"Asterix ein echter Kelte?" - Lehrmaterial von Raabe 2021

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WeissNix
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Re: "Asterix ein echter Kelte?" - Lehrmaterial von Raabe 2021

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Hedonix hat geschrieben: 6. Januar 2022 16:35 Aber mal im Ernst:
Ilias oder Bibel beziehen sich in Ansätzen ja tatsächlich auf reale Ereignisse, nur dass sie diese eben auch bewerten usw.
Kommt drauf an, wie weit man den Bezug fasst... Tolkien wird ja auch unterstellt, dass sein Mittelerde-Zyklus nicht unwesentlich vom Europa um die beiden Weltkriege herum beeinflusst wurde ;-)

Und wenn ich nun den Garten Eden/das Paradies, die Sintflut oder die biblischen Plagen in Ägypten nehme, so mag es dafür wohl historische Begebenheiten geben, die diese Erzählungen beeinflusst haben - als "reale Ereignisse" im Sinne von Geschichtswissenschaft würde ich sie aber so wie geschildert nicht bezeichnen. Ersteres ist wohl eher als eine Allegorie auf die Sesshaftwerdung zu verstehen, die letztgenannten werden alle auf nicht nur singuläre Katastrophen zurückzuführen sein, wie auch die Ilias auf eine Vielzahl zurückliegender kriegerischer Auseinandersetzungen in dieser Weltgegend zurückzuführen sein wird, die lediglich in einer in sich geschlossenen, zudem spannenden und heldenreichen Geschichte zusammengefasst wurden (was eben Parallelen zwischen Homer zu Tolkien durchaus erkennen lässt - niemand weiss heute sicher, wo denn dieses homersche "Troja" - im Gegensatz zu Alesia, das weiß man heute ;-) - letztlich gelegen haben soll; Schliemann war sich allein deshalb so sicher, das von ihm unter dem Hisarlik-Hügel Ausgegrabene sei das homersche Troja, weil er Homer zweifelsfrei als historische Wahrheit begriffen hatte. Die von ihm für Troja gehaltene Siedlungsschicht war bereits deutlich älter.).

Denn machen wir uns nichts vor: In all diesen Erzählungen kommen Handlungsstränge und Wesen vor, die definitiv nicht von dieser realen Welt sein können, was sie letztlich als Fiktion entlarvt.
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Hedonix
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Re: "Asterix ein echter Kelte?" - Lehrmaterial von Raabe 2021

Beitrag: #Beitrag Hedonix »

Naja, in der Bibel wird z.B. auch die Landnahme der Israeliten in Kanaan geschildert, und derartige Ereignisse sind durchaus historisch (was nicht gleichbedeutend damit ist, dass die Aufzeichnungen der Bibel historisch wären). Auch Einzelereignisse wie die Volkszählung (Anfang der Jesus-Geschichte) sind ja belegt.
Ähnlich ist es wohl wie du ja auch sagst, bei der Ilias. Letztlich sind da wohl Aspekte des Untergangs der Mykenischen (Mionischen? ich bringe die immer durcheinander) Kultur eingeflossen, vielleicht der Seevölkersturm oder Ähnliches auch noch mit?

Sowas wie Herr der Ringe hat diese Historizität nicht, ganz egal, wie weit der Autor von den Weltkriegen beeinflusst worden war.

Aber - nach 1000 Jahren (oder so) wird man viele Details gar nicht mehr so genau wissen. Man wird wohl noch wissen, dass es im 20. Jahrhundert irgendwie "große(n) Krieg(e)" gegeben hat. Vermutlich (hoffentlich!) wird man auch wissen,dass dabei Maschinen und Atomwaffen eingesetzt wurden - damit wäre Herr der Ringe schonmal als Fiktion bewiesen. Aber womöglich denken Leute in jener fernen Zukunft, dass Herr der Ringe eine Art Parabel zu den Weltkriegen ist und der Verlauf des Ringkrieges in irgendeinem Bezug zum Weltkrieg steht oder sowas, und versuchen dann, rauszufinden, welche echte Schlacht mit welcher in den Büchern korreliert (oder so was). Das könnte ich mir durchaus als ernsthafte Annahme der Menschen in der Zukunft vorstellen.

Und wenn wir noch weiter gehen, bis das 20. Jahrhundert so weit zurück liegt wie heute das Alte Testament oder die Ilias, dann wird sich das noch weiter verwässern, denn dann sind wir schon ca. beim Jahr 5000 (oder noch mehr!), und wer weiß, was die dann noch über uns wissen. Gut möglich, dass sie unsere digitale Zeit dann wirklich als eine Art "finsteres Zeitalter" einschätzen, weil sie kaum Aufzeichnungen davon haben, und wenn sie da dann eine Ausgabe vom Herrn der Ringe finden, halten sie es womöglich für etwas, von dem sie glauben, dasss zumindest wir heute es echt und ernsthaft geglaubt und als real angenommen haben. So ähnlich, wie wir heute über die altgriechische Mythologie denken. Das Mindeste wird sein, dass sie uns unterstellen, unser eigenes Erleben und unser Verständnis von der Welt hier mit untergebracht zu haben.
Wirklich spannend fände ich daran v.a., wie sie dann das Plastik und den Atommüll erklären :-D Reste von Sarumans Isengard-Fabrik?
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WeissNix
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Re: "Asterix ein echter Kelte?" - Lehrmaterial von Raabe 2021

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Hedonix hat geschrieben: 7. Januar 2022 13:26 Wirklich spannend fände ich daran v.a., wie sie dann das Plastik und den Atommüll erklären :-D Reste von Sarumans Isengard-Fabrik?
Gerade der Atommüll kann ja wesentlich dazu beitragen, dass von den ganzen digitalen Daten absolut nüscht übrigbleiben wird... :P

Es wird sich dann nur zu fragen sein, warum der "Eine Ring" dann sicherlich immer noch in ungezählten Exemplaren bei Ausgrabungen gefunden werden wird - das Wort "Merchandising" kennt dann sicher auch keiner mehr :-D
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