Normannen S. 39,12

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jaap_toorenaar
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Normannen S. 39,12

Beitrag: #Beitrag jaap_toorenaar »

hallo,
folgende Frage ist bestimmt schon mal gestellt worden:
woher hat Asterix (Normannen, S. 39,12) ploetzlich die Kraft die Ketten zu durchbrechen und darauf gewaltige Normannen ueber den Kopf zu heben? Er war ja nicht in der Lage Zaubertrank zu nehmen! (Oder hat er das ausser Bild zwischen 37,4 und 37,5 schon getan?)
Jaap
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Michael_S.
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Beitrag: #Beitrag Michael_S. »

Hallo Jaap,

ich nehme an, dass er das tatsächlich zwischen den von dir genannten Bildern schon getan hat. Immerhin ist nicht anzunehmen, dass er später so völlig ruhig und fast gleichgültig in Ketten eingewickelt dort herumstehen würde, wenn er sich nicht sicher wäre, dass er sie jederzeit sprengen könnte.

Zwischen den beiden Bildern bleibt ja eine ganze Menge Zeit, in der er nicht nur in Ketten gelegt wird, sondern auch Grautvornix vom Schiff geholt wird. Da wird es sicher auch für einen Schluck Zaubertrank gereicht haben.

MfG
Michael
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Erik
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Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo Jaap,

es gibt nur eine Erklärung: Der Schluck Zaubertrank, den er vorher genommen hatte, um die Normannen zu bekämpfen (S. 24, Bild 1), wirkt noch fort. Hier wurden neben den Normannen und Grautvornix einfach die Leser im Irrtum darüber belassen, der Zaubertrank wirke nicht mehr, um der Szene zusätzliche Spannung zu verleihen. Daß der Zaubertrank noch wirkt, kann durchaus sein, denn wir wissen seit Gaius Bonus' Test mit dem zaubertrankgestärkten Caligula Minus, daß dieses Gebräu durchaus mehrere Stunden seine Wirkung behalten kann.

Dennoch hast Du Recht, und diese Szene gehört zu den unlogischsten überhaupt. Denn der Irrtum, daß Asterix nicht mehr zaubertrankgestärkt sei, kommt nicht von ungefähr, sondern vielmehr daher, daß er es auf S. 38, Bild 4 ohne einzugreifen zugelassen hatte, daß die Normannen Grautvornix von der Klippe schmeißen. Nur, weil diese sich nocheinmal von seinem Geplärre haben hinhalten lassen, ist er nicht gestürzt, insbesondere, da er bereits nur noch gerade so an einem Bein festgehalten wurde. Asterix hätte hier nichts mehr verhindern können.

Insofern wurde hier bewußt der Eindruck vermittelt, ohne Hilfe von Obelix und/oder Troubadix, sei hier nichts zu machen. Daß Asterix sich dann doch noch aus eigener Kraft befreien kann, ist nichts anderes, als ein deus ex machina. Die einzigen halbwegs logischen Erklärungsansätze wären, daß Asterix entweder selbst nicht wußte, daß der Zaubertrank noch wirkt, was aber unwahrscheinlich ist, da er es mit einer kleinen Bewegung hätte austesten können. Oder, daß Asterix wußte, daß ein Sturz von der Klippe nicht tödlich sein würde (wie man ja später auch bei den Normannen sieht, S. 46/47) und er dies zunächst bereit war zu riskieren, später aber seine Meinung geändert hat.

Alles in allem fällt es schwer, hier eine halbwegs plausible Erklärung für Asterix' Verhalten zu finden. Diese eine Stelle ist - obwohl mir der Normannen-Band an sich durchaus zusagt - ganz sicher keine Glanzleistung von Goscinny/Uderzo.

Gruß
Erik
"Alle sollt ihr noch sehen, daß ich habe recht!" (Erik der Blonde, Die große Überfahrt, S. 5)
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Aktuar
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Beitrag: #Beitrag Aktuar »

Oh, da bin ich aber anderer Meinung. Asterix hat begriffen, dass er letztlich mit seiner Kraft gegen die Normannen wenig ausrichten kann. Er kann die Normannen nicht daran hindern, Grautvornix zu töten. Er muss mit List arbeiten. Erst als es gar nicht mehr anders geht, kämpft er, zumindest um noch etwas Zeit zu schinden. Daher lässt er sich ohne mit der Wimper zu zucken fesseln (er weiß, dass die Fesseln ohnehin ihn nicht wirklich hindern, zu tun, was er möchte). Dass er nicht reagiert, als Grautvornix fast die Klippen runter geworfen wird, bedeutet, dass er darauf vertraut, dass Grautvornix schon irgendwie die Normannen hinhalten wird. Dieses "Moment!" ist eine Überzeichnung, zeigt aber unter anderem auch, was für ein harter Mann Asterix ist. Das gönnt er dem Weichling. Er nimmt durchaus in Kauf, dass Grautvornix wirklich runter geworfen wird (die Normannen überleben es auch alle, und wenn schon ...). Außerdem soll hier Grautvornix alleine mit den Normannen gezeigt werden. Asterix bleibt deshalb im Hintergrund. Erst als es auch auch Sicht von Asterix wirklich "ernst" wird, greift er ein.
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idemix
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Beitrag: #Beitrag idemix »

Hallo Aktuar,

Deine Erklärung oder These klingt für mich überzeugend, nur passt Asterix' (sinngemäße) Aussage: "zeig ihnen wie ein Gallier stirbt" nicht gerade ins Bild, vor allem nicht zu dieser deiner Aussage:
Aktuar hat geschrieben: Dass er nicht reagiert, als Grautvornix fast die Klippen runter geworfen wird, bedeutet, dass er darauf vertraut, dass Grautvornix schon irgendwie die Normannen hinhalten wird.
Ich wäre eher geneigt zu glauben, dass Asterix glaubte, die Wirkung wäre vorbei und erst als er sich ein wenig "ärgerte" hat er entgegen der Logik versucht die Ketten zu sprengen - und siehe da, die Wirkung war noch vorhanden. Dass er dies nicht schon vorher versucht hat, bleibt dabei jedoch ein Rätsel, vielleicht war er einfach felsenfest überzeugt, es würde eh nichts nutzen...
:idefix: wuff! wuff! JAUL? JÅUL! GRRRØØØÅÅRRR! :wuff:

Und so was schimpft sich Lyriker!
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Aktuar
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Beitrag: #Beitrag Aktuar »

Die Äußerungen, "Zeig ihm wie ein Gallier stirbt" und "Kampflos ergeben wir uns nicht" zeigen, dass Asterix sich der Vergeblichkeit jedes Widerstandes, ob mit oder ohne Zaubertrank bewusst ist. Gegen die Stärke der Normannen kommt er nicht an. Hätte der Wikingerhäuptling den Befehl gegeben, Grautvornix zu töten, statt ihn in Schutz zu nehmen, hätte Asterix dagegen nichts machen können.

Aber es gibt einen Unterschied im Verhalten von Grautvornix, der Asterix zum Eingreifen bewegt hat. Zuerst war er ängstlich und hat nichts selbst zu seinem Schutz getan, trotz der Aufforderung, tapfer in den Tod zu gehen. Doch dann hat es bei ihm geklickt und er hat versucht, sich selbst zu retten. Daraufhin beschließt Asterix den verzweifelten und zum Scheitern verurteilten Versuch, ihm beizustehen, nur als Geste der Tapferkeit.
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Erik
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Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo Aktuar,
Aktuar hat geschrieben:Die Äußerungen, "Zeig ihm wie ein Gallier stirbt" und "Kampflos ergeben wir uns nicht" zeigen, dass Asterix sich der Vergeblichkeit jedes Widerstandes, ob mit oder ohne Zaubertrank bewusst ist. Gegen die Stärke der Normannen kommt er nicht an. Hätte der Wikingerhäuptling den Befehl gegeben, Grautvornix zu töten, statt ihn in Schutz zu nehmen, hätte Asterix dagegen nichts machen können. [...] Daraufhin beschließt Asterix den verzweifelten und zum Scheitern verurteilten Versuch, ihm beizustehen, nur als Geste der Tapferkeit.
möglicherweise hätte Asterix den kampfunerfahrenen Grautvornix nicht wirksam beschützen können. Daß er gegen die Normannen mit Zaubertrank chancenlos gewesen wäre und am Ende nur einen "zum Schweitern verurteilten Versuch" unternommen hat, finde ich nun wieder stark übertrieben. Eine solche Einschätzung wird auch nicht durch den vorherigen Umgang von Asterix und Obelix mit den Normannen gestützt. Zumindest zu zweit hatten die Normannen keine Chance gegen die Gallier. Auch Asterix gute Laune, als er in Ketten liegt, zeugt nicht gerade davon, daß er die Situation als aussichtslos oder übertrieben brenzlig einschätzt. Zwar wären die Normannen nicht ohne weiteres endgültig zu besiegen, da sie zäh sind und keine Angst kennen. Ein "zurückschlagen" der Normannen wäre Asterix aber sicher möglich gewesen. Wie gesagt, ist zuzugestehen, daß es Asterix allein möglicherweise schwer gefallen wäre, gegen diese Anzahl von Normannen zusätzlich zur Selbstverteidigung noch Grautvornix effektiv zu schützen. Jedoch stand von vornherein kaum viel mehr zu befürchten, als daß sie ihn von der Klippe werfen. Schließlich lag ihnen ersichtlicherweise viel an der Flugshow. Daß er das beim 1. Mal nicht verhindert hätte und beim 2. Mal dann doch getan hat, zeugt mE eindeutig von einem Sinneswandel bei Asterix.

Daß Grautvornix zwischen den beiden Szenen das erste Mal einen Ansatz von Tapferkeit gezeigt hat, ist an sich kein schlechter Erklärungsansatz für diesen Sinneswandel. Allerdings genügt mir das noch nicht so ganz, klarzustellen, warum Asterix Grautvornix das 1. Mal nicht beigestanden hat. In dieser Situation wäre das Stählen des Häuptlingsneffen nämlich eigentlich nicht priorisiert gewesen. Auch kommt eine solche Erklärung des Sinneswandels in der Geschichte kaum zum Ausdruck.

Also, mich können diese Erklärungen noch nicht von der Schlüssigkeit der Szene überzeugen. Daß Asterix hier absichtlich zugewartet hat, um Grautvornix zur Tapferkeit zu bewegen, ist dennoch ein guter Gedanke. Das könnte tatsächlich intendiert gewesen sein.

Gruß
Erik
"Alle sollt ihr noch sehen, daß ich habe recht!" (Erik der Blonde, Die große Überfahrt, S. 5)