Welt-Interview mit Anne Goscinny: "Meine Aufgabe ist es, Asterix zu beschützen"

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Nullnullsix
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Re: Welt-Interview mit Anne Goscinny: "Meine Aufgabe ist es, Asterix zu beschützen"

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

Erik hat geschrieben: 18. Oktober 2021 16:44 (...) aber dass er bezüglich Asterix je auf Vorrat gearbeitet hat, hätte ich noch nirgends gelesen. Bei seinem Tod war "Belgier" noch nicht fertiggestellt. (...)
Seitens Goscinnys schon. Soweit ich weiß, hat Uderzo erst angefangen, zu zeichnen, wenn das komplette Skript fertig war. Goscinny hatte also noch einige Zeit, ein neues Skript anzufangen, während Uderzo die Belgier zeichnete. Ich weiss nicht mehr genau, wieviele Seiten der Belgier gezeichnet waren, als Goscinny starb und auch nicht, wie viele Seiten Uderzo damals pro Woche geschafft hat, aber lass es dreissig Seiten gewesen sein und zwei pro Woche, dann blieben für Goscinny 15 Wochen, also knapp vier Monate für Idee, Synopsis und das Storyboard der ersten Hälfte des Albums. Das ist schon vorstellbar.

...und weil wohl das halbe Album als Storyboard vorliegen dürfte, wirds wohl, wenn, auch ein Comic werden und nicht nur eine illustrierte Geschichte, wie Geplumpst, goldener Hinkelstein o.ä.
Eigentlich hätte was passieren müssen, als ich auf den Knopf drückte!
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WeissNix
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Re: Welt-Interview mit Anne Goscinny: "Meine Aufgabe ist es, Asterix zu beschützen"

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Das mit den "Belgiern" widerspricht aber dem, was allenthalben mehrheitlich kolportiert wird: Demnach habe Uderzo den Schluß ganz allein fertiggestellt, weil Goscinny eben noch nicht bis zum Ende fertig gewesen sein soll. Dafür würde auch der vergleichsweise etwas plattere (freundlicher ausgedrückt: nicht ganz so feinsinnige) Humor gegen Ende der Geschichte sprechen, der eher an die Uderzoschen Alleingänge denn an Goscinnysche Arbeit erinnert.

Ist natürlich auch nicht völlig ausgeschlossen, dass Goscinny das Skript sehr wohl bereits fertiggestellt hatte und Uderzo nach dessen Tod noch eigenmächtig daran herumgepfuscht hatte, ohne Widerspruch befürchten zu müssen... vielleicht ja auch als kleine Fingerübung, ob er sich die Fortsetzung der Serie allein zutrauen konnte.
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Re: Welt-Interview mit Anne Goscinny: "Meine Aufgabe ist es, Asterix zu beschützen"

Beitrag: #Beitrag Latürnich »

WeissNix hat geschrieben: 18. Oktober 2021 22:03 Das mit den "Belgiern" widerspricht aber dem, was allenthalben mehrheitlich kolportiert wird: Demnach habe Uderzo den Schluß ganz allein fertiggestellt, weil Goscinny eben noch nicht bis zum Ende fertig gewesen sein soll. Dafür würde auch der vergleichsweise etwas plattere (freundlicher ausgedrückt: nicht ganz so feinsinnige) Humor gegen Ende der Geschichte sprechen, der eher an die Uderzoschen Alleingänge denn an Goscinnysche Arbeit erinnert.

Ist natürlich auch nicht völlig ausgeschlossen, dass Goscinny das Skript sehr wohl bereits fertiggestellt hatte und Uderzo nach dessen Tod noch eigenmächtig daran herumgepfuscht hatte, ohne Widerspruch befürchten zu müssen... vielleicht ja auch als kleine Fingerübung, ob er sich die Fortsetzung der Serie allein zutrauen konnte.
Ich weiß zwar nicht, wo diese Version zur Entstehung der "Belgier" kolportiert wird, sie scheint aber jedenfalls nicht zu stimmen. In der (nur auf Französisch erhältlichen) Edition de luxe von "Astérix chez les Belges" wird die Situation bei Goscinnys Tod detailliert beschrieben:

"Si le scénario d'Astérix chez les Belges est achevé, il reste 7 planches à dessiner, que Goscinny, en conflit avec Georges Dargaud, demande à Uderzo de ne pas terminer." ("Während das Szenario von Asterix bei den Belgiern vollendet ist, bleiben noch 7 Seiten zu zeichnen, die Goscinny, im Konflikt mit (dem Verleger) Dargaud, Uderzo bittet nicht zu vollenden.") Dass das Album bei Goscinnys Tod noch nicht vollendet war, lag also nicht an fehlenden Textpassagen, sondern an einer bewussten Entscheidung der Autoren, die Fertigstellung der Zeichnungen zu stoppen.

Es wird dann auch ausgeführt, dass Uderzo durch Dargaud gerichtlich gezwungen wurde, die fehlenden Seiten zu zeichnen - gegen Androhung einer Strafe von 10.000 Francs pro Tag für jede weitere Verzögerung. Eine vergnügliche Fingerübung für eine eigene Fortsetzung der Serie war das sicher nicht.

Die nach Goscinnys Tod gezeichneten Seiten sind die mit dem dunklen Himmel. Pfusch im Text vermag ich nicht zu erkennen. Vielmehr verwendet und variiert Goscinny sehr geschickt die Beschreibung der Schlacht von Waterloo bei Victor Hugo. Die Edition de luxe enthält im Übrigen Reproduktionen der vollständigen von Goscinny getippten Synopse - soweit ich das beim Überfliegen sehe mit sämtlichen Dialogen der letzten Seiten.

Ganz unabhängig davon ist es ja nicht unüblich, dass Autoren Projekte beginnen und dann "auf Eis legen". Der posthum aufgefundene, unvollständige Entwurf muss also m.E. nicht zwingend nach Vollendung der Belgier entstanden sein.
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Re: Welt-Interview mit Anne Goscinny: "Meine Aufgabe ist es, Asterix zu beschützen"

Beitrag: #Beitrag bdhk »

Latürnich hat geschrieben: 18. Oktober 2021 23:55"Si le scénario d'Astérix chez les Belges est achevé, il reste 7 planches à dessiner, que Goscinny, en conflit avec Georges Dargaud, demande à Uderzo de ne pas terminer." ("Während das Szenario von Asterix bei den Belgiern vollendet ist, bleiben noch 7 Seiten zu zeichnen, die Goscinny, im Konflikt mit (dem Verleger) Dargaud, Uderzo bittet nicht zu vollenden.") Dass das Album bei Goscinnys Tod noch nicht vollendet war, lag also nicht an fehlenden Textpassagen, sondern an einer bewussten Entscheidung der Autoren, die Fertigstellung der Zeichnungen zu stoppen.
Ist bekannt, weshalb Goscinny da auf einmal die Fertigstellung nicht mehr wollte?
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WeissNix
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Re: Welt-Interview mit Anne Goscinny: "Meine Aufgabe ist es, Asterix zu beschützen"

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Latürnich hat geschrieben: 18. Oktober 2021 23:55 Ich weiß zwar nicht, wo diese Version zur Entstehung der "Belgier" kolportiert wird, sie scheint aber jedenfalls nicht zu stimmen. In der (nur auf Französisch erhältlichen) Edition de luxe von "Astérix chez les Belges" wird die Situation bei Goscinnys Tod detailliert beschrieben:

"Si le scénario d'Astérix chez les Belges est achevé, il reste 7 planches à dessiner, que Goscinny, en conflit avec Georges Dargaud, demande à Uderzo de ne pas terminer." ("Während das Szenario von Asterix bei den Belgiern vollendet ist, bleiben noch 7 Seiten zu zeichnen, die Goscinny, im Konflikt mit (dem Verleger) Dargaud, Uderzo bittet nicht zu vollenden.") Dass das Album bei Goscinnys Tod noch nicht vollendet war, lag also nicht an fehlenden Textpassagen, sondern an einer bewussten Entscheidung der Autoren, die Fertigstellung der Zeichnungen zu stoppen.

Es wird dann auch ausgeführt, dass Uderzo durch Dargaud gerichtlich gezwungen wurde, die fehlenden Seiten zu zeichnen - gegen Androhung einer Strafe von 10.000 Francs pro Tag für jede weitere Verzögerung. Eine vergnügliche Fingerübung für eine eigene Fortsetzung der Serie war das sicher nicht.
Ich weiss nicht mehr, wo ich das gelesen hatte, und ob da auch explizit stand, dass das Goscinny-Skript fertig oder eben nicht gewesen sei; ich weiss nur noch, dass ich in Sekundärmaterial (das kann wohl am ehesten in der Horizont-Ausgabe, Uderzos "Der weite Weg zu Asterix" oder in einem der Lexika gewesen sein) - aber Deine Aussage widerspricht ja nicht zwingend meiner Vermutung, dass der Schluß von Belgier, den Uderzo definitiv erst nach Goscinnys Ableben fertiggestellt hatte, vielleicht doch mehr oder weniger auf des Zeichners Mist gewachsen sein könnte.

Uderzo könnte ja auch, um Goscinnys Wunsch der Nichtfertigstellung seiner Geschichte letztlich zu respektieren, ein eigenes - und eben nicht Goscinnys Ende - dann zum Abschluß gebracht haben. Denn er wurde ja gerichtlich nur gezwungen, das Album zu vollenden. Auf welche Weise geht aus dem o.g. nicht hervor und ist idR auch definitiv nicht Sache eines Gerichts, wenn es um die grundsätzliche Erfüllung eines Vertrages über kreative Tätigkeiten geht. Dafür würde auch der mE für Kenner beider Autoren Geschichten erkennbare "Stilbruch" sprechen.

Und vielleicht hat Uderzo, der ja zunächst nach eigener Aussage mit seinem Szenaristen auch Asterix "sterben" lassen wollte, dabei festgestellt, dass er das selber auch so weit kann, dass er alleine weitermachen könne. Dann wäre es keine "vergnügliche" (diese Einordnung stammt nicht von mir!) Fingerübung, sondern eher so etwas wie eine Fahrprüfung gewesen...
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Re: Welt-Interview mit Anne Goscinny: "Meine Aufgabe ist es, Asterix zu beschützen"

Beitrag: #Beitrag Latürnich »

WeissNix hat geschrieben: 19. Oktober 2021 01:25
Latürnich hat geschrieben: 18. Oktober 2021 23:55 Ich weiß zwar nicht, wo diese Version zur Entstehung der "Belgier" kolportiert wird, sie scheint aber jedenfalls nicht zu stimmen. In der (nur auf Französisch erhältlichen) Edition de luxe von "Astérix chez les Belges" wird die Situation bei Goscinnys Tod detailliert beschrieben:

"Si le scénario d'Astérix chez les Belges est achevé, il reste 7 planches à dessiner, que Goscinny, en conflit avec Georges Dargaud, demande à Uderzo de ne pas terminer." ("Während das Szenario von Asterix bei den Belgiern vollendet ist, bleiben noch 7 Seiten zu zeichnen, die Goscinny, im Konflikt mit (dem Verleger) Dargaud, Uderzo bittet nicht zu vollenden.") Dass das Album bei Goscinnys Tod noch nicht vollendet war, lag also nicht an fehlenden Textpassagen, sondern an einer bewussten Entscheidung der Autoren, die Fertigstellung der Zeichnungen zu stoppen.

Es wird dann auch ausgeführt, dass Uderzo durch Dargaud gerichtlich gezwungen wurde, die fehlenden Seiten zu zeichnen - gegen Androhung einer Strafe von 10.000 Francs pro Tag für jede weitere Verzögerung. Eine vergnügliche Fingerübung für eine eigene Fortsetzung der Serie war das sicher nicht.
Ich weiss nicht mehr, wo ich das gelesen hatte, und ob da auch explizit stand, dass das Goscinny-Skript fertig oder eben nicht gewesen sei; ich weiss nur noch, dass ich in Sekundärmaterial (das kann wohl am ehesten in der Horizont-Ausgabe, Uderzos "Der weite Weg zu Asterix" oder in einem der Lexika gewesen sein) - aber Deine Aussage widerspricht ja nicht zwingend meiner Vermutung, dass der Schluß von Belgier, den Uderzo definitiv erst nach Goscinnys Ableben fertiggestellt hatte, vielleicht doch mehr oder weniger auf des Zeichners Mist gewachsen sein könnte.

Uderzo könnte ja auch, um Goscinnys Wunsch der Nichtfertigstellung seiner Geschichte letztlich zu respektieren, ein eigenes - und eben nicht Goscinnys Ende - dann zum Abschluß gebracht haben. Denn er wurde ja gerichtlich nur gezwungen, das Album zu vollenden. Auf welche Weise geht aus dem o.g. nicht hervor und ist idR auch definitiv nicht Sache eines Gerichts, wenn es um die grundsätzliche Erfüllung eines Vertrages über kreative Tätigkeiten geht. Dafür würde auch der mE für Kenner beider Autoren Geschichten erkennbare "Stilbruch" sprechen.

Und vielleicht hat Uderzo, der ja zunächst nach eigener Aussage mit seinem Szenaristen auch Asterix "sterben" lassen wollte, dabei festgestellt, dass er das selber auch so weit kann, dass er alleine weitermachen könne. Dann wäre es keine "vergnügliche" (diese Einordnung stammt nicht von mir!) Fingerübung, sondern eher so etwas wie eine Fahrprüfung gewesen...

Nein, das Ende ist nicht von Uderzo, sondern von Goscinny. Wie ich geschrieben hatte:

„Die Edition de luxe enthält im Übrigen Reproduktionen der vollständigen von Goscinny getippten Synopse - soweit ich das beim Überfliegen sehe mit sämtlichen Dialogen der letzten Seiten.

Da bleibt kein Raum für Irgendwelche Mutmaßungen.

Details zu den Auseinandersetzungen mit Dargaud kenne ich nicht. Ich hatte es aber nicht so verstanden, dass Goscinny die Veröffentlichung des Albums insgesamt und dauerhaft verhindern wollte, sondern eher als Verzögerungstaktik, um geschäftlich Druck auszuüben.
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Re: Welt-Interview mit Anne Goscinny: "Meine Aufgabe ist es, Asterix zu beschützen"

Beitrag: #Beitrag Latürnich »

In der frz Wikipedia findet man einiges zu den angespannten Beziehungen von Goscinny zu Dargaud: https://fr.wikipedia.org/wiki/René_Gosc ... es_Dargaud. Offenbar gab es lange Ärger wegen der Verträge, auch zu Lucky Luke. Goscinny wollte bereits das Erscheinen eines LL-Bandes verhindern, der dann von Morris eigenmächtig doch freigegeben wurde. Insofern ist wohl doch davon auszugehen, dass Asterix bei den Belgiern nach Goscinnys Willen insgesamt nicht - jedenfalls nicht bei Dargaud - erscheinen sollte.
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WeissNix
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Re: Welt-Interview mit Anne Goscinny: "Meine Aufgabe ist es, Asterix zu beschützen"

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Latürnich hat geschrieben: 19. Oktober 2021 08:46 Nein, das Ende ist nicht von Uderzo, sondern von Goscinny. Wie ich geschrieben hatte:

„Die Edition de luxe enthält im Übrigen Reproduktionen der vollständigen von Goscinny getippten Synopse - soweit ich das beim Überfliegen sehe mit sämtlichen Dialogen der letzten Seiten.

Da bleibt kein Raum für Irgendwelche Mutmaßungen.
Nun, ich habe es anders in Erinnerung, weiss aber nicht mehr, wo genau ich das gelesen hatte. Ist alles Jahre her - ich hab nur damals gedacht, dass dies eine Erklärung des mir schon immer humormässig vergleichsweise untypischen Abschlusses dieses Bandes sein könnte.

Und eine Synopse der letzten Seiten kann ja eigentlich auch Uderzo auf Goscinnys Schreibmaschine getippt haben, damit ein möglicher Eingriff nicht direkt ins Auge fällt. Wenn schon Gerichte involviert sind, wird man eben vorsichtiger...


Übrigens: Vollzitate gefallen, ähnlich Wiederholungen, auch nicht immer.
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Erik
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Re: Welt-Interview mit Anne Goscinny: "Meine Aufgabe ist es, Asterix zu beschützen"

Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo,
Nullnullsix hat geschrieben: 18. Oktober 2021 21:17
Erik hat geschrieben: 18. Oktober 2021 16:44 (...) aber dass er bezüglich Asterix je auf Vorrat gearbeitet hat, hätte ich noch nirgends gelesen. Bei seinem Tod war "Belgier" noch nicht fertiggestellt. (...)
Seitens Goscinnys schon. Soweit ich weiß, hat Uderzo erst angefangen, zu zeichnen, wenn das komplette Skript fertig war. Goscinny hatte also noch einige Zeit, ein neues Skript anzufangen, während Uderzo die Belgier zeichnete.
theoretisch natürlich schon, ja. Ich hatte es allerdings immer so verstanden, dass Goscinny nicht gleich nach Fertigstellung eines Szenarios nach einer neuen Idee suchte, sondern nach Fertigstellung des jeweiligen Albums. Wissen tue ich es aber natürlich nicht. Insofern ist es möglich, dass er ein neues Asterix-Abenteuer angefangen hatte. Es fällt mir nur schwer zu glauben; zumal er dann Uderzo wohl davon erzählt haben würde. Und der hat all die Jahre nichts davon erwähnt - und auch nicht auf diese Grundidee zurückgegriffen für seine eigenen Alben. - Ja, auch das kann man alles erklären, z.B. mit dem Respekt vor Goscinny und damit, dass er sich nicht dem Druck ausgesetzt sehen wollte, dieses Album zu vollenden. Aber irgendwie kommt mir das gleichwohl etwas hispanisch vor.
Nullnullsix hat geschrieben: 18. Oktober 2021 21:17...und weil wohl das halbe Album als Storyboard vorliegen dürfte, wirds wohl, wenn, auch ein Comic werden und nicht nur eine illustrierte Geschichte, wie Geplumpst, goldener Hinkelstein o.ä.
So genau habe ich da nicht herausgelesen, in welcher Form es vorliegt. Aber auch hier: mag sein.

Vielleicht war es aber ja auch ein Ansatz für eine Geschichte, der mal igendwann geschrieben und nicht weitergeführt wurde, weil Goscinny es nicht wollte. Vielleicht hat ihm die Idee dann doch nicht mehr so gut gefallen oder er hatte eine bessere oder aktuellere (Olympiade, Streit in Redaktion, Wahlkampf, ...). Ob dieses Manuskript datiert ist, wurde, meine ich, auch nicht gesagt. Muss es also ganz vom Ende seiner Schaffenszeit stammen?
bdhk hat geschrieben: 19. Oktober 2021 00:17Ist bekannt, weshalb Goscinny da auf einmal die Fertigstellung nicht mehr wollte?
Da er zu diesem Zeitpunkt eben bereits tot war, konnte er nichts mehr wollen. Er ist ja auch plötzlich verstorben, insofern hat er - anders als Uderzo - insoweit wohl keine Vorgaben für den Umgang mit seinen Figuren nach seinem Tode getroffen.

Falls Du Uderzo meintest: Er war in Trauer um seinen besten Freund und Kollegen. Und sein erster Impuls war zu sagen, dass Asterix mit Goscinny gestorben sei. Ich denke, es war eine menschliche Reaktion. Ob er auf lange Sicht daran festgehalten hätte, ist sicher ungewiss, denn Goscinny wollte ja, dass das Album erscheint und hatte bereits viel Arbeit dorthinein investiert. Aber nach dem Schock des Ablebens von Goscinny noch zeitnah 7 Comicseiten zeichnen zu müssen, das war ganz sicher kein Spaß für Uderzo.

Gruß
Erik
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Re: Welt-Interview mit Anne Goscinny: "Meine Aufgabe ist es, Asterix zu beschützen"

Beitrag: #Beitrag bdhk »

Ich bezog mich auf Latürnichs Zitat aus der Edition de luxe von "Astérix chez les Belges", laut dem Goscinny Uderzo gebeten habe, das Album (die letzten sieben Seiten) trotz fertigen Szenarios nicht fertigzustellen.
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Re: Welt-Interview mit Anne Goscinny: "Meine Aufgabe ist es, Asterix zu beschützen"

Beitrag: #Beitrag Latürnich »

bdhk hat geschrieben: 19. Oktober 2021 19:03 Ich bezog mich auf Latürnichs Zitat aus der Edition de luxe von "Astérix chez les Belges", laut dem Goscinny Uderzo gebeten habe, das Album (die letzten sieben Seiten) trotz fertigen Szenarios nicht fertigzustellen.
Und das hatte ich ja mit dem Streit mit Dargaud erklärt, zu dem man einige Details in der frz. Wikipedia findet (s.o.). Goscinny muss über die Geschichte mit der eigenmächtigen Freigabe des letzten Lucky Luke durch Morris extrem verärgert gewesen sein.

Anbei zur Illustration übrigens ein Scan der letzten Seite des Skripts von Goscinny - aus dem auch der traurige Hintergrund des trauernden Kaninchens im allerletzten Bild von den "Belgiern" verständlich wird: Ganz am Ende des Skripts, nach dem Abschluss der eigentlichen Erzählung, schreibt Goscinny mit einem für ihn typischen Augenzwinkern: "Le lapaing (eigentlich lapin = Kaninchen) et Ada peuvent sortier de leur placard, il serait temps de servir le pastis, parce que cette épisode est terminé, podferdum!" Sinngemäß: Das Kaninchen (Kosename seiner Frau) und Ada (Frau von Uderzo) können aus ihrem Wandschrank herauskommen, es ist Zeit, den Pastis zu servieren, denn diese Episode ist zu Ende, padabum!" - eine Insider-Anspielung auf die interne Witzelei, dass die Ehefrauen von Uderzo und Goscinny sich regelmäßig im Wandschrank verstecken müssten, wenn die Arbeitswut mit den beiden durchging. Das greift Uderzo dann bei der Fertigstellung der Zeichnungen nach Goscinnys Tod auf, indem er das untröstliche Kaninchen ergänzt.
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Re: Welt-Interview mit Anne Goscinny: "Meine Aufgabe ist es, Asterix zu beschützen"

Beitrag: #Beitrag bdhk »

Latürnich hat geschrieben: 19. Oktober 2021 22:04das hatte ich ja mit dem Streit mit Dargaud erklärt, zu dem man einige Details in der frz. Wikipedia findet (s.o.). Goscinny muss über die Geschichte mit der eigenmächtigen Freigabe des letzten Lucky Luke durch Morris extrem verärgert gewesen sein.
Ja, danke, das hatte ich dann gelesen. Die Geschichte war mir so en détail tatsächlich nicht bekannt.

Übrigens, auch noch eine kleine Arabeske aus dem Wikipedia-Artikel entschlüsselt: "Des papiers bleus d'assignation commencent à circuler" - diese "blauen Schriftstücke" sind Zustellungen durch Gerichtsvollzieher, in diesem Fall gerichtliche Vorladungen. Bis 2010 waren die blau. Also quasi das Äquivalent zu unseren (deutschen) gelben (Post-)Zustellungsurkunden.
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Re: Welt-Interview mit Anne Goscinny: "Meine Aufgabe ist es, Asterix zu beschützen"

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Erik hat geschrieben: 19. Oktober 2021 18:43 ...denn Goscinny wollte ja, dass das Album erscheint und hatte bereits viel Arbeit dorthinein investiert.
Das würde aber der Bitte Goscinnys an Uderzo widersprechen, das Album nicht zu vollenden:
Latürnich hat geschrieben: 18. Oktober 2021 23:55
"Si le scénario d'Astérix chez les Belges est achevé, il reste 7 planches à dessiner, que Goscinny, en conflit avec Georges Dargaud, demande à Uderzo de ne pas terminer." ("Während das Szenario von Asterix bei den Belgiern vollendet ist, bleiben noch 7 Seiten zu zeichnen, die Goscinny, im Konflikt mit (dem Verleger) Dargaud, Uderzo bittet nicht zu vollenden.") Dass das Album bei Goscinnys Tod noch nicht vollendet war, lag also nicht an fehlenden Textpassagen, sondern an einer bewussten Entscheidung der Autoren, die Fertigstellung der Zeichnungen zu stoppen.
Denn diese Bitte lässt nur einen Schluß zu: Der Vertrag mit Dargaud war so gestaltet, dass mit Fertigstellung der letzten Zeichnung Dargaud das vertragliche Recht hatte, das Album zu veröffentlichen. Nur ein unvollendetes Album konnte das also verhindern - wäre es später vollendet worden, hätte Dargaud wieder den (ersten) Zugriff darauf gehabt, wäre nicht vorher eine anderslautende gerichtliche Entscheidung erwirkt worden - was viele Jahre hätte dauern können, in denen die Serie hätte auf Eis gelegt werden müssen.

Ich sehe jedenfalls keine andere logische Erklärung, warum Uderzo nicht einfach hätte fertigzeichnen können, um es später dann auf anderen Wegen als via Dargaud an die Öffentlichkeit zu bringen. Diese Bitte macht nur aus vertragsrechtlichen Gründen Sinn, denn wenn Goscinny Uderzo ähnliches wie Morris zugetraut hätte, wäre seine Bitte an Uderzo, das Zeichnen am Album ad hoc einzustellen, reichlich sinnlos gewesen.
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Re: Welt-Interview mit Anne Goscinny: "Meine Aufgabe ist es, Asterix zu beschützen"

Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo,
WeissNix hat geschrieben: 20. Oktober 2021 13:37
Erik hat geschrieben: 19. Oktober 2021 18:43 ...denn Goscinny wollte ja, dass das Album erscheint und hatte bereits viel Arbeit dorthinein investiert.
Das würde aber der Bitte Goscinnys an Uderzo widersprechen, das Album nicht zu vollenden:
das war mit Sicherheit nicht endgültig gemeint, sondern nur temporär, falls es diese Bitte so wirklich gegeben hat. Goscinny und Uderzo hätten Millionen Leser - und deren Meinung soll gerade Goscinny ja sehr wichtig gewesen sein - schwer enttäuscht, wenn das angekündigte Erscheinen eines Albums einfach ausgefallen wäre. Ich kann mir allenfalls vorstellen, dass es um eine gewisse Verzögerung ging, um Druck auf den Verlag auszuüben.

Gruß
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Re: Welt-Interview mit Anne Goscinny: "Meine Aufgabe ist es, Asterix zu beschützen"

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Erik hat geschrieben: 20. Oktober 2021 20:11 das war mit Sicherheit nicht endgültig gemeint, sondern nur temporär, falls es diese Bitte so wirklich gegeben hat. Goscinny und Uderzo hätten Millionen Leser - und deren Meinung soll gerade Goscinny ja sehr wichtig gewesen sein - schwer enttäuscht, wenn das angekündigte Erscheinen eines Albums einfach ausgefallen wäre. Ich kann mir allenfalls vorstellen, dass es um eine gewisse Verzögerung ging, um Druck auf den Verlag auszuüben.
Der "Druck" ging dann aber wohl nach hinten los, letztlich hat er Goscinny das Leben gekostet - starke Aufregung und Stress kann durchaus ursächlich für einen Herzinfarkt sein. Und solange wir nicht den eigentlichen Grund für den Ärger mit Dargaud kennen, wird alles nur Spekulatius bleiben.


Übrigens:
Nullnullsix hat geschrieben: 18. Oktober 2021 21:17 Soweit ich weiß, hat Uderzo erst angefangen, zu zeichnen, wenn das komplette Skript fertig war.
Das mag für die Zeit nach Pilote gelten, als die Asterix-Geschichten nicht mehr als Fortsetzungsserie dort, sondern direkt in Albenform erschienen sind (ab 1974) - vorher war die Arbeitsweise üblicherweise eher von Ausgabe zu Ausgabe, mit vielleicht einigen Nummern Vorlauf. Schliesslich haben beide an mehreren Projekten gleichzeitig gearbeitet, insb. Goscinny als gleichzeitiger Chefredakteur von Pilote hat sich wohl an den redaktionsfreien Wochenenden an seinen häuslichen Schreibtisch zurückgezogen und dort unter Hochdruck an den Skripten seiner Projekte gearbeitet - dieser Termindruck ist eigentlich nur so zu erklären, dass die Fortsetzungen jeweils rechtzeitig druckreif sein mussten.
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