Comedix im Gespräch mit ...

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Moderator: Comedix

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Comedix
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Comedix im Gespräch mit ...

Beitrag: #Beitrag Comedix »

In der Reihe "Comedix im Gespräch mit ..." gibt es seit heute ein neues Interview. Ich habe Thomas Kinne interviewt, seines Zeichens Übersetzer, Autor, Reisejournalist, Filmexperte und Comic-Sammler. Seit der vierten Staffel der ARD-Quizshow Gefragt - gejagt tritt er als "Der Quizdoktor" als einer der Jäger auf.

Was seine Leidenschaft für Sprache mit Asterix zu tun hat und warum er 1300 Asterixexemplare in 130 Sprachen sammelt, erzählt er im folgenden Interview.
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Christian
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Re: Comedix im Gespräch mit ...

Beitrag: #Beitrag Christian »

Sehr schön, danke an euch (Thomas, ich war vor 15 bis 20 Jahren mal bei dir zuhause und habe dein Sammlung bestaunt).
Richtig. In jedem Band waren gegenüber der Gallienkarte zu dieser Zeit noch die rund zwei Dutzend Verlage der damaligen Übersetzungen aufgelistet, und so machte ich mich an die Arbeit, einfach alle Verlage anzuschreiben – per Post wohlgemerkt! – und zu fragen, ob ich dort die Bände bestellen könnte. Die Antwortbriefe habe ich heute noch. Manche Verleger waren ganz begeistert, dass sich jemand im Ausland für ihre Übersetzungen interessierte. Fast alle waren sehr hilfsbereit. Dann bin ich oft zur Post gelaufen, habe Postanweisungen ins Ausland getätigt und wochenlang auf die ausländischen Bände gewartet. Das war eine sehr spannende Zeit.
Die Zeiten sind leider lange vorbei. Heute wird man von den Online-Knechten der Verlage abgefertigt. Auf der anderen Seite sind viele neue Ausgaben deutlich leichter zu haben und das Bezahlen im Ausland ist natürlich auch viel einfacher.
Ja, zum Beispiel bekam ich iranische Astérix in einem riesigen Postsack der iranischen Post.
Ja, so einen Sack habe ich auch mal bekommen! Das war was! Aber auch so etwas ist heute selten. Egal, woher die Päckchen kommen, sehen sie immer gleich aus. Da freut sich sogar die Postbotin, wenn mal ein Päckchen mit fremdländischen Briefmarken beklebt ist und klingelt dann sogar.
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WeissNix
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Re: Comedix im Gespräch mit ...

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Interessant.

Thomas Kinnes Begeisterung für die Mundartbände hat mich bei der Lektüre kurz innehalten und überlegen lassen, warum ich mich davon nie habe anstecken lassen (obwohl ich Mundarten eigentlich mag), und bin zu dem Schluß gekommen, dass Mundart, wie der Name schon sagt, in Schriftform eben sehr viel von ihrem Charme einbüsst. Ich muss Mundart hören, nicht lesen.

Vielleicht kommt ein findiger Prouzent ja mal auf die Idee, Asterix - (oder die beliebten ???) - Hörspiele testweise in Mundart anzubieten...
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methusalix
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Re: Comedix im Gespräch mit ...

Beitrag: #Beitrag methusalix »

Na , vielleicht gefallen dir Filme in Mundart

:arrow: https://www.youtube.com/watch?v=snbcBn70O0Y

Gruß Peter
Wer einem Fremdling nicht sich freundlich mag erweisen, der war wohl selber nie im fremden Land auf Reisen.

Rückert, Friedrich
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WeissNix
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Re: Comedix im Gespräch mit ...

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Den allermeissten Asterix-Filmen kann ich ja schon mit Originalton wenig abgewinnen...
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Michael_S.
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Re: Comedix im Gespräch mit ...

Beitrag: #Beitrag Michael_S. »

Herzlichen Dank für das tolle Interview!
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Nullnullsix
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Re: Comedix im Gespräch mit ...

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

Ein bisschen Off-Topic:

Zitat aus dem Interview, Herr Kinne sagt:
Ich kann einen Gag abändern, weil das Original unverständlich wäre, aber ich kann das auch aus Arroganz machen, weil ich finde, dass ich ja sooo viel lustiger bin als die Originalautoren – die Argumentation von Synchron-Ikone Rainer Brandt. Das ist aber in meinen Augen ein unzulässiger Eingriff
Rainer Brandt ist in der Tat eine 'Synchron-Ikone', gerät aber in letzter Zeit -wie auch hier- zunehmend in die Kritik. Diese kann ich zwar ein Stück weit nachvollziehen, sehe es aber ambivalent, denn im Ergebnis kommt zuweilen eben doch ein quasi-neues Werk heraus, das 'besser' ist als das Original. Bestes Beispiel, die Serie "Die 2" mit Roger Moore und Tony Curtis: Hierzulande geniesst sie Kult-Status, im Original wurde sie wegen Erfolglosigkeit nach der ersten Staffel eingestellt, denn im Original war sie nur 'eine von vielen', sprich eine x-beliebige Krimi-Serie. Hierzulande wird sie wohl ewig -aufgrund der Synchronisation von und mit Rainer Brandt- etwas Besonderes bleiben.

Bemerkung am Rande: Eine meiner liebsten Sprüche in 'Die 2' war der, wo einer der beiden sagt, sie müssten sich beeilen, den Fall zu lösen, weil in ein paar Minuten begänne das heute-journal, bis dahin müsste man fertig sein. Kürzlich hab ich mal wieder in der Mediathek (3sat?) n alten Edgar-Wallace gesehen (ich glaube, es war in 'Der grüne Bogenschütze', bin aber nicht sicher, weil ich in der Nacht drei Wallace-Filme hintereinander geguckt hab) und war sehr erstaunt, wie alt diese Art 'Gag' schon ist, bzw. Anfang der 60er schon -unabhängig von Rainer Brandt- gemacht wurde: Eddie Arendt sagt da unter der Regie von Jürgen Roland, dass er sowas schon vom 'Stahlnetz' kennen würde...
Eigentlich hätte was passieren müssen, als ich auf den Knopf drückte!
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WeissNix
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Re: Comedix im Gespräch mit ...

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Nullnullsix hat geschrieben: 5. April 2021 17:48 Ein bisschen Off-Topic:

Zitat aus dem Interview, Herr Kinne sagt:
Ich kann einen Gag abändern, weil das Original unverständlich wäre, aber ich kann das auch aus Arroganz machen, weil ich finde, dass ich ja sooo viel lustiger bin als die Originalautoren – die Argumentation von Synchron-Ikone Rainer Brandt. Das ist aber in meinen Augen ein unzulässiger Eingriff
Das scheint mir im Falle Asterix ganz auf Band XXX, dem ersten nach der Aera Penndorf, gemünzt, oder?
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Hedonix
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Re: Comedix im Gespräch mit ...

Beitrag: #Beitrag Hedonix »

Jetzt bin ich endlich auch mal dazu gekommen, das Interview zu lesen - sehr interessant, danke dafür!

Ja, das mit den Übersetzungen ist ein zweischneidiges Schwert. Ich kenne auch Beispiele von Filmen oder serien, die ihren Kultstatus erst durch eine "verändernde" Übersetzung erlangt haben. Es ist also durchaus möglich, dass ein Übersetzer es "besser weiß" als der Autor. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es nunmal eine Verfälschung ist.

Da finde ich Herrn Kinnes Haltung, erstmal das Original zu lesen (wenn man denn der Sprache mächtig ist, versteht sich) und auch keine Teaser oder dergleichen zu konsumieren, sehr überzeugend. (Was nicht heißt, dass ich es ihm nachtun werde - zum Einen kann ich kein Französisch und hatte auch mein Leben lang nie Interesse für Fremdsprachen, zum Anderen lasse ich mich gerne teasern und spekuliere auf ihrer Grundlage auch gerne ein bisschen rum, das gehört für mich irgendwie auch zur Vorfreude).
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WeissNix
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Re: Comedix im Gespräch mit ...

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Hedonix hat geschrieben: 6. April 2021 13:09 Da finde ich Herrn Kinnes Haltung, erstmal das Original zu lesen (wenn man denn der Sprache mächtig ist, versteht sich) und auch keine Teaser oder dergleichen zu konsumieren, sehr überzeugend. (Was nicht heißt, dass ich es ihm nachtun werde - zum Einen kann ich kein Französisch und hatte auch mein Leben lang nie Interesse für Fremdsprachen, zum Anderen lasse ich mich gerne teasern und spekuliere auf ihrer Grundlage auch gerne ein bisschen rum, das gehört für mich irgendwie auch zur Vorfreude).
Mag sein; aber für Fremdsprachler erschliessen sich eben auch viele Wortspiele nicht, selbst wenn er einen LK mit 15 Punkten absolviert hat - da bin ich dankbar, wenn ein Übersetzer vieles davon in die deutsche Sprache herrüberrettet; und wenn mal was nicht herüberzuretten ist, weil gerade Wortspiele nicht immer auch als solche übertragbar sind, dann billige ich den Übersetzern durchaus zu (durchaus auch an Stellen, wo im Original keine sind) welche in der Zielsprache zu finden, auch wenn es keine Entsprechungen im Original gibt. Solange es im Geist des Autors bleibt und nicht in solche platten Albernheiten wie in Band XXX ausartet.

Schliesslich ist die Übersetzung ja auch wie das Ursprungswerk ein Werk im Sinne des Urheberrechts, denn sonst könnte man das alles auch einem Algorithmus wie zB von Alphabeth/Google überlassen.
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Comedix
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Re: Comedix im Gespräch mit ...

Beitrag: #Beitrag Comedix »

WeissNix hat geschrieben: 6. April 2021 14:08Schliesslich ist die Übersetzung ja auch wie das Ursprungswerk ein Werk im Sinne des Urheberrechts, denn sonst könnte man das alles auch einem Algorithmus wie zB von Alphabeth/Google überlassen.
Deshalb lässt sich der Urheber jede Übersetzung, auch Mundart, vor der Veröffentlichung in das Französische rückübersetzen, bevor sie das Werk freigeben.
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WeissNix
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Re: Comedix im Gespräch mit ...

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Das hat aber nicht mit der schöpferischen Höhe der Übersetzung an sich und deren Einordnung als "Werk" zu tun, sondern ist nur aufgrund schlechter Erfahrungen vertraglich bei Asterix so festgeschrieben. Anders hätte man nach dem unsäglichen (braungefärbten) Kauka-Scheiss wohl gar keine Rechte für eine deutschsprachige Ausgabe mehr bekommen. Das ist meines Wissens sonst keineswegs üblich und wohl eine sehr seltene und spezielle Ausnahmeregelung, von der ich noch nichtmal weiß, ob das auch für andere Sprachen gilt.
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bdhk
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Re: Comedix im Gespräch mit ...

Beitrag: #Beitrag bdhk »

Comedix hat geschrieben: 6. April 2021 15:13lässt sich der Urheber jede Übersetzung, auch Mundart, vor der Veröffentlichung in das Französische rückübersetzen, bevor sie das Werk freigeben.
Das fällt mir angesichts einerseits der Vielfalt der Mundarten und andererseits der bisher teilweise gezeigten Qualität (vgl. die Vergewaltigung von Asterix bei den Briten auf "Hamburgisch") schwer vorzustellen.
Christian
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Re: Comedix im Gespräch mit ...

Beitrag: #Beitrag Christian »

WeissNix hat geschrieben: 6. April 2021 15:31 Das ist meines Wissens sonst keineswegs üblich und wohl eine sehr seltene und spezielle Ausnahmeregelung, von der ich noch nichtmal weiß, ob das auch für andere Sprachen gilt.
Gilt auch für andere.