selbst seine Stimme, "ist eine Unerträglichkeit sondergleichen für die römische Staatsmacht! Auch in Lutetia gab es einen Aufstand gegen meine Person, man stelle sich vor!"
"Unerhört, oh Cäsar!" bestätigt Kummalldrus.
"Unerhört, genau!" gibt ihm Cäsar Recht, und er fährt fort:
"Doch dank des vortrefflichen Kampfes des großen Imperators gelang es, die Rebellen auszuheben und sie ihrer gerechten Bestrafung zuzuführen. Mit Ruhm bedeckt kehrte er als Sieger aus Gallien zurück, und im Zuge seiner Gerechtigkeit verfügte Cäsar, dass alle an der Rebellion Beteiligten zu versklaven und nach Rom zu bringen sind!" Cäsar liebt es bisweilen, von sich selbst in der dritten Person zu sprechen.

"Wie weise, Unübertrefflicher!" schmeichelt Kummalldrus. Cäsar ignoriert den Kommentar. "Nun, mein Sohn", meint er gönnerhaft zu seinem Meisterspion, "sämtliche gallische Sklaven sind in der Zwischenzeit glücklich in Rom gelandet und werden von mir zum Bau des großen Cäsarenforums auf dem Forum Romanum eingesetzt, mit welchem ich für meinen Sieg bei Pharsalos über den schändlichen Pompejus den Göttern zu danken gedenke! Sie stehen selbstverständlich unter strengster Aufsicht des Militärs!" "Aber", erlaubt sich Kummalldrus zu fragen, "wie ich sehe, hast du alles zum Besten gelöst! Wo liegt dann also das Problem?" "Das Problem liegt darin", schreit Cäsar, von plötzlicher Wut erfasst, "dass einer dieser Sklaven noch in Gallien auf dem Transport nach Rom geflohen und entkommen bist!"

Cäsar beugt sich drohend über Kummalldrus und packt ihn an der Toga. Seine Augen blitzen vor Zorn, als er ihm einschärft: "Bring ihn mir, diesen Sklaven, oder du findest dich im Circus wieder! Das schwöre ich bei allen Göttern Roms und auch bei sämtlichen Göttern der Barbaren, wenn es sein muss!" In seiner Rage bemerkt Cäsar gar nicht, dass er Kummalldrus so energisch packt, dass sich dessen Körper vom Boden hebt. Der kleine Mann rudert hilflos mit Armen und Beinen. "Wenn deine Erhabenheit mich bitte loslassen würde!" keucht er!
"Gut!" meint Cäsar nur und lässt seinen Spion unsanft zur Erde plumpsen. Kummalldrus aber rappelt sich rasch wieder hoch.
"Hast du eine Beschreibung von diesem entlaufenen Sklaven?" fragt er.
"Ach ja!" Cäsar brüllt zu seinen Dienern hinüber: "Man bringe die Papiere!"
Wenig später schleppt ein gebückter Sklave einen Stoß von fünf schweren Marmorplatten heran. Cäsar zeigt sie seinem Spion und erklärt:
"Er heißt Schurfix. Ursprünglich war er Schäfer, dann hat er an bestimmten Tagen gestohlene Steuergelder an die Lutetier verteilt. Hier ist ein Bild von ihm, darunter eine genaue Beschreibung samt seinem Strafakt und den vermuteten Aufenthaltsorten sowie weitere Anhaltspunkte, im Übrigen eine Karte von Gallien!" Tatsächlich lassen sich in der oberen rechten Ecke auf einer der Marmorplatten die schemenhaften Umrisse einer menschenähnlichen Gestalt erkennen. "Ich will, dass du von Stund an nach Gallien aufbrichst. Nimm die Papiere mit, du wirst sie brauchen!"

Kummalldrus bückt sich danach, doch das Gewicht der Marmorplatten drückt den schmächtigen Mann nieder. Er zittert am ganzen Körper vor Anstrengung, als er sie in der Hand zu halten versucht, und nur wenige Augenblicke später passiert, was passieren muss. Kummalldrus liegt am Boden, die Marmorplatten in Trümmern. "Pass gefälligst auf und räum hier zusammen!" meint Cäsar herzlos und macht sich von dannen. "Du Tyrann!" flucht Kummalldrus dem Cäsar hinterher, "aber warte nur, du wirst dich noch wundern! Ich habe meine eigene Art, deinen Auftrag zu erledigen! Vor allem eine, die mir selbst sehr zupass kommt!"

Nur kurz darauf wird Cäsar von einem Diener aufgesucht.
"Königin Kleopatra will den Hallodri sprechen!" erklärt er, "damit bist sicher du gemeint, oh Cäsar!"
Cäsar ist sich da nicht so sicher.
"Äh, Näheres hat sie dazu nicht gesagt?" fragt er.
"Nun ja", antwortet der Diener, "sie sagte auch Dreckskerl, Falott und volle Sau!"
Nun ist auch Cäsar davon überzeugt, wen Königin Kleopatra gemeint haben könnte, und er sucht sie in ihren Gemächern in seinem Palast auf. Der Empfang seiner Herzensdame ist äußerst kühl.
"Mir kommt zu Ohren, dass du einen Tempel für dich auf dem Forum Romanum bauen willst!"
"Ja, allerdings! Was gibt es dagegen einzuwenden?" wundert er sich.
"Dagegen einzuwenden gibt es …" tobt die schöne Königin mit der wunderbaren Nase, "dass ich in Rom auf die Straße gehe und überall blicken mich Statuen mit deinem Gesicht an. Cäsar! Cäsar! Cäsar, wohin man schaut! Soviel Arroganz muss man ja zuerst einmal haben, dass man diese schöne Stadt mit seiner eigenen grässlichen Visage derart verschandelt!"
"Nun ja", gibt Cäsar zu.
"Aber für mich, für die Königin von Ägypten, für die Mutter deines Sohnes, hast du nicht ein klitzekleines Tempelchen übrig, keine kleine Statue! Nichts!"
"Aber Kleolein!"
"Nichts da! Es hat sich ausgekleoleint! Entweder du stellst rasch etwas in den Busch, das meiner würdig ist, oder wir sind geschiedene Leute!" Zur Verstärkung ihres Anliegens wendet Kleopatra dem Cäsar brüsk ihren Rücken zu und hält ihre schöne Nase nach oben. Cäsar versteht, dass es ihr ernst ist, und er will ja nicht, dass sie böse auf ihn ist.
"Aber natürlich, liebste Königin! Ich werde dir eine wundervolle Statue im Cäsarenforum widmen, die deine erhabene Schönheit ganz zur Geltung bringt. Mit Gold überzogen! Versprochen!"
"Ach, mein guter alter Julius!" freut sich Kleopatra und sieht bereits um sich herum rote Herzen tanzen.

Während in Rom diese Besprechung stattfindet, erhebt sich über ein kleines, uns wohl bekanntes gallisches Dorf ein herrlicher Frühsommermorgen. Die guten Bewohner gehen ihrem Tagwerk nach. Automatix schmiedet auf seinem Amboss Schwerter, Verleihnix preist an seinem Verkaufsstand seine frisch per Ochsenwagen aus Lutetia gekommenen Fische an, Troubadix fegt seine Wohnung aus und der Chef des Dorfes, Majestix, putzt sein Dienstschild! Am Eingang zum Dorf steht Wachpostix und hütet das Dorftor, als er einen großen schlanken Mann erblickt. Dem mächtigen blonden Schnurrbart und den langen, sorgfältig geflochtenen Zöpfen nach zu schließen handelt es sich bei dem Mann um einen Gallier.
"Ist hier das Dorf der Spinner? Ich will euren Chef sprechen!" erkundigt sich der Fremde. Doch da gerät er bei Wachpostix an den Falschen. Sofort hält er ihm seinen Speer vor das Brustbein und fragt drohend: "Was für ein Dorf soll das hier sein?"
Der Fremde lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.
"Auf meinem Weg hierher haben andere Leute dieses Dorf hier stets als das Dorf der Spinner bezeichnet!"
Wachpostix lässt den Speer sinken. "Die spinnen, die anderen Leute!" erklärt er, "aber ich bringe dich zu unserem Chef!"
Kurz darauf befindet sich der Fremde in der Hütte von Majestix, dem Häuptling des Dorfes, der auf seinem hölzernen Thron über dem ruhmreichen Avernerschild sitzt. Auch der Dorfrat hat sich versammelt, dem Troubadix, der Dorfschmied Automatix, der Druide Miraculix und Asterix angehören. Auch Obelix ist dabei, weil er der dickste Freund von Asterix ist, und das kleine Hündchen Idefix.
Der Fremde stellt sich als Schurfix vor und erzählt seine Geschichte, vom Aufstand in Lutetia, bei welchem es vor allem darum ging, den Römern wieder jene Steuern abzujagen, die diese zuvor den arbeitenden Lutetiern abgepresst hatten. Er erzählt von der Aushebung der Rebellen, von ihrer Versklavung und von seiner Flucht noch auf dem Transport nach Rom.
"Dann bist du also ein entlaufener Sklave?" fragt ihn Miraculix.
"Sozusagen! Aber ich lasse meine Freunde nicht im Stich. Ich will nach Rom, sehen, ob ich sie dort finde und sie zurück nach Lutetia bringen kann. Sie haben alle Familien, für die sie sorgen müssen."
"Es ist gefährlich, Sklaven zur Flucht zu verhelfen!" bemerkt Miraculix.
"Die einzige Alternative wäre, in der Sklaverei zu bleiben!" gibt Schurfix zu bedenken, und fährt fort: "Ich weiß, dass es gefährlich ist! Darum bitte ich auch um eure Hilfe! Ich habe mir sagen lassen, der Trank eures Druiden habe eine geradezu sagenhafte Wirkung!"
"O ja, die hat er!" bemerkt Miraculix nicht ohne Stolz, "schon ein kleiner Schluck genügt, und man bekommt übermenschliche Kräfte!"
Majestix reibt sich an der Nase. Schließlich meint er: "Natürlich helfen wir dir! Wir helfen jedem gegen Rom! Ich halte es für klug, wenn dich Asterix und Obelix auf deine Mission begleiten! Sie haben Erfahrung! Habt ihr Lust, ihr beiden?"
Asterix strahlt bereits wie ein Sternchen und ist ganz aufgeregt bei dem Gedanken an ein weiteres Abenteuer. Die Flügel seines Helms wandern steil nach oben. "Und ob!" freut er sich. "Was meinst du, Obelix?"
Obelix nimmt seinen kleinen Hund auf den Arm: "Sollen wir dem netten Herrn helfen, Idefix?" "Waff waff", antwortet dieser.
"Er meint ja!" übersetzt Obelix und lächelt zufrieden, bereits von einer zünftigen Keilerei träumend.

Kurz darauf nehmen Asterix, Obelix und Schurfix Abschied vom kleinen gallischen Dorf und machen sich auf die Reise. Der Druide Miraculix überreicht Schurfix eine Amphore mit dem Zaubertrank und im Übrigen eine Extraportion in einem kleinen Fläschchen für Asterix. "Ihr werdet es brauchen!" meint er, "Gute Reise, Kinder, und kommt mir gesund wieder!" ermahnt er die Reisegenossen freundlich und winkt ihnen nach. Troubadix, der Barde, will dieses eine Mal wenigstens sein Abschiedsliedchen singen und verzichtet, aus Erfahrung klug geworden, wohlweislich darauf, dies voranzukündigen. Er greift einfach in die Saiten seiner Laute und fängt an: "Nun ade, du mein lieb Heimatland, lihieb Heimatland ahade …" singt er, und die Noten klingen dabei grässlich verzerrt. Wer jemals eine Ziege wiehern hörte, kann sich in etwa eine Vorstellung von seinen Gesangeskünsten machen. Automatix jedenfalls reicht schon der erste Ton der musikalischen Darbietung, um sofortige Maßnahmen zu setzen. Er haut mit der Faust dem Sänger mehrmals auf den Kopf und zerdeppert die Laute. "Schönen Gruß vom lieben Heimatland!" meint der Schmied lakonisch zu seinem Dorfgenossen und verlässt die Stätte seiner Wut.

Von solch unschönen Szenen abgesehen spazieren unsere Freunde an Wachpostix vorbei zum Dorftor hinaus. Kaum haben sie das kleine Dorf hinter sich gelassen, kann es sich Obelix nicht verkneifen, auf die mit Zaubertrank gefüllte Amphore zu zeigen und Schurfix zu fragen: "Lässt du mich das auch mal probieren?" Aber Asterix hat Ohren wie ein Luchs und entscheidet an seiner Stelle: "Nein, Obelix zum tausendsten Mal, für dich gibt es keinen Zaubertrank!" Schurfix hört den beiden verblüfft zu, und weil er es nicht wissen kann, erklärt Asterix: "Obelix ist nämlich als kleines Kind in einen Kessel voll Zaubertrank gefallen! Seither hält die Wirkung bei ihm an, und der Druide hat ihm streng verboten, jemals wieder einen Schluck zu nehmen!" "Was du nicht sagst!" schmollt Obelix. Er dreht sich weg, man sieht ihm an, dass es ihm nicht recht ist, dass Asterix diese schon unzählige Male kolportierte Geschichte erzählt. Und weil er keinen Zaubertrank bekommt, muss seinem Magen anders geholfen werden.
"Ich bin für eine Rast!" erklärt er.
"Aber wir sind doch erst losgegangen!" wundert sich Asterix.
"Ja, aber ohne, dass ich zuvor Wildschwein gegessen habe. Und ohne Wildschwein im Bauch kann ich keinen Schritt machen! Da ist übrigens schon eines!" Obelix leuchten die Augen vor Vorfreude, als er losstürmt, das Objekt seiner Begierde zu jagen. Keine Rede mehr davon, dass er keinen Schritt mehr machen könne.
Asterix breitet hilflos die Arme aus. "Was soll man da machen?" gibt er sich geschlagen. Und schon nach kurzer Zeit drehen sich tatsächlich vier Wildschweine am Spieß.
"Sagenhaft, wie du die Wildschweine mit der bloßen Faust gejagt hast!" lobt Schurfix erstaunt und beißt selbst herzhaft in eine Keule. "Kommt das vom Zaubertrank?" "Nein!" behauptet Obelix, "das mache ich immer so!"
Und nachdem sich unsere Freunde gestärkt haben, geht die Reise quer durch die aremoricanischen Wälder. Im Wesentlichen verläuft sie ohne Zwischenfälle. Unsere Freunde gelangen nach kurzer Zeit nach Brivates. Von dort aus möchten sie ein Schiff mieten, um auf dem Wasserwege nach Rom zu gelangen. Asterix meint, dass es für Schurfix so am sichersten wäre, denn auf offener See würden die Römer den entlaufenen Sklaven kaum suchen.
Das Schiff ist teurer, als es Asterix recht sein kann, aber man hat keine Wahl, und so bezahlt er die fünfzig Goldstücke, die der Schiffsverleih fordert. Obelix größte Sorge ist die Nahrungsverpflegung, und so jagt er noch rasch ein paar Wildschweine, um sie für die lange Reise an Bord zu bringen. Im Meer gäbe es zwar eine Menge Fische, die man nur angeln müsste, aber Fisch isst Obelix aus Prinzip nicht. Daher hat er auch nur selten Probleme mit Verleihnix. Und so segelt das Trio bei ruhiger See die gallische und iberische Küste entlang, fährt durch die Säulen des Herakles und möchte über das tyrrhenische Meer weiter nach Rom gelangen.

Als sich unsere Freunde der Hafenstadt Massilia nähern, besteht Obelix darauf, dass man an Land geht, um in einer Hafentaverne einzukehren. Er möchte unbedingt einmal ein gebratenes Wildschwein probieren, welches mit den berühmten Kräutern der Provence gewürzt ist. Asterix gibt nach, und so besucht man ein Gasthaus mit dem Namen "Zum doppelten Wildschwein". Obelix verdrückt drei doppelte Wildschweine, was in Einzelschweinen gerechnet sechs Stück ergibt.
Es ist bereits Nacht, als unsere Freunde auf das Schiff zurückkehren. Doch sie trauen ihren Ohren nicht. Alle drei lauschen verblüfft in die Nacht hinaus. Man hört fröhliche Lieder von zweifelhafter musikalischer Qualität.
"Ich bin so schön, ich bin so toll, ich bin der Anton aus Ti-ooool..." grölt da jemand.
"Ich habe gar nicht gewusst, dass Troubadix auch in Massilia ist!" kommentiert Obelix das Konzert mit unschuldiger Miene. Asterix hingegen stört sich nicht nur an den schrägen Tönen. "Das kommt von unserem Schiff!" ruft er erregt. "Das ist jemand auf unserem Schiff!" "Wir müssen nachsehen, was los ist!" meint Schurfix und stürmt als erster los.
Die drei Freunde schleichen sich lautlos in die Nähe ihres Schiffes. An Deck hat man einige Petroleumlampen angezündet, die das Schiff nun in einen fahlen Lichtschein tauchen. Aber welch ein Anblick bietet sich da unseren Freunden. Zwei Fässer liegen offen auf dem Boden, aus ihnen fließt noch immer Wein über das Schiffsdeck. In einer der Laken liegt Baba, ein numidischer Pirat, und hält ein Horn voll köstlichem Nass in die Höhe, von welchem er immer wieder einen Schluck trinkt. "Mei Figu', a Wunde' de' Natu'!" singt er lautstark. Nicht weit davon entfernt liegt Dreibein auf einem Kissen und schnarcht wie ein Sägewerk.
"Es gehört verboten, mit einer Lautstärke von über 90 Dezibel zu schnarchen!" meint Obelix. "Schsch", macht Asterix und gibt ihm ein Zeichen, dass er gefälligst den Mund halten soll.
Erix, der Sohn des Piratenkapitäns liegt auf einem Polster, beide Beine weit von sich gestreckt, einen Becher in der Hand haltend "Und dann, hicks, sagte die schöne Tänzerin zu dem Typen: Geh scheißen! Wahaha, wie findest du das?" erzählt er seinem Vater Enternix lallend. Piratenkapitän Enternix ist leicht an seinem roten Rauschbart und seinem Helm mit Bockshörnern zu erkennen. Er stampft missmutig mit dem Bein auf und hält die Arme zornig verschränkt. "Schluss damit!" brüllt er, "Schön! Wir haben zum ersten Mal seit langem wieder Erfolg und werden uns bald ein eigenes Schiff leisten können! Aber das ist kein Grund, sich aufzuführen wie eine Horde Piraten! Wer hier noch einen Becher anrührt, dem zerbreche ich eigenhändig alle Knochen vom kleinen linken Zehen hinauf bis zum Schädel! Ich erwarte mir etwas mehr Disziplin!"
"Dischi .. Dischis... Dischislipin! Habt ihr das gehört?" lacht Baba. Schallendes Gelächter von allen Seiten antwortet Enternix.
"Ruhe!" schreit dieser nun, "ich mache jeden alle, der hier noch einmal dämlich lacht! Wir müssen so schnell wie möglich von hier verschwinden, bevor jemand merkt, dass wir sein Schiff gestohlen haben! Der gallische Süden ist ab sofort gestrichen! Hier schmeckt euch der Wein viel zu gut!"
"Sie wollen unser Schiff stehlen!" fasst Asterix das Gehörte rasch zusammen. "Das müssen wir verhindern!"
"Oh ja, das müssen wir verhindern!" Obelix Augen leuchten, und er schwingt sich sofort auf das Deck, um ebendies zu tun. Mit einem gezielten Kinnhaken schmeißt er Enternix gegen die Reeling, wo er regungslos liegen bleibt.
"Die Ga ... die Ga... die Gallie'!" schreit Baba, der mit einem Mal wieder nüchtern ist. Obelix packt ihn an den Beinen und verwendet ihn als Wurfgeschoss, um damit Erix und Dreibein Hiebe zu versetzen.
"Runter von unserem Schiff, runter von unserem Schiff!" kommandiert er.
"Wir gehen ja schon!" meint der Kapitän, der sich mühsam hochrappelt.
"Und der Gefangene an Bord?" fragt Erix zum Entsetzen seines Vaters. Asterix versteht binnen Sekunden und vergreift sich an Enternix, packt ihn am Hemd, gibt ihm links und rechts ein paar Ohrfeigen und fragt: "Was ist mit dem Gefangenen, du Halunke, los, antworte!" Der Piratenkapitän hängt mit dem ganzen Körper wehrlos an Asterix Arm, der ihn emporhebt, und um weiteren Hieben zu entkommen, wird er gesprächig: "Wir haben einen Römer als Gefangenen an Bord, den wir Phöniziern als Sklaven verkaufen wollten! Dann könnten wir endlich die Ratenzahlungen für ein neues Schiff aufbringen und bräuchten keines mehr zu stehlen. Er befindet sich in der kleinen Kajüte gleich rechts unter Deck! Wir überlassen euch die Geisel und das Schiff, wenn du mich jetzt bitte loslassen würdest!"
"Gut!" meint Asterix und lässt tatsächlich los, "ich sehe nach! Du und deine Kumpels, ihr putzt gefälligst diese Schweinerei auf!" meint er und zeigt auf die Überreste des Trinkgelages. Der Kapitän greift sich an den Hals, um zu sehen, ob sein Kopf noch richtig sitzt, doch gleichzeitig stellt er schon wieder klar: "Oh nein! Wir überlassen euch das Schiff und den Gefangenen! Zu mehr habe ich mich nicht verpflichtet!"
"Obelix", wendet sich Asterix daraufhin an seinen Kumpel, "stelle das mal rasch klar!"
"Natürlich!" meint Obelix, und erhebt bereits die Hand zum Faustschlag. "Nein, nein, wir putzen ja!" jammert Enternix, und Baba eilt bereits, um Eimer und Lappen zu holen. Niemand bemerkt, dass Idefix sich in einem der umgekippten Fässer an einem Rest Wein labt und dabei verzückt lächelt.
Asterix begibt sich inzwischen unter Deck und sieht in die Kajüte gleich rechts unter Deck. Dort liegt, an Armen und Beinen gefesselt, ein bedauernswerter Römer auf seiner Koje. Asterix befreit ihn von seinen Fesseln und dem Knebel im Mund. "Wer bist du und was wollten die von dir?" fragt er den Gefangenen.
"Ich heiße Kummalldrus, und ich fiel den Piraten hier in Massilia in die Hände! Ich weiß nicht, was sie mit mir vorhaben, aber jedenfalls scheint meine Gefangennahme ihr erster Erfolg seit langem zu sein! Sie haben ihn ordentlich begossen!" Asterix überlegt sich, dass es wohl kein großes Kunststück war, den schmächtigen Mann zu überwältigen.
"Warum ausgerechnet dich?"
Kummalldrus überlegt rasch, dass er mit dem unbekannten Gallier nicht über seine geheime Mission sprechen darf, selbst dann nicht, wenn er ihm für die Befreiung dankbar sein muss.
"Ich weiß es nicht! Ich wollte nur hier in Massilia etwas Wein kaufen. Aber jetzt habe ich keine Sesterze mehr und weiß nicht, wie ich wieder nach hause kommen soll."
"Du hast Glück! Wir befinden uns gerade auf dem Weg nach Rom. Du fährst selbstverständlich mit uns!"
"Hab Dank, Fremder!" freut sich Kummalldrus und küsst in seiner Begeisterung Asterix auf die Wange. Asterix geht rasch nach oben auf das Deck und reibt sich angewidert die Wange. "Igitt!" denkt er sich, "lauter Spinner unterwegs heute!" Als er an Deck kommt, sieht er, wie Obelix und Schurfix es sich auf zwei Pritschen gemütlich machen und sich von Enternix Wein servieren lassen, während die übrige Piratenmannschaft das Deck schrubbt.

Am nächsten Morgen sticht das sauber geputzte Schiff in See Richtung Rom. Asterix steht am Steuerrad, während Obelix mit seinem Hund Idefix spielt. Schurfix kommt auf Asterix zu, um mit ihm über eine Angelegenheit zu sprechen, die ihm schon länger im Magen liegt: "Asterix, mir gefällt es nicht, dass wir einen Römer an Bord haben." "Ich hatte keine Wahl", entgegnet der kleine Gallier, "er hat kein Geld und muss nach Hause, um neues zu holen. Er wollte nur Wein kaufen, ich glaube nicht, dass er eine Gefahr darstellt."
"Wie auch immer: Er darf auf keinen Fall erfahren, wer ich bin und zu welchem Zweck wir nach Rom reisen! Wir wissen nicht, ob er uns an Cäsar verrät, wenn er Bescheid weiß!"
"Wir werden uns hüten, du kannst ganz beruhigt sein, Schurfix!" meint Asterix. "Das wichtigste ist ohnehin, dass wir in Rom deine versklavten Freunde finden! Wir dürfen auf keinen Fall zu große Aufmerksamkeit erregen!"
Asterix ahnt nicht, dass er bereits zuviel gesagt hat. Hinter dem Schiffsmast stehend wird Kummalldrus zufällig Zeuge des Gesprächs, und er kann sich seinen Reim daraus machen. "Ich habe mehr Glück als Verstand!" meint er, "ich bin hier an Bord mit diesem Schurfix, und er liefert sich selbst geradewegs nach Rom. Ich könnte, sobald wir in Rom sind, einfach Cäsar informieren. Aber ich gehe anders vor!"
Und so geht die Reise weiter direkt nach Rom, und unsere Freunde ahnen nicht, dass sie einen Feind mit sich führen.

Man läuft schließlich tatsächlich den Hafen von Rom an und findet auch an der Mole einen Platz, an welchem die Landung erlaubt wird. Weil die Hafenverwaltung keinen der Neuankömmlinge kennt und keine Verdachtsmomente vorliegen, lässt man sie auch ohne weiteres passieren. Man befindet sich bereits in den engen Straßen der Stadt. "Ich weiß gar nicht, wo wir anfangen sollen zu suchen!" bemerkt Schurfix traurig, "Rom ist groß!"
"Wir könnten einfach Cäsar fragen!" meint Obelix.
"Du vergisst, dass Schurfix ein entlaufener Sklave ist!" bemerkt Asterix.
"Was sucht ihr eigentlich?" fragt Kummalldrus unschuldig, als ob er es nicht wüsste.
"Das geht dich nichts an!" keift Schurfix unfreundlich.
"Natürlich nicht! Aber ich bin Römer und kenne mich aus in der Welt. Wenigstens hier! Ich könnte euch führen!"
Asterix, Obelix und Schurfix sehen sich an. Die Behauptung des Römers hat etwas für sich, dem müssen sie zustimmen.
"Gut, wir vertrauen dir! Aber nur, weil wir keine Wahl haben!" meint Asterix missmutig. Schurfix seinerseits entscheidet sich, dass es wohl klüger wäre, sein Misstrauen für kurze Zeit zu begraben, und Obelix fragt gerade heraus: "Weißt du, wo Cäsar seine neuen Sklaven aus Gallien unterbringt?" Asterix und Schurfix sehen ihn entsetzt an, und erst recht wundern sie sich, dass Kummalldrus unbedarft Auskunft gibt:
"Auf dem Forum Romanum lässt Cäsar einen neuen Tempel bauen, und ich weiß, dass er dort neue Sklaven aus Gallien im Einsatz hat! Vielleicht sind dies eure Freunde!" "Woher weißt du das?" fragt Asterix misstrauisch.
"Das spricht sich herum in Rom! Was ist nun? Soll ich euch zum Forum Romanum hinführen oder nicht? Ihr müsst aber vorsichtig sein. Es ist nicht erlaubt, die Baustelle zu betreten!"
"Führe uns hin!" meint Asterix schließlich.

Einen kurzen Fußmarsch später befinden sich unsere Freunde tatsächlich auf dem Forum Romanum, auf welchem gerade die Grundsteine zu dem Tempel gelegt werden, der später als Cäsarenforum berühmt werden wird.
"Hier ist es!" meint Kummalldrus.
Die Arbeitsmoral der Sklaven hält sich aber offensichtlich in Grenzen. Bislang hat man allenfalls ein paar Bausteine aufgetürmt und einen winzigen Teil des Fundamentes, der vielleicht drei Schaufeln voll Erde ausmacht, ausgehoben. Die Sklaven sitzen lieber zusammen auf den Steinen und plaudern. Sie spielen Karten und trinken Cappuccino. Die Aufseher haben schon längst entmutigt ihre Peitschen sinken lassen. Einige Legionäre, die die Baustelle bewachen, sind an den Rändern des Forum Romanums postiert!
"Halt, wer da!" brüllt ein Soldat, der Asterix erblickt hat.
"Wir!" sagt Obelix und donnert ihm mit der Faust auf den Dez, sodass der Helm ganz und gar zerbeult und der sich darunter befindende Soldat außer Gefecht gesetzt ist. "Obelix!" brüllt Asterix, "Du kannst nicht jetzt schon eine Prügelei anfangen! Wir wissen nicht, wie viele Soldaten hier sind, und wir sind in geheimer Mission unterwegs! Hast du das vergessen!"
"Immer hackst du auf mir rum! Zollformalitäten erledige ich nun mal so!" verteidigt sich Obelix.
"Schon gut! Geschehen ist geschehen! Hoffentlich haben es die anderen Soldaten nichts mitbekommen", meint Asterix.
"Wir müssen nur so tun, als ob wir auch arbeiteten!" schlägt Schurfix vor, "dann können sie uns nicht von den anderen Arbeitern unterscheiden". Asterix nickt, obschon er nicht weiß, wie man unauffällig arbeitet, wenn alle anderen auffällig nicht arbeiten.
Am Rand der Baustelle befindet sich ein kleiner Imbissstand, welcher Cappuccino, Römerquelle, gallischen Wein, Pizza und warme Spaghettis anbietet. Obelix entdeckt ihn als erster: "Hier kann man essen!" freut er sich und stürmt auf den Imbissstand zu, obschon er dann enttäuscht feststellen muss: "Hier gibt es gar kein Wildschwein!".
"Der Verkäufer! Das ist Nixisfix!" freut sich Schurfix und stürmt hinter Obelix her. Asterix, Idefix und Kummalldrus folgen ihm.
"Nixisfix! Was für eine Freude dich zu sehen!" strahlt Schurfix und umarmt den Verkäufer. Nixisfix wischt sich vor Rührung eine Träne fort. "Schurfix! Wir glaubten, dich nie mehr zu sehen! Haben sie dich gefunden und auch versklavt?"
"Nein! Sie wissen nichts davon, dass ich hier bin! Ich bin gekommen, um euch nach Hause zu bringen!"
"Ach, wenn es so einfach wäre! Selbst wenn wir Rom verlassen, so wären wir doch nur entlaufene Sklaven, die sich selbst in ihrer Heimat nie mehr sicher fühlen können! Was glaubst du, wie ich unser gutes Lutetia vermisse! Man müsste mit Cäsar verhandeln können, um wieder nach Hause zu kommen!"
Schurfix zuckt zusammen, als er Nixisfix auf diese Weise sprechen hört. Auch die anderen drehen sich nach Kummalldrus um. Dieser blickt mit unschuldiger Miene auf die andere Seite und tut so, als hätte er nichts gehört.
"Sei vorsichtig, Nixisfix!" ermahnt Schurfix seinen Kollegen in Richtung Kummalldrus, "wir sind nicht sicher, ob wir dem Römer trauen können!" Obelix schickt dem Römer eine Faust in den Magen und haut ihm zusätzlich auf den Kopf. Kummalldrus bricht ohnmächtig zusammen.
"Er schläft!" meint Obelix, "wir können reden!"
"Gut!" meint Nixisfix. "Dann sage ich nur so viel: Wir sind hier auch nicht untätig geblieben und arbeiten auch selbst an unserer Befreiung. Am Abend treffen wir uns an einem geheimen Eingang zu den Katakomben, der sich beim singenden Strauch befindet. Du findest ihn zwei Querstraßen weiter, dann rechts, hinter dem dritten Haus links!"

Abends, zwei Querstraßen weiter, dann rechts, hinter dem dritten Haus links! Unsere Freunde stehen vor einem Wacholderstrauch, der gerade den Refrain eines amerikanischen Volksliedes trällert. "Fare thee well, fare thee well, fare thee well, my fairy fay! For I'm going to Louisiana for to see my Susanna, singing polly wolly doodle all the day!" Direkt hinter dem Strauch befinden sich einige Steinplatten, die einen Weg bilden. Bereits die vierte lässt sich ohne Probleme hochheben und legt einen Eingang frei.
"Vielleicht sollten unsere Freunde einen weniger auffälligen Treffpunkt wählen!" meint Asterix uns zieht die Stirn in Falten, als er auf den singenden Strauch blickt. "Was soll denn hier auffällig sein?" wundert sich Obelix.
Stufen führen in das Innere der Katakomben Roms. Unsere Freunde müssen nicht weit gehen, als sie in einer Nische die Versammlung der Sklaven erblicken. Offenbar treffen sie sich schon länger hier. Eine Öllampe erleuchtet einen Tisch, um welchen mehrere Stühle Sitzgelegenheiten bieten. Auf dem Tisch sind Schalen voller Kekse. Man reicht Tassen mit warmem Cappuccino.
Asterix, Obelix und Schurfix hören gerade, wie Nixisfix seine Stimme erhebt und prophetisch in die Runde blickt:
"Und so ist es mir eine besondere Freude, liebe Freundinnen und Freunde," beginnt er, "dass ihr Schurfix und mich zum Vorsitzenden des Obersten Kongresses der in Rom lebenden gallischen Sklaven gewählt habt, dessen erstes Ziel es ist, für unsere Freilassung und für gerechten Lohn zu kämpfen. Man möge ein Feuer legen, dass weißer Rauch aus unserer Zentrale aufsteige und so dem draußen wartenden Volk von Sklaven unsere frohe Botschaft verkünden!"
Einer der gallischen Sklaven blickt kurz nach draußen ins Freie und verkündet: "Du, Nixisfix! Hier draußen wartet kein Schwein!"
Doch nur kurze Zeit später kommt er zurück und zerrt einen sich heftig wehrenden Mann am Ohr in die Katakomben hinein. "Ich habe mich geirrt! Da ist doch eines!" kommentiert der Gallier seine Entdeckung
Asterix wird blass. Er erkennt den Mann sofort. "Das ist Kummalldrus, der uns zur Baustelle geführt hat!" ruft er aufgeregt. "Ich habe mich also nicht geirrt! Er ist doch ein Spion Cäsars!"
Nixisfix steht wie vom Donner gerührt. Ein Spion Cäsars in der Katakombe!
"Hört mal!" meint Schurfix, "so können wir nicht diskutieren! Wir müssen ihn wegschaffen und dafür sorgen, dass er zumindest bis zum Ende der Konferenz nicht wiederkommt!"
"Das klingt vernünftig!" meint Asterix, und nur kurze Zeit später findet sich Kummalldrus wieder in einem Hinterhof der Baustelle an einen Pfahl gefesselt. Der Knebel im Mund erlaubt ihm nicht, dagegen zu protestieren. "Faubande!" nuschelt er so verständlich er kann.

In der Nische der Katakomben geht die Konferenz weiter.
"Also, unser erstes Ziel ist es, unsere Freiheit zu erzwingen. Zu diesem Zweck brauchen wir gewählte Vertreter des Volkskongresses. Wenn Cäsar nicht mit sich verhandeln lässt, müssen wir auch bereit sein zu kämpfen. Alle Filialen unserer weltumspannenden Organisation sind zu informieren, also auch die beiden Gladiatoren Triffnix und Vollewix, die heute nicht hier sein können. Alle sollen nach Feierabend hart trainieren. Wir müssen zum Kampf bereit sein. Schurfix hat uns einen magischen Trank mitgebracht, mit dem wir gegen die Armee kämpfen können."
"Ihr wollt die ganze Armee herausfordern? Hier in Rom?" fragt Asterix ungläubig.
"Warum nicht? Wir haben ja den Zaubertrank!" entgegnet Nixisfix. Asterix blickt ihn entsetzt an, und zum ersten Mal fragt er sich, ob das Glück hier nicht zu sehr herausgefordert wird. Doch bevor er widersprechen kann, geht die Diskussion weiter.
"Also, " meint ein weiterer gallischer Sklave, "ich stelle den Antrag, dass der Volkskongress beschließt, Cäsar die Unterdrückung aufzukündigen und die Sache dann an einen Ausschuss weiterleitet, der darüber entscheidet, wie es danach weitergehen soll!"
"Ja", meint der Nächste, "ich stimme dem Antrag zu, wenn darüber eine Volksabstimmung durchgeführt wird. Wir können schließlich nicht ohne das gallische Volk entscheiden!"
"Langsam wird diese Demokratie lästig!" schimpft Nixisfix, "Ist euch denn nicht klar, dass Cäsar schon die längste Zeit seine Armee hier stationiert hat, um uns unter Kontrolle zu kriegen. Wir müssen bereit sein zu kämpfen. Und der Zeitpunkt ist günstig. Wir haben den magischen Trank. Wir haben Gladiatoren in unseren Reihen, die uns schon längere Zeit mit Waffen versorgen. Cäsar hingegen hat fast seine ganze Armee in den Provinzen und an den Rändern des Reiches stationiert. Hier in Rom sind allenfalls ein paar kleine Garnisonen."
"Du, Asterix!" Obelix ist sichtlich enttäuscht, als er dies hört, "da sind wir nun in Rom, und hier hat es gar keine Römer! Die spinnen, die Römer!"
"Ich für meinen Teil bin froh, wenn es nicht so viele sind!" meint Asterix.
"Bevor wir kämpfen, könnten wir ja eine Demonstration machen und einen heißen Herbst ankündigen!" bemerkt Schurfix.
"Boh, Ganz was Neues!" meckert ein Gallier.
"Hör sofort auf mit dem Unsinn!" entrüstet sich Nixisfix, "Wir können keine Uneinigkeit in den eigenen Reihen brauchen. Wir kämpfen schließlich für ... für ... für die Sache!"
"Die Sache", wiederholt der Gallier skeptisch, und er weiß offenbar nicht so recht, was diese sein soll. "Ach so, ja, klar!" meint er nur.

Während die Diskussion in den Katakomben weiter geführt wird, erblickt eine Patrouille römischer Soldaten, die die Baustelle beaufsichtigen, den an einen Pfahl gebundenen Kummalldrus. Sie sind nicht wenig überrascht, einen Römer hier zu finden und befreien ihn zunächst aus seiner misslichen Lage.
"Was war denn?" fragt einer der Legionäre, die Kummalldrus losbinden.
"Ich muss sofort zu Cäsar!" erklärt Kummalldrus. Er hatte während der Nacht Zeit genug, sein weiteres Vorgehen zu überdenken, und er kam dabei zum Schluss, dass er vor allem seine eigene Haut retten musste. Und so wird er nachts in den Palast Cäsars gebracht, der sich nicht wenig darüber ärgert, geweckt zu werden. In Schlafmütze und Nachthemd schlurft er in den Thronsaal, um sich anzuhören, was sein Meisterspion zu sagen hat. Hinter ihm eilt die ägyptische Königin Kleopatra, die auch in seinem Palast schläft. Sie fand allerdings die Zeit, sich wenigstens in einen Morgenmantel zu hüllen.
"Was ist los?" fragt Cäsar missmutig.
"Erhabener, allergrößter Cäsar", übt sich Kummalldrus in Devotion, "ich habe ihn gefunden, den entlaufenen Sklaven! Er heißt Schurfix und er befindet sich hier in Rom."
"Hier in Rom?" ruft Cäsar überrascht, "und du hast ihn nicht mitgebracht?"
"Ich konnte nicht, oh Cäsar, denn er befindet sich im Schutz der gallischen Sklaven. Sie planen einen erneuten Aufstand gegen dich!"
"Gegen mich?" entrüstet sich Cäsar. "Ist es zu fassen?"
"Gegen dich, Erhabener!" bekräftigt Kummalldrus.
Cäsar erhebt sich von seinem Thron und eilt raschen Schrittes durch den Saal. Er bebt vor Zorn über diese unerwartete Wendung der Dinge. Hatte er doch geglaubt, die Gallier bereits besiegt zu haben. "Ich lasse sie kreuzigen. Ich lasse sie kreuzigen, jeden einzelnen von ihnen! Man verhafte sie noch heute Nacht und bringe sie in die Kerker des Palastes!"
Königin Kleopatra gluckst belustigt. "Du willst Cäsar sein und kriegst ein paar aufständische Sklaven nicht unter Kontrolle? Ich sag's ja immer wieder: Dieses Rom besteht aus lauter Wapplern! Nur schade, dass mein Sohn einen solchen Hanswurst wie dich zum Vater hat!"
Kleopatras Spott trifft Cäsar mitten in seinem Zorn. Er registriert, dass sie ihre Achtung vor ihm zu verlieren droht, wenn er jetzt nicht handelt, und er wendet sich entschlossen an sie. "Kleopatra! Meine und Ägyptens Königin! Du sollst sehen, was für ein Herrscher Cäsar ist. Es kann ja wohl kein großes Kunststück sein, ein paar Sklaven klein zu kriegen! Du begleitest mich heute Nacht! Du sollst Zeugin meines Triumphes werden! Kummalldrus, du führst uns!"
"Sehr wohl, Erhabener!"

Wie befohlen zeigt Kummalldrus den wenigen Legionären, die Cäsar zur Verhaftung der Aufständischen abkommandiert hat, das Versteck der Sklaven beim singenden Strauch. Mitten durch das drohende Waffengeklirr klingt es: "Old McDonald has a farm, e-i-e-i-o!" Cäsar hat sich nun doch die Zeit genommen, sich seine Uniform anzuziehen. Kleopatra trägt ein blaues Kleid.
Doch den Insassen der Katakomben bleibt der Lärm der heranrückenden Legionäre nicht verborgen. "Das klingt ganz nach Cäsars Armee!" bemerkt Schurfix, "dieser Kummalldrus hat uns verraten!"
"Dann haben wir keine Wahl!" bemerkt Asterix und freut sich offenbar, "wir müssen kämpfen!"
"Sollen wir vom Zaubertrank trinken?" fragt Schurfix. Aber Obelix, dem aus Vorfreude die Augen glänzen, ist der Meinung, dass es damit nicht eilt, und dass erfahrene Kämpfer Vortritt haben. Davon unbeeindruckt schenkt Schurfix trotzdem den magischen Trank an seine Gefährten aus.
Der Einstieg zur Katakombe kann jeweils nur von einem Soldaten alleine bewältigt werden. Obelix steht am unteren Ende der Treppe, um die Römer gebührend zu empfangen. Mit einem Fausthieb schleudert er einen nach dem anderen wieder zurück zur Erde hinauf. Doch die Legionäre in Rom scheinen zäher zu sein als jene in den Lagern rundum des aremoricanischen Dorfes. Sie steigen erneut die Treppe hinab. Schließlich kann auch Obelix nicht mehr alle Legionäre alleine aufhalten, aber es tut nichts zur Sache, denn nun sind alle Gallier voll mit Zaubertrank. Im Nu ist in den Katakomben die schönste Keilerei im Gange, Legionäre werden als Wurfgeschosse verwendet und schwirren durch die engen Gänge. Ab und zu donnern sie an Arkaden oder Leitungsrohre, die dabei zu Bruch geht. Irgendwo an irgendeinem Ende Roms wundern sich die Leute über die überfluteten Katakomben, die kleinere oder größere Überschwemmungen in ihren Gärten verursachen. Den Sklaven macht die kleine Körperübung sichtlich Spaß! "Es tut gut, zu kämpfen und dabei zu wissen, dass man nicht verlieren kann", lacht Nixisfix und haut dabei einem römischen Legionär auf den Schädel. "Sagenhaft, dieser Zaubertrank! Sagenhaft!" freut sich Schurfix immer wieder. Selbst Idefix beteiligt sich an dem Gemetzel und zerbeißt so manche Legionärshose. Obelix steht immer noch tapfer am Eingang und schießt einen Legionär nach dem anderen mittels Kinnhaken wieder zurück ins Freie. Oben steht Cäsar und glaubt seinen Augen nicht zu trauen. Vor ihm türmt sich ein immer größer werdender Haufen nieder geschlagener Soldaten auf.
Schließlich eilen Asterix und Obelix selbst die Treppe hinauf, um nachzusehen, weshalb keine Legionäre mehr in die Katakomben steigen. Im fahlen Lichtschein von Cäsars Öllampe erkennen sie den Herrscher Roms. "Hallo Julius!" begrüßen sie ihn.
Auch Cäsar erkennt sie: "Asterix und Obelix, die beiden Gallier! Hier mitten in Rom! Ich hätte es wissen müssen! Wo immer ich Ärger habe, seid ihr der Grund dafür! Was habt ihr hier zu schaffen?"
"Wir wollen, dass die gallischen Sklaven wieder nach Hause dürfen!"
"Oh nein!" ruft Cäsar, "ihr habt die Verhaftung der Aufständischen vereitelt, Gallier! Aber ich gebe mich nicht geschlagen! Cäsar weiß zu siegen, und ich werde jeden einzelnen der Aufständischen persönlich kreuzigen! Das schwöre ich, so wahr ich Cäsar heiße."
Cäsar wendet sich um und bläst die ganze Aktion ab. "Zurück in die Garnison!" meint er, "wir kehren später zurück. Man kommandiere dafür die 2., 3. und 5. Zenturie der dritten Legion ab!"
"Verzeihung, Herr!" mischt sich ein Soldat ein, "aber die dritte Legion befindet sich zur Zeit in Hispanien."
"Ich sehe, ich sehe deinen Triumph!" spottet Kleopatra, "du weißt ja noch nicht einmal, was deine Armee tut!" Cäsar hört gar nicht zu.
"Wir nehmen, was in den Garnisonen zu kriegen ist!" ruft er, und schließlich fällt ihm noch etwas Wichtiges ein:
"Wo ist Kummalldrus?"

Kummalldrus ist gerade im Begriff, sich davon zu schleichen. Er ahnt bereits, dass Cäsar ihn für seine Niederlage, noch dazu vor den Augen Kleopatras, verantwortlich machen wird.
"Bringt ihn mir sofort her!" Einer der noch etwas kampftauglicheren Soldaten erblickt ihn und rennt ihm nach. Der schmächtige Kummalldrus hat keine Chance, und so wird er vor Cäsar gezerrt.
"Du Meisterspion, du!" schreit Cäsar, "du hast mir verschwiegen, dass Asterix und Obelix hier in Rom am Aufstand beteiligt sind! Du hast es gewusst und mir nichts gesagt, du Verräter! Du bist schuld an meiner Niederlage!"
"Nein", verteidigt sich Kummalldrus, "nein, nein, oh Herr, ich schwöre, ich habe nichts gewusst! Nichts von Asterix und Obelix und nichts vom Zaubertrank!" "Das war ein Geständnis, du Haderlump!" schreit Cäsar, "ich hatte den Zaubertrank nicht erwähnt! Das wirst du mir büßen!"
In wilder Panik rennt Kummalldrus davon und ignoriert die wenigen Soldaten, die noch an Ort und Stelle stehen und heil am Körper sind. Cäsar eilt ihm nach.
"Du Unglücksrabe, du Strafe aller Götter! Ich werde dich..."
"Cäsar! Liebling! Tu nichts Unüberlegtes!" Kleopatra hält Cäsar am Arm fest und versucht, ihn zu beruhigen. Aber da ist nichts an ihm, das sich beruhigen könnte. "Ich will nicht überlegen!" schreit der Herrscher Roms und reißt sich los, "ich will zornen! Ich erwürge ihn! ich zermalme ihn! Ich breche ihm sämtliche Knochen einzeln! Ich zermantsche ihm das Gehirn! Ich ... ich ...!"
Kummalldrus flüchtet mit ängstlichem Blick in ein großes leeres Fass auf der Baustelle. Einer der Legionäre eilt ihm nach und erwischt ihn an einem Fuß, der es nicht ganz geschafft hat, in das Innere des Fasses zu verschwinden. Der Soldat zieht den Spion am Fuß hinter sich am Boden her und legt ihn so vor Cäsar hin. "Hier ist er, Hochwürdiger!"
"Überstürze nichts, oh Cäsar!" fleht Kummalldrus, "beruhige dich, und lass uns einen Cappuccino miteinander trinken!"
"Warum sollte ich mit dir einen Kaffee trinken, du Gemüsekraut!" schreit Cäsar, "ich bin ein moderner Herrscher und lasse mir nichts aus dem Kaffeesud lesen!" Cäsar greift nach dem erstbesten Holzpflock und drischt auf den armen Kummalldrus ein. "Ich nehme mir den erstbesten Ganoven, schlage ihn zusammen, und lese dann aus seinen Knochen!" verkündet er dabei. Und nachdem Cäsar genug gedroschen hat, meint er lediglich: "Man werfe ihn in den Kerker! Ich lasse ihn den Löwen vorwerfen!" "Nein, nein, oh Cäsar!" schluchzt Kummalldrus, "Oh, Cäsar, du tust mir Unrecht! Audiatur et altera pars , Cäsar! So höre mir doch zu!"
"Von wegen ‚audiatur et alter pars'!" mault Cäsar zurück, "Die Löwen hätten wenig zu fressen, wenn ich jedem Verurteilten zuhören würde!"
Schließlich entscheidet Cäsar sich, die Stätte seiner Niederlage zu verlassen. Dort ist seines Bleibens nicht länger. Asterix, Obelix und Idefix sitzen beim singenden Strauch und kichern vergnügt vor sich hin. "Felicitá! Felicitá!" gibt der Strauch zum Besten.

Am nächsten Vormittag erhält Zenturio Schweisfus den Befehl, sich mit der ihm zugeteilten 4. Zenturie der zweiten Legion, die sich zufällig in Rom befindet, sich für den morgigen Tag bereit zu halten. Aus diesem Grund lässt Schweisfus seine Legionäre zum Appell antreten.
"Stillgestanden! Wir haben Befehl, morgen gegen aufständische Sklaven hier in Rom zu kämpfen!"
"Fallt bloß nicht drauf rein!" erklärt ihnen ein von der fehlgeschlagenen Verhaftungsaktion zurückgekehrter Legionär in bedauernswert schlechtem Zustand, der gerade auf einer Bahre an ihnen vorbei zum Lazarett getragen wird. "Die Aufständischen verfügen über einen Zaubertrank, der sie unbesiegbar macht!" Die Soldaten blicken sich an. Das sind nicht die Nachrichten, die sie hören wollen. Sie tuscheln miteinander und entscheiden sich rasch.
"Nun ja, wenn wir gegen Aufständische mit Zaubertrank kämpfen sollen, dann kann man darüber reden! Wir hätten da so ein paar Forderungen!"
Schweisfus versteht, dass er keine große Wahl hat. Legionäre sind zurzeit nicht viele in Rom, solche, die gegen zaubertrankgesättigte Gallier kämpfen wollen, schon gar nicht.
"Ja?" fragt er also.
"Nun", beginnt einer der Legionäre, ein kräftiger, junger Mann, "also erstens die Gründung einer Gewerkschaft mit gewählten Vertretern, zweitens eine Verpflegung direkt aus dem Hilton Hotel, weiters das Mitführen unserer Ehefrauen, täglich drei Tassen Cappuccino gratis, Freikarten für die Fußballstadien und Strandbäder, jährlich einen fünfwöchigen Urlaub auf Hawaii und außerdem ..."
Doch dies erscheint Schweisfus zuviel: "Sonst noch was?" fragt er zornig, "Wer Probleme macht, den schicke ich eigenhändig in den Zirkus, wo er gegen Löwen, die Zaubertrank getrunken haben, kämpfen kann!"
Der Soldat lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.
"Haben wir das also richtig verstanden, dass du dich weigerst?" fragt er mit einem Blick, der deutlich macht, wie sehr er sich in der überlegenen Verhandlungsposition fühlt.
"Jaaaah!" schreit Schweisfus, außer sich vor Zorn.
Der kräftige Legionär verpasst dem Zenturio einen zackigen Kinnhaken, der den Offizier quer durch den Exerzierplatz durch die Luft schwirren und schließlich in der dahinter liegenden Küche landen lässt. Schweisfus plumpst direkt in den großen Kochtopf des Koches, der gerade für das Mittagessen Spaghettinudeln weich kochen will. Der gebeutelte Offizier hält gerade den Kopf aus dem viel zu heißen Wasser, rudert mit den Armen, japst und keucht, arg darum bemüht, genügend Luft zum Atmen zu erhalten.
"Was kommst du da auf meiner Nudelsuppe daher geschwommen?" ereifert sich der Maestro der Küche, "sofort gehst du da raus, oder ich mache gefüllte Kamelszunge aus dir, du Kamel!" "Japs! Keuch!" antwortet Schweisfus und beeilt sich, aus dem Kochtopf zu steigen. Überall hängen Spaghetti an ihm herum, aber noch größere Mengen von Spaghetti befinden sich am Boden. Der Koch hält ihm nicht faul einen Reisigbesen hin. "Sieh dir nur diese Schweinerei an! Kehr das gefälligst zusammen, aber stante pede prompt und sofort! Avanti! Avanti!"
Gehorsam bückt sich Schweisfus nach einem Bündel Nudeln am Boden, die er in der Hand hält und auch sorgfältig mit dem Besen abputzt. Die auf diese etwas zweifelhafte Art gereinigten Spaghetti wirft er in den Suppentopf zurück. "Da!" meint er bitter und zieht von dannen, einen entsetzten Koch zurück lassend. "Raaaah! Heiliger Jupiter!" ruft er.
Schweisfus ist mit seiner Geduld am Ende. Noch immer spaghettigeschmückt steht er vor seinen Legionären und brüllt: "Ihr spinnt ja, ihr Römer! Packt eure Sachen, avanti, avanti! Aber stante pede prompt und sofort! Oder ich hänge jedem einzelnen von euch noch sechsmal Wäschewaschen und Gemüse putzen mit zusätzlichen Wochenenddienst an! Haben wir uns verstanden! Wegtreten, ihr Wappler! Abmarsch! Zackzack! Morgen ist der Angriff!"
Das plötzliche Gebrüll verstört die aufsässigen Soldaten nun doch ein wenig. "Man hat ja nur mal höflich gefragt!" meint ein eher schmächtiger Legionär beruhigend.

Am nächsten Morgen steht Cäsar mit der 4. Zenturie der zweiten Legion an der Baustelle zu seinem Tempel, um endlich mit dem Aufstand der Gallier Schluss zu machen. Auch dieses Mal will er nicht auf den psychischen Beistand Kleopatras verzichten, die auf einem weißen Pferd neben ihm herreitet. Doch die beiden erwartet eine Überraschung. Auch die Sklaven haben den vergangenen Tag genützt.
Vor ihnen enthüllen mitten auf der Baustelle die Sklaven Transparente mit ihren Forderungen:
"Freiheit für Gallien" "Schluss mit Ausbeutung" und "Widerstand" liest er auf den Fahnen. Ihm entgegen schallt ein Chor, der ebenso vielstimmig wie falsch singt: "Avanti popolo a la riscossa! Bandiääääära rossa! Bandiääääära rossa!"
Vor ihm steht Schurfix mit einer Schriftrolle und erklärt:
"Wir, die Volksdeputierten des Obersten Volkskongresses der gallischen Sklaven und die Sklaven selbst stehen bewaffnet und erklären ohne Umschweife, dass wir bereit sind, die Waffen gegen Cäsar zu erheben, wenn dieser nicht stante pede und sofort unsere Forderungen erfüllt!"
Cäsar ist viel zu überrascht, um sofort zum Angriff zu blasen. Stattdessen sagt er: "Charmant, charmant! Wie lauten die Forderungen?"
Schurfix liest aus der Schriftrolle vor: "Punkt eins: Wir fordern unsere Freilassung und Rückkehr in unser geliebtes Gallien! Punkt zwei: Wir fordern die gerechte Entlohnung unserer bisher geleisteten Arbeit! Punkt drei: Wir fordern eine eigenständige Verwaltung Galliens durch vom Volk gewählte Vertreter!"
"Spinnt ihr denn?" faucht Cäsar, "ich werde euch zeigen, wozu meine Armee imstande ist! Wenn ihr mir so daher kommt ..."
"Einen Moment!" ruft Schurfix, "Ich bin gewählter Vertreter der gallischen Sklaven! Hinter mir steht das Volk!"
"Mein lieber Schurfix!" Cäsar beugt sich besserwisserisch über den Gallier und bedroht ihn mit vorgestrecktem Zeigefinger, "Diese Phrase habe ich schon gedroschen, da ist dein Großvater noch in den Windeln gelegen! Damit beeindruckst du mich überhaupt nicht!"
"Dennoch!" gibt Schurfix zurück, "Unsere Forderungen sind gerechtfertigt! Schließlich machen wir hier ja keinen Aufstand!"
"Nein?" wundert sich Cäsar, "Was dann?"
"Das ist eine Protestkundgebung!" erklärt Schurfix, "Aber wenn du stur bleibst, kann es sehr leicht zu einem Aufstand werden."
"Ich verstehe", meint Cäsar, "du willst, dass ich Gallien aus der Herrschaft Roms entlasse! Sag das noch mal, Gallier, und ich sorge eigenhändig dafür, dass du nie mehr dein Gesicht zu waschen brauchst!"
"Sachte, sachte, Cäsar!" meint Schurfix und wendet sich seinen Kameraden zu: "Freunde, was meint ihr?" Die gallischen Sklaven stecken ihre Köpfe zusammen, es flüstert, tuschelt und wispert unter ihnen. Schließlich wendet sich Schurfix wieder zu Cäsar:
"Also, Cäsar! Gallien kann Teil des römischen Imperiums bleiben, wenn du versprichst, dass alle Gesetze, die Gallien betreffen, von einem Volkskongress beschlossen werden und von einem von uns gewählten Regenten exekutiert werden!"
"Aha!" meint Cäsar, "und wozu sollte ich selbst dann noch gut sein?"
"Dir bliebe die Vertretung Galliens nach außen und das Notverordnungsrecht!"
"Notverordnungsrecht?" fragt Cäsar verblüfft.
"Das heißt, dass du in Krisensituationen dann eine Entscheidung treffen kannst, wenn dem Volkskongress nichts mehr einfällt!"
"So? Euren Hanswurst spielen soll ich also? Sonst noch was?" Cäsar hat sich nun lange genug in Geduld geübt.
"Aber ..." versucht es Schurfix erneut.
"Genug der Worte!" donnert Cäsar ihm entgegen, "Ich werde euch zeigen, was meine Armee kann! LEGIONÄRE!"

Cäsar stellt sich ein junger, kräftiger Soldat entgegen: "Einen Moment, Cäsar! Wir haben erfahren, dass die Aufständischen über einen Zaubertrank verfügen, der sie unbesiegbar macht. Wenn du also willst, dass wir unter diesen Umständen Prügel verteilen, dann hätten wir da noch so ein paar Forderungen!"
"Nichts da!" schreit Cäsar, "Ihr habt gefälligst zu massakrieren, wenn mir danach ist! Und im Augenblick ist mir danach, oh ja, sogar sehr ist mir danach!"
Doch in den Reihen der Legionäre rührt sich nichts. Die Soldaten blicken mit unbeteiligten Gesichtern in andere Himmelsrichtungen. "Na fein", brummt Cäsar, "wir brauchen gar keine Gallier, um die römische Staatsmacht lächerlich zu machen. Wir schaffen das jetzt schon ganz alleine! Ihr spinnt ja, ihr Römer!" herrscht er seine Legionäre an.
Asterix begreift schnell die günstigen Umstände der neuen Situation. Unbeeindruckt geht er zu den Reihen der Legionäre und meint: "Legionäre! Ich mache euch einen Vorschlag!"
"Was soll das?" brüllt Cäsar, "so geht das aber nicht!"
Einer der Legionäre wehrt ihn ab: "Immer mit der Ruhe, Erhabener! Lass hören, Gallier!"
Asterix: "Also, wir haben doch gemeinsame Interessen. Wir wollen die Freiheit und ihr wollt keine Hiebe! Anstatt uns zu bekriegen sollten wir..."
"Oh ja", ruft plötzlich Nixisfix, "anstatt uns zu bekriegen sollten wir Handel treiben! Ich habe hier einen hübschen gallischen Topf! Was gebt ihr mir dafür?"
Die Legionäre blicken interessiert auf den Topf. Nach und nach kommen auch andere Gallier, kramen in ihren wenigen Habseligkeiten und bieten daraus ihre Waren an.
"Ich hätte auch hübsche Deckchen!" meint etwa ein rothaariger Gallier. "Wer will eine Amphore mit südgallischem Wein kaufen? Schöne Amphore mit südgallischem Wein zu verkaufen!" preist ein Dritter seine Waren an.
Schließlich entscheidet sich einer der Legionäre: "Die Tischdeckchen gefallen mir. Sesterze habe ich keine bei mir, aber ich könnte hier mit Schild und Lanze bezahlen."
Daneben steht Cäsar und platzt schier vor Wut: "Darf ich vielleicht auch mal etwas sagen, ja?" fragt er mit hochrotem Kopf.
Unbeeindruckt fragt ihn ein Gallier: "Wieso? Willst du Schmuck für die Königin kaufen? Hier: Herrliche Ohrringe!"
Kleopatra lächelt verzückt: "Ach, Cäsar, die sind wirklich süß!"
Cäsar blickt seine Geliebte entsetzt an: "Aber Kleopatra! Du kannst doch nicht wegen ein paar Ohrringen ...!"
Kleopatra stemmt empört die Hände in die Hüften: "Ich kann was nicht? Was ist? Krieg ich nun die Ohrringe oder nicht?"
Der stolze Blick der Königin lässt Cäsar eingeschüchtert in seinem Portemonnaie kramen: "Sofort, Liebling...", wird er schüchtern, "ich muss nur noch...!"
Kaum ist der Kauf erledigt, erinnert Schurfix daran, dass er mit Cäsar verhandeln wollte: "Du siehst, die Umstände stärken die gallische Verhandlungsposition. Also, was ist?"
"Nun gut", gibt Cäsar zu, "ich weiß, wann ich verloren habe! Ihr könnt als freie Menschen nach Gallien zurück. Aber was wird nun aus meinem Tempel?" fragt Cäsar und blickt trist auf die kaum begonnenen Arbeiten der Baustelle.
"Meine vergoldete Statue! Du hast es versprochen!" beharrt Kleopatra. Cäsar blickt etwas ratlos in die Runde. "Nun", tröstet ihn Asterix, "vielleicht baut ja mal einer deiner Nachkommen dieses Cäsarenforum zu Ende!" Und so war es dann ja auch.

Die durch Cäsar selbst wieder in die Freiheit entlassenen Gallier reisen auf dem gemieteten Schiff zurück nach Gallien. Asterix und Obelix können in ihrem kleinen Dorf den Erfolg ihrer Mission verkünden, was selbstverständlich Anlass zu einem Fest mit den neu gewonnenen Freunden und viel, viel, viel Wildschwein gibt. Und weil in dieser Geschichte schon genug gesungen wurde, wird der arme Troubadix gefesselt und geknebelt, damit sein Gesang das Fest nicht stört.

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© Deutsches Asterix Archiv 1998-2009, Zeichnungen: Albert Uderzo - © Les Editions ALBERT-RENÉ, GOSCINNY-UDERZO
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