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Das Spiel mit der Sprache 1Rothe, Wolfgang: Astérix und das Spiel mit der Sprache. Die Neueren Sprachen, Vol. 23 (1974) 241-61. ISSN 0028-3576.zurückblättern | Kategorie Sekundärliteratur | Comedix-Bibliothek Anmerkungen des Asterix Archiv werden in [eckiger Klammer kursiv] dargestellt. Der Text bezieht sich auf die französischen Originalausgaben. Die Bilder wurden wegen der kürzeren Übertragungsraten nicht eingebunden.
Das Spiel mit der Sprache vollzieht sich in der Comic-Serie "Asterix" auf allen linguistischen Ebenen. Einen breiten Raum nimmt das Wortspiel ein, das sich vornehmlich in Form von Polysemien und Homophonien kundtut. Im weiteren Sinne läßt sich hierzu auch der Typ der wörtlich genommenen Redensart (des Sprichworts, des Zitats) sowie deren Adaptation an die Welt der Antike rechnen. Eine führende Rolle spielen ferner die Wortbildung und der Einbruch fremder Sprachsysteme (englische Syntax, lateinisch-französische Mischtexte, Dialekte). Auch die graphische Ebene ("Hieroglyphen", Fluchzeichen) wird im folgenden mitberücksichtigt.
so begrüßt der ägyptische Architekt Numérobis aus Alexandria seinen alten Freund, den Druiden Panoramix [im Deutschen: Miraculix] in dem Dorf der unbeugsamen Gallier, und dieser stellt den Fremdling seinen Landsleuten mit den feinsinnigen Worten vor:
Sklavenaufstand auf der Baustelle des geplanten "Domaine des Dieux" [Trabantenstadt], einer Art Satellitenstadt Roms im fernen Gallien. Der numidische Sklave Duplicatha, durch den berühmten Zaubertrunk des Druiden Panoramix wohlgestärkt, haut in echter Astérixmanier den peitschenbewehrten Aufseher aus den Sandalen, und ein Mitsklave kommentiert trocken:
Der Anführer der Normannen, Olaf Grossebaf, bedankt sich bei Astérix dafür, daß die Gallier den Normannen das letzte beigebracht haben, was ihrem Allwissen noch fehlte: Die Furcht:
Astérix aber lehnt mit den höflichen Worten ab:
In S.O. [Die goldene Sichel] meint gelangweilt und gelassen der Prasser Gracchus Pleindastus, römischer Präfekt von Paris und gleichzeitig geheimer Boss einer großen Goldsichel-Schieberbande, nachdem seine Mafia-Geschäfte geplatzt sind:
Doch dieser sein Mittelsmann, Besitzer eines gutgehenden Vergnügungslokals, der Zentrale der Bande, erregt sich gewaltig:
Der im gallischen Dorf seines Gesanges wegen wenig geliebte Barde Assurancetourix [im Deutschen: Troubadix], der sich nichts sehnlicher wünscht, als mit seinem gesanglichen Darbietungen "faire un malheur à l'Olympix de Lutèce", ahnt mit seiner krächzenden Stimme ein bestimmtes musikalisches Genre um zweitausendzwanzig Jahre voraus, wenn er dem "O mamie blue" unserer siebziger Jahre seinen zeitgemäßen Text
unterlegt. Cäsar erläutert seinen Beschluß, das Dorf des Widerstandes durch die Errichtung der erwähnten Gartenstadt in dessen unmittelbarer Nachbarschaft moralisch zu zersetzen:
und die Autoren Goscinny und Uderzo kommentieren in einer Fußnote zum Verständnis des Lesers: "Les amphores servaient de bidons en ces temps-là." (Trabantenstadt, Seite 5). Die beiden Briten Zébigbos und Jolitorax begutachten Geschmack und Wirkung des Zaubertrankes:
In B.A. [Arvernerschild] fragt Asterix seinen Bekannten in der Auvergne:
und dieser antwortet:
Die Umstehenden bestätigen es wehmütig:
Wie zum Beweis dieser traurigen Prophezeiung stürmt ein junger Mann in die Stube:
konstaniert daraufhin Asterix, aber er wird sogleich eines besseren belehrt:
Cäsar freut sich über die Fortschritte, die sein perfider Plan mit der Gartenstadt macht:
Der Schluß dieses einleitenden Überblicks über Asterix und das Spiel mit der Sprache läßt sich nur mit Hilfe des Bildes darbieten: So sprach man im Ägypten Kleopatras (Abb. 1), so bellten dort die Hunde (Abb. 2), und so sprach ein Ausländer der der ägyptischen Sprache nur unvollkommen mächtig war (Abb. 3) (Kleopatra 17-19). Dieses sind die hauptsächlichsten Typen des Sprachspiels in der französischen Comic-Serie "Asterix", die im Jahre 1961 mit dem Band "Asterix le Gaulois" begann. Die reizvolle und intellektuell etwas anspruchsvollere Serie entsteht in Zusammenarbeit des Texters Goscinny (der der eigentliche Erfinder der Figuren ist) mit seinem Zeichner Uderzo. Im folgenden soll versucht werden, die Sprachspieltypen ein wenig zu klassifizieren und ihrem Witz womöglich linguistisch auf die Spur zu kommen. Bevor wir in Einzelheiten gehen, rekurrieren wir noch einmal kurz auf den Überblick. Da haben wir zunächst das Spiel mit der lexikalischen Polysemie und mit der Homophonie (die genannten Beispiele waren alexandrin und un Numide als Antonym zu sèchement). Hier liegt das Wortspiel im eigentlichen Sinne vor. Oft genügt dagegen nur der phonetische Anklang, um einen witzigen Effekt zu erzielen: nourrir - mourir nach dem bekannten Zitat "Partir, c´est mourir un peu", der ersten Zeile des Gedichtes "Seul" von Edmont Haraucourt. Einen breiten Raum nimmt ein Typ ein, den wir einmal, etwas grob umrissen, "wörtlich genommene Redensart" nennen wollen; als Leitbeispiel diente C´est le moment de parler latin. Er ist oft schwer gegen die lexikalische Polysemie abzugrenzen; im übrigen bedarf diese Kategorie in besonders hohem Maße der Unterstützung durch das Bild, um von heutigen Redensarten, Sprichwörtern, Zitaten und von modernen Liedertexten an die Gegebenheiten der Antike (Bsp.: Ô matrone bleue). Das Gebiet der Wortbildung, meist in Form neuer Derivationen und Kompositionen nach dem Muster vorhandener Lexeme (amphoreville nach bidonville) erfährt eine belustigende Bereicherung an "Neologismen". Verwandt mit diesem Verfahren ist die nach einem ziemlich strikt eingehaltenen Strukturmuster erfolgende Schöpfung der Nomina propria für die Personen der amüsanten Bildererzählungen; hier herrscht, wie weiter unten noch im einzelnen dargelegt werden wird, eine strenge etnische Ordnung vor. Das sprachliche "Substrat" 3 der unterworfenen Völker tritt schwerpunktmäßig im Lexikon und in der Syntax auf und kommt am stärksten bei der Charakterisierung der Briten zum Tragen; wir haben ein besonders typisches Beispiel als Kostprobe zitiert. Auch die Dialekte werden nicht vernachlässigt; besonders der Auvergne widmen sich die Autoren mit Hingabe. Eine hervorragende Rolle als Fremdsprache spielt naturgemäß das Latein, mit dem effektvolle Wirkungen dort erzielt werden, wo lateinische Lexeme oder Zitatsegmente in die französische Rede zwanglos eingeflochten werden wie das cäsarische Veni, vidi, vici im eingangs angeführten Mischtext. Endlich und schließlich wird uns noch das Spiel mit der graphischen Ebene der Sprache beschäftigen, wie es besonders drastisch bei den Hieroglyphen zum Ausdruck kommt. Das W o r t s p i e l - oder sagen wir vorsichtiger, um uns nicht von vornherein zu enge Grenzen zu ziehen und von einer eingefahrenen Terminologie Fesseln anlegen zu lassen - das Spiel mit linguistischen Einheiten, die nicht unbedingt mit dem Wort (im vorwissenschaftlichen Sinne) identisch zu sein brauchen, läßt sich, sicher etwas grob, ungefähr so klassifizieren, wie wir es in der Einleitung anhand der angeführten Beispiele angedeutet haben. Wir beschränken uns bei dieser ganz unverbindlichen, ad hoc geschaffenen Typologie natürlich nur auf das Corpus von Asterix und erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Wir sind uns auch im klaren darüber, daß die Grenzen, so wie wir sie hier zu ziehen versuchen, durchaus fließend sind. Der Kern eines Wortspiels kann 1. Ein ploysemes Lexem sein, 2. kann die Homophonie zweier (sprachgeschichtlich völlig heterogener) Lexeme auf auditiver Ebene, wie sie gerade im heutigen Französisch so ungemein häufig ist, für sprachliche Spiele genutzt werden 4, 3. Ist die (glücklicherweise nicht sehr häufige) etwas vordergründige Spielerei mit gewissen phonetischen Ähnlichkeiten und Anklängen zwischen verschiedenen Wörtern zu nennen, 4. Beziehen wir in diese große Gruppe das im Asterix relativ seltene Spiel mit der Antonymie mit ein, und schließlich rechnen wir 5. Zum Wortspiel, wie bereits angedeutet, die wörtlich interpretierte Redensart bzw. das ebenso aufgefasste Zitat sowie das aus seiner verallgemeinernden Aussage auf einen Einzelfall wiederum "wörtlich" bezogene Sprichwort. Dabei ist grundsätzlich zwischen textinternen und textexternen Wortspielen zu unterscheiden, d.h. zwischen solchen, die sich aus dem erweiterten, meist vorhergehenden Kontext herleiten und deuten lassen und den überwiegenden Fällen, die nur aus der Situation, d.h. in unserem Falle der im Bild festgehaltenen Situation her verständlich werden. Auf Polysemie - textintern fassbar - beruhen z.B. folgende Stellen: Obelix sagt im Hinblick auf sein winziges Hündchen Idefix:
meint Asterix dazu (Asterix und Kleopatra, Seite 7). Über seinen bösartigen Konkurrenten im Baugewerbe äußert Numerobis:
Er wird von Asterix mißverstanden:
lautet dessen Frage, und Numerobis erklärt durch Erweiterung des Kontextes:
In Chaud [Kupferkessel], ist ganz zu Anfang genüßlich von der gewaltsamen Vertreibung eines römischen Steuereintreibers die Rede. Auf die Frage des benachbarten Stammeshäuptlings:
antwortet Asterix:
Von den zahlreichen textexternen Fällen seien hier nur der Kürze halber zwei angeführt:
sagt der Barde und erntet durch den musikalischen konservativen Schmied den üblichen Dank.
kommentiert Asterix trocken (Abb. 4) (Olympia, Seite 17). Die römischen Läufer haben sich bei der Olympiade des Dopings schuldig gemacht; sie haben heimlich den Zaubertrank der Gallier eingenommen, der diesen vom Olympiakomitee verboten worden war. Der schlaue Panoramix hat dem Trank jedoch blauen Farbstoff beigegeben und so die Olympioniken aufgrund ihrer blaugefärbten Zunge überführt;
meint ahnungsvoll der Führer ihrer Mannschaft (Olympia, Seite 48). Die Homophonie wird auf verschiedene Weise in unseren Texten verwendet. Es kann sich einmal um ein schlichtes Spiel mit dem Gleichklang handeln wie in dem folgendem Dialog:
Andere Fälle nähern sich der Ploysemie an, so, wenn der Häuptling eines romanisierten Stammes in seiner ‚Hauptstadt' Thermen errichten läßt und erklärt:
Auf Homophonie beruht auch dieses kalauernde Rätsel:
Nur vom Bild her verständlich wird folgende Homophonie: In Abb.5 geht es um die Frage, ob es sich um milden oder herben Sekt handeln soll:
In Hispanien (Seite 22) schenkt Cäsar anläßlich eines Triumphzuges einem rothaarigen Sklaven die Freiheit; ein Zuschauer am Straßenrand kommentiert diesen Akt:
Auf Dialektbasis beruht eine Homophonie, die sich in B.A. (Arvernerschild, Seite 16) findet, wobei der Reiz zusätzlich darin besteht, daß die brave Hausfrau auf dem Bild den Unterschied zwischen chou und sou von der nicht hörbaren Graphie her zu erklären versucht:
Keine reiche Homophonie, sondern eine, die sich lediglich auf den Lexemstamm beschränkt und ihre Auflösung durch die Derivation in Kauf nimmt, die aber immerhin unter die Gruppe der Gleichklänge eingeordnet werden kann, liegt in einer Anzahl weiterer Beispiele vor. Wir können hier von einer eingeschränkten oder Teilhomophonie sprechen, so etwa in C.Ch. (Kampf der Häuptlinge, Seite 6) zu den Regeln über die Ausscheidungskämpfe zwischen den gallischen Stammeshäuptlingen:
Ähnlich in Norm (Normannen, Seite 5), wo der Briefträger dem Chef einen Brief bringt, der aus einer Steinplatte besteht, in die die Nachricht eingraviert ist:
Dazu Asterix:
Schließlich ein letztes subtileres Beispiel zu diesem halbhomophonen Typus (Trabantenstadt, Seite 25): Den hart arbeitenden Sklaven ist von Anglaigus [im Deutschen: Quadratus], dem Architekten der Gartenstadt, nach der Rodung des Bauplatzes die Freiheit versprochen worden. Ihre Arbeit geht durch die Hilfe des Zaubertranks, der sie zum Aufstand befähigte und gewerkschaftliche Forderungen durchsetzen ließ, rasch vonstatten. Das ist wiederum nicht im Sinne der Gallier - der Druide läßt Nacht für Nacht durch Einsäen von präparierten Eicheln die starken Eichen wieder emporschießen. Duplicatha, der Vertrauensobmann der Sklaven, beklagt sich bitter bei seinen gallischen Freunden:
Obelix und Asterix entgegnen:
und der Druide Panoramix wird nachdenklich:
Als eine Art Vorstufe zur Homophonie können wir das Spiel mit phonetischen Anklängen und Ähnlichkeiten werten. Die Dorfbewohner verdächtigen sich gegenseitig, den Römern das Rezept für den Zaubertrank verraten zu haben, und so meint der dem Fischhändler ohnehin nicht wohlgesonnene Dorfschmied über dessen kaufmännischen Geist:
Gelegentlich wird auch die Möglichkeit zum Mißverständnis durch lautliche Ähnlichkeit spielerisch verwendet. Obelix will von einem Verräter wissen, wohin die Römer seinen Freund Asterix verschleppt haben. Der arg bedrängte Schurke nennt den lateinischen Namen der Stadt Metz: "Divodurum." Darauf Obelix:
Die Antonymie tritt im Asterix relativ selten auf. Nach einem wie üblich für die Römer negativ auslaufenden Scharmützel mit Asterix und Obelix schnauzt der Lagerkommandant einen Legionär an:
Nicht sofort erkennbar ist die Antonymie in diesem Beispiel: Der flotte Neffe des Chefs hat aus Lutetia den neuesten Modetanz mitgebracht, le Monkiks (der Name geht vermutlich auf eine Beatgruppe zurück, die sich "The Monkyes" nannte). Obelix erweist sich zum Erstaunen seines Freundes Asterix als gelehriger Schüler:
Ein hübscher Gag ist den Autoren in D.D. [Trabantenstadt] eingefallen, wo der marmorne Werbeprospekt für die geplante Satellitenstadt im Grünen im Gegensatz zu dépliant "Faltprospekt" l'impliable genannt wird.
Es ist im Rahmen dieses Aufsatzes unmöglich, auf die schier unermeßliche Fülle von Redewendungen aller Art im Asterix einzugehen oder gar deren bedeutsamen Stellenwert im Gsamtoeuvre einigermaßen adäquat zu beleuchten. Dieses würde eine gesonderte Abhandlung erfordern. Von der saloppen Alltagswendung (Tu ne manques pas d'air!) über das formelhafte Banalgeschwätz (On n'arrête pas le progrès) oder die ständig wiederholten, meist leicht moralisierenden Zeitklage-Topoi (Elle est belle, l'armeé moderne! Plus de discipline! Plus de traditions!); von der amtlichen Verbotsformel (Il est interdit de marcher sur la pelouse) über das Sprichwort (das in den meisten Fällen an die Welt der Antike adaptiert wird: Le temps, c'est des sesterces), den (ebenfalls angeglichenen) Werbeslogan (Lavez vos toges avec Super-Persique! Super-Persique lave encore plus pourpre!) bis zum - allerdings meist der lateinischen Sprache vorbehaltenen - klassischen Zitat sind alle erdenklichen Wendungen in allen möglichen Schattierungen reichlich vertreten. Wir wollen uns hier nur denjenigen Fällen zuwenden, die wir (mit Vorbehalt) noch in die Kategorie der Wortspiele einreihen können, und die wir eingangs mit "wörtlich genommen" gekennzeichnet haben. Auch hier erlaubt die Fülle des Materials nur eine kleine signifikante Auswahl. So beruht z.B. der Wunsch der Normannen, zu all ihren vermeintlich unübertroffenen Fähigkeiten nun auch das Fürchten zu lernen, auf der Annahme durch diese Auffüllung ihrer einzigen Wissenslücke die Fähigkeit des Fliegens zu erlangen. Ihr Führer Grossebaf spricht es aus:
Der in Terminschwierigkeiten geratene Architekt Numerobis fühlt einiges Unbehagen bei den Worten, die seine gallischen Freunde zur Charakterisierung seines skrupellosen Konkurrenten Amonbofis finden:
Wenn nämlich der von ihr befohlene Palastbau nicht in drei Monaten schlüsselfertig übergeben werden kann, so hatte Kleopatra ihm versichert, werde er den Krokodilen vorgeworfen. Die genannten Wendungen erinnern ihn nun doch zu stark an die Drohungen Ihrer Majestät, und so meinte er etwas kleinlaut:
Als den Galliern auf der Olympiade der Genuß des kräfteverleihenden Zaubertranks von den zuständigen Stellen verboten worden ist, hat Obelix, wie so oft, die Zusammenhänge nicht verstanden; er bezieht alles auf die Form des Gefäßes und nicht auf dessen Inhalt:
worauf ihm Asterix entgegenhält:
Dazu geben die Autoren den Kommentar: "Voilà l'origine d'une triviale expression venue de l'Olympe jusqu'à nous". (Olympia, Seite 39). Statt des gewünschten Zaubertranks hat der gekidnappte Druide in A.G. [Asterix der Gallier] dem Lagerkommandanten von Petitbonum [im Deutschen: Kleinbonum] einen Trank gebraut, der einen unwahrscheinlich rapiden Haarwuchs bewirkt (die Bilder geben hier den nötigen Aufschluß). Als dieser sich um ein Gegenmittel bemüht, fallen zu seinem großen Ärger städnig Redensarten wie diese:
Der schwächliche Gote Electric, der gerade von seinem Hause die Straße fegt, erhält von Panoramix den Zaubertrank, damit er, wie eine Reihe anderer seiner Landsleute, sich zum Führer aufschwingt und so zur gotischen Zwietracht und Selbstvernichtung beiträgt:
Abraracourcix [Majestix] hat oft Ärger mit seinen etwas begriffsstutzigen Schildträgern (Abb.8); die beiden meinen dazu:
In all den genannten Fällen beruht der Witz auf jeweils einem Lexem (bzw. gelegentlich auf einer Kombination aus zweien): ailes, dent dure, mâcher, dévorant, dévorant, pot, cheveu(x), barbe, poil, balayer, laisser tomber. Es sind Lexeme, die hier aus ihrer Bindung an den insgesamt mehr oder weniger lexikalisiertem Text, den wir landläufig "Redensart" oder ähnlich nennen, herausgelöst werden und damit wieder die ihnen als isolierte sprachliche Einheit anhaftende Bedeutung bzw. ein aus dem vagen Bedeutungsumfang herausgeschnittenes Stück Meinung 7 erlangen, die aber nicht der in der "Redensart" entspricht. Diese Determination kann dabei textintern verlaufen oder sie bedarf der im Bild eingefangene Situation, wobei letzterer gelegentlich allerdings nur eine präzisierende, unterstützende Aufgabe zufällt. Die Grenzen zu einer nicht an eine Redensart gebundenen Polysemie sind dabei oft nicht zu ziehen. Das folgende Beispiel mag dies zeigen: Abraracourcix spricht zu seinem wegen der Landung der Normannen völlig verängstigten bisher so selbstbewussten Großstadtneffen Goudurix [Grautvornix]:
Darauf der Neffe aus Paris:
Wir wollen hiermit das weiter Feld des Wortspiels verlassen und uns einer Kategorie zuwenden, die man vielleicht als Bindeglied zwischen den rein sprachlichen Spielen und jenen überaus zahlreichen Scherzen auffassen kann, in denen die Welt der Antike zu allerlei meist zeitkritischen Anspielungen umfunktioniert wird, als da sind: Luftverunreinigung, Umweltverschmutzung, steigende Preise, Verschandelung der Landschaft durch unschöne Neubauten (Aquaeducte z.B.), Verkehrschaos, Touristenrummel, Werbung u. dgl. mehr. Diese Anspielungen, ebenso wie die Persiflage ethnischer Vorurteile bilden zwar einen integrierenden Bestandteil der gesamten Asterix-Serie und sichern ihr weitestgehend ihren Erfolg, liegen aber doch im wesentlichen ausserhalb des speziell linguistischen Bereichs. Wir meinen im folgenden hingegen jene Fälle, bei denen moderne Redewendungen oder sprichwörtliche Redensarten bzw. in weitem Maße auch Texte von Liedern aller Art anachronistisch in die Zeit des Asterix und seines Gegenspielers Julius Cäsar verpflanzt, dieser Zeit jedoch durch textliche Veränderungen sinnvoll und witzig angepaßt werden, so daß das anachronistische Element zum Teil wenigstens scheinbar aufgehoben wird. Das hierbei angewandte Verfahren ist das der Lexemkommutation. Für ein oder mehrere im Text vorkommende Lexeme werden entsprechende, in das Ambiente der Asterix-Welt passende eingesetzt. Aus der Fülle der Beispiele hier nur einige Kostproben:
mit der Fußnote der Verfasser: "De nos jours, on dirait: esprit de clocher" (Arvernerschild, Seite 44). Die Normannen rebellieren gegen ihre Polizisten natürlich nicht mit dem Ruf "Mort aux vaches!", sondern mit
Aus den Wäscherinnen von Portugal in dem Schlager "Les lavandières de Portugal" werden
aus dem Rock wird eine Toga in
und schließlich dringt auch das Lateinische in Lieder und Redensarten ein. So wandert Assurancetourix durch die Lande mit dem Lied
Werfen wir nun einen Blick auf das Gebiet der Wortbildung: Neologismen - Namengebung 9.
ruft der Lagerkommandant auf dem Wege zru Folterung von Asterix und Panoramix, die in Sachen Zaubertrank geprächig gemacht werden sollen. Die Autoren liefern dazu die Fußnote: "Ca, c'est du latin". Der gefangene Asterix äußert zu seinem Mithäftling:
dazu die Nota: "Ca, ce n'est pas du francais" (Gallier, Seite 30). In der Tat! Hier, bereits im ersten Band, beginnt der Texter sein Allotria mit dem französischen Wortschatz zu treiben, indem er eine Reihe scherzhafter Neologismen erfindet. Wir lassen wieder einige Beispiele sprechen; hier ein Dialog zwischen Obelix und Asterix:
Vor den Ausscheidungskämpfen der Läufer trainiert Asterix bei den Olympischen Spielen und bittet Panoramix, der die Sanduhr bereits in der Hand hält:
In Höhe der Baustelle (beschildert mit Ralentissez! Esclaves au travail) auf der Römerstraße VII (der heutigen "Nationale" mit der gleichen Nummer) stellt Asterix mit Erstaunen fest:
und Obelix meint bedenklich:
In einer von drei Mann getragenen Sänfte begeben sich der Lagerkommandant von Babaorum und sein Adjudant auf eine dringende Dienstreise. Die Legende zu dem betreffenden Bild sagt dazu:
Ein Schreibstubenlegionär schleppt einen Bericht in dreifacher Ausfertigung herbei:
und ein anderer erklärt dem Rekruten:
Assurancetourix nennt seine Solo-Darbietung, mit der er den Normannen das Fürchten beibringt, ein un-homme-spectacle und interpretiert im folgenden "un vasepourri de tous ses succès". (Normannen, Seite 43) Und ein letztes: Cäsar zählt die Verdienste des Architekten Anglaigus auf. Er ist u.a. der Erfinder des conduisez-dedans und der potions-tabernae "où l'on trouve de tout" (Trabantenstadt, Seite 6). Eine besondere Quelle des Amüsements bieten nun die Personennamen. Auf dem Gebiete der Onomatik lassen die Autoren ihrer blühenden Phantasie freien Lauf, wobei sie sich aber interessanterweise in ethnischer Hinsicht strenge Regeln auferlegen. Einem jeden Volk wird ein bestimmtes Namensuffix zugeteilt (nur den Griechen stehen derer zwei zu). Die Gallier erhielten das Suffix -ix; es ist klar, daß der Name Vercingetorix hierfür das Muster angegeben hat. Verwendet werden nun französische Wörter oder Phrasen aller Art, die einen Ausgang auf /-isk/, /-ik/, /-is/ oder seltener /-iks/, /-i/ bzw. (nur einmal) /-its/ haben. Die Namen der Hauptakteure beruhen auf ásterique "Sternchen" und auf obélisque (Obelix ist bekanntlich Steinmetz und leitet die augenscheinlich in hohem wirtschaftlichem Boom stehende Hinkelstein- oder Menhir-Produktion). Die Namen der Helden zweiter Garnitur leiten sich her von panoramique, assurance tous risque "Versicherung gegen alle Schäden" und von der Wendung tomber sur qn. à bras raccourcis "mit allen Kräften auf jn. dreinschlagen". Dieser Name für den recht firedlichen und bequem gewordenen Chef wirkt leicht ironisch. Schwierig zu erklären ist der Name des Barden; möglicherweise liegt hier eine Anlehnung an assurance "Selbstvertrauen" vor; es ist aber durchaus denkbar, daß doch "Versicherung" im eigentlichen Sinne gemeint ist; denn der ständig wegen seines ungeliebten Gesanges harten Repressalien ausgesetzte Assurancetorix könnte eine "Vollkaskoversicherung" durchaus brauchen. Aus der großen Fülle von Namen seien hier nur einige genannt, die auch zur Person in einer engeren Beziehung stehen. So heißt ein psychiatrisch tätiger Druide Diagnostix, ein aus Belgien stammender Kollege Septantestix; der älteste Mann des Dorfes, Veteran von Gergovia, trägt den Namen Agecanonix, der Chef eines benachbarten Stammes, der es mit der ehrlichkeit nicht so genau nimmt, nennt sich Moralélastix; ein Wildschweinhändler heißt Antibiotix; der nicht gerade mutige jugendliche Neffe des Chefs wird ironischerweise Goudurix gerufen; in der Schule eines vollromanisierten Dorfes unterrichtet der Lehrer Berlix die lebende Sprache Latein; Korsen haben Namen wie Ocatarinétabellatchitchix (nach einem Chansonrefrain) oder Osterlix in Anspielung auf künftige korsische eroberungen. Und schließlich soll auch Obelix` kleines Hündchen Idefix nicht vergessen werden. Die Namen der mit den Galliern verwandten Briten enden auf -ax (vermutlich nach dem bekannten Orts- und Familiennamen Halifax). So z.B. Jolitorax, Relax, Autodidax, Faupayéletax. Ausnahmen hierzu bilden freilich einmal der Anführer der Briten Zébigbos und zum anderen die beiden, dem echten Keltentum nach näher stehenden Stammesfürsten aus Schottland und Irland: Mac Anotérapix (nach mécanothérapique) und O'Torinolaringologix (nach oto-rhino-laryngologiste). Die römischen männlichen Personennamen sind durchweg mit dem üblichen maskulinen Genusgrammen -us gebildet. Die französische Aussprache /-ys/ erlaubt es, Wort- und Satzausgänge zu verwenden, die auf auditiver Ebene den gleichen Klag haben; hinzu kommen die Ausgänge auf /-yz/, /-y/ und /-yß/; allerdings wird auch /-us/ nicht verschmäht. Teilweise werden echte lateinische Wörter verwendet, die im französischen Sprachgebrauch bzw. fachsprachlich üblich sind wie Minus, Radius oder Rectus. Daneben sind Kombinationen wie Hotelterminus oder Arrédebus vertreten. Der Ausgang /-yz/ liegt z.B. dem Namen Faitexcus zugrunde. An Graphien wie -uce oder -usse angelehnt sind Sacapus, Pleindastus oder Encorutilfaluquejelesus. Die Schreibung -us mit der Aussprache /-y/ findet sich u.a. in Nenjetépus (n'en jetez plus) oder Tomatojus. An den Ausgang /-yß/ angelehnt sind Oursenplus und Fanfrelus. Auf /-us/ basieren Faimoiducuscus (nach couscous; das Ganze ist der Anfang eines französischen Schlagers), Namaspamus (nach dem Sprichwort Pierre qui roule n'amasse pas mousse) und Petilarus, und schließlich soll auch nicht der einzige Fall mit /-yks/ außer acht gelassen werden: Der Fernsehsprecher der Serie "Spiel ohne Grenzen", Guy Lux, tritt als Showmaster Guilus bei der Verlosung der Wohnanrechte für den "Domaine des Dieux" in die Arena. Die Griechen sind etwas anspruchsvoller in ihrer Namensgebung. Namen wie Calvados, Okéibos und Gâtessos gegenüber Plexiglas, Invinoveritas und Garmonparnas weisen immerhin auf eine binäre Struktur hin. Isis und Osiris sind die Lieferanten des ägyptischen Namensuffixes -is. Neben den bereits angeführten Namen treffen wir auf Tumehéris, Courdeténis, Misenplis, Ginfis und den Schiffsnamen Napadélis. Die Gotenkönige Alaric und Théodoric sind der Anlaß zu der gotischen Namensliste Théoretic, Histéric, Téléféric, Cloridric, Pasdfric, Passmoilcric und so fort. Die Normannen haben mit ihren an Olaf angelehnten Namen wie Êpitaf, Caraf, Cinématograf, Bellegraf, Complètementpaf usw. gelegentlich gewisse Verständigungsschwierigkeiten, wie folgender Dialog zeigt:
Die Hispanier sind selbstverständlich immer Träger zweier mit y verbundener wohlklingender Namen: Soupalognon y Crouton, Lachélechampignon y Causon oder Dansonsurlepon y Davignon. Abschließend seien noch die Namen der wenigen Damen der Serie erwähnt. Bei den Gallierinnen herrscht da Suffix /-in/ vor, z.B. Bonemine (die resolute Gattin des Chefs), Percaline (ein kleines Vorzimmermädchen in einer großen Räderfabrik) und Iélosubmarine (die Frau des Fischhändlers); dabei fallen nur Boufiltre, die Sprechstundenhilfe des Psychiaterdruiden und die schöne Falbala ("Kleidervolant") aus der Struktur heraus; deren Namen ist wie die der Römerinnen Alpaga, Tibia und Bégonia "lateinisch". Zu bemerken bleibt noch, daß sämtliche Städte, die in Asterix vorkommen, den lateinischen Namen tragen: Rotomagus, Camaracum, Lugdunum usw. Die Namen der römischen castra hingegen sind konstruiert wie die Personennamen; sie enden auf -um, so die vier das gallische Widerstandsnest umgebenden, schwer geprüften Lager Aquarium, Laudanum, Petitbonum und Babaorum. Die Landkarte Korsikas, die dem Band "Asterix auf Korsika" vorn beigegeben ist, zeigt den starken Befestigunsggürtel der Inselküsten; hier finden sich 46 Toponyme wie Postscriptum, Opossum, Oncletum, Shalum und besonders die beiden gleichnamigen Lager, eines an der Westküste: Sivispacemparabellum (Ouest) und eines an der Ostküste: Sivispacemparabellum (Est). Der Einbruch fremder Sprachsysteme vollzieht sich auf fünf verschiedenen Ebenen: auf der lexikalischen, der idiomatischen, der phonetischen, der syntaktischen und der graphischen. Auf der ersten beiden Ebenen wirkt fast ausschließlich das Lateinische, wie es schon bei den Liedertexten deutlich wurde. Lateinische Lexeme fließen zwanglos in den französischen Kontext ein. Hier einige Beispiele:
Ein Hinweisschild in einer "insula", einem römischen Mietshaus:
Der Bewohner einer HLM-Wohnung (Abkürzung für den französischen sozialen Wohnungsbau, "Habitations à Loyer Modéré", hier aufgelöst als "Habitations Latines Mélangéres") zählt seine Zimmer auf:
In L.C. [Lorbeeren des Cäsar, Seite 26] sagt der Sklave zu seinem Herrn:
Der Herr antwortet verkatert:
Unter den zahlreichen lateinischen Zitaten dürften diejenigen am interessantesten sein, die zu jener Zeit noch gar nicht existierten. Solche Anachronismen sind etwa:
und nicht zuletzt
Dieses wird als Losungswort in einem römischen Lager verwandt. Asterix und Obelix haben es vergessen. Fragt Asterix:
Darauf Obelix:
Phonetisch unkorrekte Barbarensprache findet sich vornehmlich in den frühen Bänden z.B.:
(So sprechen natürlich Germanen). Das morphosyntaktische, idiomatische und - in Form des calque linguistique - das lexikalische "Substrat" beherrscht nun vor allem die Sprache der Briten. Ihr Abgesandter Jolitorax kommt in das gallische Dorf, um ein Fäßchen Zaubertrank für die letzten britischen Widerstandskämpfer zu erbitten:
Obelix fällt die seltsame Sprachweise auf:
Der Brite ist erstaunt:
In der Syntax ist es fast ausschließlich die Voranstellung von solchen Adjektiven, die im Französischen selten oder grundsätzlich gar nicht die vorsubstantivische Position einnehmen, die den "britischen" Effekt erzielt: les ennemies lignes, la nationale boisson, votre permier breton repas, le dissident village, une abandonnée charette usw. 10 Die Morphologie kommt zu ihrem Recht in Fällen, wo die Progressive Form nachgeahmt wird:
Auch der "Sächsische Genitiv" kommt zur Geltung:
Auf idiomatischer (teils auch lexikalischer) Grundlage beruhen endlich die folgenden Stellen:
und schließlich der permanent auftretende Typ des "Nicht-wahr"-Schlußsignals:
Unter den Dialekten steht der der Auvergne an der Spitze. Es handelt sich dabei, wie es schon aus einigen hier zitierten Beispielen ersichtlich wurde, um die Setzung von /ß/ anstelle von /s/ bzw. von /zet/ anstelle von /z/. Von den zahlreichen Belegstellen sind vielleicht die folgenden erwähnenswert: Obelix und Asterix unterhalten sich mit dem Auvergner Alambix:
Auch lateinische Zitate werden dem Dialekt angepasst:
und der römische Spitzel bemüht sich in seinem trunkenen Zustand, um nicht aufzufallen, selbst seinen alkoholbedingten Schluckauf zu dialektisieren:
Sprachgeographisch läßt sich die Präpalatal-Apikalisierung von /s/, /z/ zu /ß/, /zet/ heute in der SW-Ecke der Auvergne (im Departement Cantal - und im übrigen weit nach West und Ost über die Avergne hinaus) feststellen. Die Gegend um das alte Gergovia im Puy de Dôme, die im Asterix meist gemeint ist, kennt diese Aussprache - mindestens gemäß Nachweis des ALF - nicht. 11 Eine kleine amüsante Besonderheit wird uns mit der Aussprache des Negers im Ausguck des in fast allen Bänden auftauchenden, vom Unheil verfolgten Piratenschiffs geboten. Der Neger ist nicht in der Lage, ein /r/ zu artikulieren:
oder - wortbeispielhaft -
Es handelt sich hier um eine Eigentümlichkeit des Kreolischen von Martinique, die nach Vendryes 12 eine Zeitlang in Frankreich Mode wurde:
Der Subcode der heutigen französischen Umgangssprache, d.h. der nachlässigen populären, unter dem sog. "Neutralen Stil Null" liegenden Sprache, ist verhältnismäßig wenig im Asterix vertreten. Die Haupthelden sprechen meist ein gepflegtes Französisch. Nur die übrigen Gallier sowie oft die römischen Legionäre gleiten in das saloppe Subsystem ab. Es treten die üblichen, allseits bekannten Merkmale auf wie die Unterdrückung des Negationsgrammems /ne/, die Reduktion von /il/ auf Null ("M'énerve!" statt il m'énerve), /ty/ vor Vokal /t/, /vuz-/ zu /z/ ("Zaurez de mes nouvelles!") usw. Weitere Belege können wir uns hier ersparen. Einige Bemerkungen zur graphischen Ebene mögen die vorliegenden Ausführungen beschließen. In Abb.9 aus Asterix als Legionär (Seite 18) sind die drei vorkommenden graphischen Spieltypen vereint. Griechen und Goten sprechen zwar französisch; die Äußerungen der Griechen sind jedoch immer graphisch der Form der Buchstaben des griechischen Alphabets angepasst, und die Goten reden sozusagen Fraktur. Zur Verwendung der Hieroglyphen durch die Ägypter heißt es in "Asterix bei Kleopatra" (seite 6) (Abb.10) in einer Anmerkung:
mit der entschuldigenden Bemerkung:
In den meisten Fällen wird also das "Ägyptische" übersetzt, sei es durch einen Dolmetscher, sei es mittels Fußnoten zu den Bildern. Das gesamte Spiel beruht natürlich auf der naiven Gleichsetzung von der Sprache als einen artikulatorisch-akustischen Phänomen und dessen Transposition auf die graphische Ebene mit ihren von Kultur zu Kultur recht unterschiedlichen und oft ohonologisch irrelevanten oder mindestens unvollkommenen Schriftzeichen. Von den vielen Beispielen bildschriftlicher Komik sei noch eines seiner besonderen Kuriosität wegen hier aufgeführt. Der Schreiber des Architekten verfasst eine Botschaft an die Königin (Abb.11):
Damit ist der Übergang von einer reinen Ideographie zu einer Schriftstufe erreicht, in der die Grammeme bereits abstrakt gekennzeichnet werden, eine Stufe, die Bilderschriften ja meist durchlaufen haben... Abschließend sei noch auf die ideographische Wiedergabe von Flüchen aufmerksam gemacht, die die sprachlichen Äußerungen im Asterix bereichern. Auch solche groben Reden müssen natürlich von der einen in die andere Sprache übersetzt werden; Goten fluchen anders als Gallier oder Römer (Abb.12) (Legionär, Seite 21):
fragt der Gote, und der Heeresdolmetscher übersetzt ins Gotische. Die Übersetzung bedarf keines weiteren Kommentars. Wie eng im übrigen die graphische und die auditive Ebene miteinander verzahnt sind, zeigt schließlich noch die Abb. 13 aus Chaud. ( Kupferkessel, Seite 43): Hier spricht ein Mann der Verwaltung... Auch die mit den Mitteln der Linguistik zu erfassende Seite der Comic-Serie Astérix ist mit diesen Ausführungen noch keineswegs ausgeschöpft. Es wären noch die phonetischen Entstellungen durch Trunkenheit, Schnupfen oder ausgeschlagene Zähne zu nennen; der Fülle der Onomatopoetica 15 wäre gewiß ein Platz einzuräumen, und nicht zuletzt müßte man dem Übersetzungsproblem eine eigenständige Untersuchung widmen. Die vorliegende kleine «Tour de Linguistique d'Astérix» ist lediglich als Anregung zu weiteren und intensiveren textlinguistischen Interpretationen gedacht. Fußnoten
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