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Gnom von Gallienzurückblättern | Kategorie Sekundärliteratur | Comedix-Bibliothek Hyperlinks sind Anmerkungen der Comedix-Redaktion.aus: Spiegel Nr. 47 vom 14. November 1966, Seite 154, Rubrik "Ausland" Er ist viel kleiner als der große de Gaulle, er ist ein häßlicher Zwerg. Einzig die markante Nase verrät eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Gnom und General. Dennoch ist der Nasen-ZWerg - nach de Gaulle - Frankreichs populärste Gestalt. Sein Name: Astérix. Als die Franzosen ihren ersten Satelliten in den Weltraum schossen, tauften sie ihn "Astérix". Das Nachrichtenmagazin "L'Express" widmete dem Knirps eine Titelgeschichte; die Zeitschrift "Arts" verkündete gar: ein "Miniatur-de-Gaulle". Der Mini-de-Gaulle ist eine Witzfigur. Titelheld der Karikaturen-Serie "Astérix, der Gallier" lockt er Millionen Fans vor Frankreichs TV-Mattscheiben und geistert von Heft zu Heft durch die 150 000 Exemplate der Jugenzeitschrift "Pilote", die immer mehr erwachsene Liebhaber findet. Allein in diesem Jahr kauften die Franzosen über eine Million Astérix-Sammel-Alben zum Stückpreis von etwa fünf Mark, die der Verlag Dargaud herausbringt. General de Gaulle verteidigt Frankreichs Gloire gegen die Militär- und Zivilisationsvormacht Amerikas. Gnom Astérix drängt amerikanischen Einfluß auch in der kosmischen Welt der Comicstrips zurück. Er ist heute beliebter als die US-importierten Strip-Supermänner, er ist Frankreichs erster, urfranzösischer, ureigener Strip-Held. Astérix ist ein Geschöpf des Zeichners Albert Uderzo, 39, und des Journalisten René Goscinny, 40, Chefredakteur des "Pilote". Der knorrige Knirps fiel ihnen 1959 ein, im zweiten Jahr der Regierung de Gaulles. Aber Astérix ist kein Bürger der V. Republik, er ist Zeitgenosse Cäsars. Goscinny und Uderzo: "Wir mußten unseren Tacitus und unseren Cäsar noch einmal gründlich lesen". Des Römers Legionen hatten 53 vor Christus die Gallier unter Vercingetorix bei Alesia vernichtend geschlagen. Astérix und seine Freunde, die sich durch einen Zaubertrank unbesiegbar machen konnten, gaben nicht auf. Sie kämpften weiter für ein gallisches Gallien, wie später die heilige Jungfrau von Orléans und General de Gaulle. Astérix und Résistance-Genossen leisteten Widerstand ohne Blutvergießen, sie fielen den Besatzern mit List und Tücke auf die Nerven. Aus den Wort-Blasen vor ihrem Mund spricht ungetrübter Nationalstolz: "Die sind verrückt, diese Römer, die sind verrückt, diese Briten". "Schierer Gaullismus", argwöhnten deshalb die Redakteure des Magazins "Arts". Gnomen-Goscinny hingegen: "Wir haben uns nur von dem Wunsch inspirieren lassen, Herr im eigenen Haus zu sein, und von dem Gefühl, daß ausländischer Camembert nicht so gut schmeckt wie französischer." Einmal verlor Humorist Goscinny den Humor. Der deutsche Verleger Rolf Kauka erwarb Astérix für sein Kinder-Magazin "Lupo" und taufte ihn "Siggi, der kleine Germane". Der teutonische Siggi entpuppte sich als waschechter "Neo-Nazi" (so Goscinny), der sich fortwährend mit den Besatzern anlegt und sie hereinlegt. Siggi tut das nicht mehr. Goscinny strengte einen Prozeß an, und seitdem streitet Astérix wieder exklusiv für das gallische Gallien.
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