Asterix und der Greif - Wortspiele und Anspielungen, insbes. mit Blick auf das Original

Diskussionen und Informationen zum 39. Abenteuer, das am 21. Oktober 2021 erschien.

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Comedix
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Re: Asterix und der Greif - Wortspiele und Anspielungen, insbes. mit Blick auf das Original

Beitrag: #Beitrag Comedix »

WeissNix hat geschrieben: 24. Oktober 2021 21:58
Terraix hat geschrieben: 24. Oktober 2021 19:18 Ja, das hätte durch die Nähe zum Kaspischen und zum Schwarzen Meer gepasst; dann hätten die Gallier ein weiteres Mal Kaviar essen können.
Das hätte dann auch wunderbar als Aufhänger für eine Verhohnepiepelung nationaler Stereotype herhalten können. Treffer also - nicht versenkt, sondern verschenkt!
Auf der einen Seite wird sich beklagt, dass bestimmte Themen wieder verwendet werden (Pfeile bei den Skythen), auf der anderen Seite möchte man bestimmte Anspielungen auf alte Geschichten gerne sehen.
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WeissNix
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Re: Asterix und der Greif - Wortspiele und Anspielungen, insbes. mit Blick auf das Original

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Comedix hat geschrieben: 25. Oktober 2021 13:35 Auf der einen Seite wird sich beklagt, dass bestimmte Themen wieder verwendet werden (Pfeile bei den Skythen), auf der anderen Seite möchte man bestimmte Anspielungen auf alte Geschichten gerne sehen.
Was hat das denn damit zu tun? Es geht generell um Anspielungen auf nationale Eigenheiten, die ja schon an anderer Stelle vermisst wurden; das heisst ja nicht, dass einfach nur alte Anspielungen wiederholt werden sollen. Man hätte zB aus dem in Russland stark verbreiteten Wodkakonsum (Wodka wird ja auch gerne als "Wässerchen" bezeichnet) in Verbindung mit den Temperaturen, bei denen richtiges Wasser - und Zaubertrank - gefriert, hochprozentiger Alkohol aber nicht, etwas machen können. Auch gern dann in Verbindung mit Kaviar, der ja nicht nur fettreich ist (in kalten Gegenden ist fettreiche Nahrung wichtig), sonder auch viel Vitamin D enthält. Vielleicht auch als Seitenhieb auf diverse Leckereien bei den Römern, wo Kaviar vielleicht eine dieser Luxus-Delikatessen ist, bei den Sarmaten aber billiges Grundnahrungsmittel.

Das mit den Pfeilen war eine plumpe Wiederholung eines altbekannten Gags aus der Odyssee, und als solchen fand ich ihn eher gequält als lustig. Siehe den ersten Teil meiner Signatur. "Anspielungen" auf alte Geschichten gern, aber einfach nur plumpes Wiederholen eher nicht.
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Re: Asterix und der Greif - Wortspiele und Anspielungen, insbes. mit Blick auf das Original

Beitrag: #Beitrag bdhk »

Es ist halt nicht mehr 1971, und "Anspielungen auf nationale Eigenheiten" sind schwieriger geworden. Zum einen, weil die Betroffenen sensibler geworden sind, zum anderen weil die allgemeine Wahrnehmung dessen, was witziges und liebevolles Necken und was plumpes Draufschlagen ist, sich gewandelt hat. "Hohoho, Russen sind immer besoffen, also machen wir mal was mit Wodka" - sorry, so ein "Gag" funktioniert halt heute nicht mehr. Und das hat auch nichts damit zu tun, dass Goscinny tot ist. Daran können wir uns auch langsam mal gewöhnen. Sowohl an Goscinnys Tod als auch an gewisse Entwicklungen, welche die Zeitläufte so mitsichbringen. Man kann nicht an einen Asterix von heute herangehen mit den gleichen Erwartungen wie an einen von vor 50 Jahren.

Die bemängelten Wiederholungen sehe ich tatsächlich mehr als Erinnerungen, Zitate, Anspielungen, vielleicht auch ein Stückweit als Hommagen. Zusätzlich sind sie letztlich auch Verbeugungen an die Boomergeneration unter den Lesern. Der zehnjährige Neuleser dürfte da weniger angesprochen sein als wir, die wir uns daran erinnern, den gleichen oder einen ähnlichen Gag schon einmal gesehen zu haben. Als wir nämlich zehn waren ;-) Und, um es auch noch einmal konkret auf die Pfeile zu beziehen: Ist es nicht sogar eine neue, aktuelle, Anspielung, zu sagen "sehr her, 40 Jahre nach der Odyssee (die drei Jahre nach Camp David herauskam) fliegen im Nahen Osten leider immer noch die Pfeile"?
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WeissNix
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Re: Asterix und der Greif - Wortspiele und Anspielungen, insbes. mit Blick auf das Original

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

bdhk hat geschrieben: 25. Oktober 2021 14:18 Es ist halt nicht mehr 1971, und "Anspielungen auf nationale Eigenheiten" sind schwieriger geworden. Zum einen, weil die Betroffenen sensibler geworden sind, zum anderen weil die allgemeine Wahrnehmung dessen, was witziges und liebevolles Necken und was plumpes Draufschlagen ist, sich gewandelt hat. "Hohoho, Russen sind immer besoffen, also machen wir mal was mit Wodka" - sorry, so ein "Gag" funktioniert halt heute nicht mehr.
Erstens ist der hohe Alkoholkonsum in Russland und die damit verbundene geringe Lebenserwartung - vor allem bei Männern - durch Studien belegt, und zweitens ist es ja gerade der Job eines Szenaristen, sich Gedanken zu machen, wie man aus einem solchen Fakt einen Gag macht, der eben nicht verletzend ist. Auch aus heutiger Sicht sind die allermeissten nationalen Eigenheiten, über die sich Goscinny lustig gemacht hat, eben nicht beleidigend oder verletzend, sondern lediglich eine lustige Umsetzung von Stereotypen. Über die selbst die karikierten lachen können (wenn sie sie überhaupt bemerken wie zB den Gag in Spanien, wo die gotischen/germanischen Touristen aus ihrer Heimat gewohnte Gerichte und nicht die landestypischen vorgesetzt bekommen, was ich damals als Kind in Spanienurlauben genau so beobachten konnte).

Wenn sowas jetzt alles nach und nach unter die Tabus fällt, können wir den gesamten Humor und das Lachen bald auf den Müllhaufen werfen.
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Comedix
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Re: Asterix und der Greif - Wortspiele und Anspielungen, insbes. mit Blick auf das Original

Beitrag: #Beitrag Comedix »

WeissNix hat geschrieben: 25. Oktober 2021 15:12 Wenn sowas jetzt alles nach und nach unter die Tabus fällt, können wir den gesamten Humor und das Lachen bald auf den Müllhaufen werfen.
Es gibt alte, weiße, männliche Schamanen, die genau das auf uns zukommen sehen.
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WeissNix
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Re: Asterix und der Greif - Wortspiele und Anspielungen, insbes. mit Blick auf das Original

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Dann ist ja gut, dass ich einer dieser alten bin, die die schlimmsten Auswüchse dann wohl nicht mehr erleben werden müssen.
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Re: Asterix und der Greif - Wortspiele und Anspielungen, insbes. mit Blick auf das Original

Beitrag: #Beitrag Brando1988 »

Eine Anspielung auf Wodka oder ähnlichem müsste ja nicht zwangsläufig bedeuten, dass sich dort Personen zu sehen sind, die völlig besoffen Kalinka singen bis sie unterm Tisch liegen.

Ich bin kein Goscinny, trotzdem könnte ich mir auf den Wodkakonsum durchaus Anspielungen vorstellen, die mich als Russen auch zum Schmunzeln bringen. Er war eben ein Meister in Anspielungen die eben alles andere als plump oder verletzend sind.

Ich lache auch über "Asterix bei den Goten" obwohl das gezeigte Verhalten, welches die Goten dort an den Tag legen natürlich keineswegs zum Lachen ist. Denn dieses Verhalten wird das gotische Reich später in viel Elend stürzen. Ich denke man sollte alles nicht so verbissen nehmen. Auch wenn es gerade Trend ist. Sonst hängen wir wirklich alle in ein paar Jahren an den Fenstern und schreien Ball spielende Kinder an.
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Re: Asterix und der Greif - Wortspiele und Anspielungen, insbes. mit Blick auf das Original

Beitrag: #Beitrag Tennisplatzis »

Was mir noch an Anspielungen aufgefallen ist:

S. 6: Cäsar sagt "Das hat mir auf allen Foren kritische Kommentare eingebracht" - mögliche Referenz an Kommentare in Online-Foren.

S. 8: Terrine begrüßt Miraculix mit "Alter Genosse" - Anspielung darauf, dass kommunistische Parteigenossen mit "Genosse" angesprochen werden. In der gleichen Sprechblase erwähnt er ein "Seminar für alternative Magie" - Anspielung auf Alternativmedizin, die ja bis heute teilweise von selbsternannten Schamanen praktiziert wird.

S.11: Alle Dorfbewohner sind Varianten von Bewohnern des Gallischen Dorfs - es gibt einen Dorfältesten (Methusalix), einen Lebensmittlehändler (Verleihnix), einen Handwerker (Automatix) und zwei Herren, die eindeutig Asterix und Obelix ähneln. Vielleicht soll das aussagen, dass alle Dörfer und Völker der welt trotz allen Unterschieden doch letztlich mehr oder weniger gleich sind.

S. 27: Die Skythen sagen "Wildbach nennt man einen Gebirgsfluss...", usw.. Eine enzyklopädische Definition, die angesichts der diversen anderen Internet-Referenzen möglicherweise auf Wikipedia anspielt.

S. 34: "Authentifiziert euch" - "Passwort vergessen" - "Öffne oder ich hacke euch" - Referenzen an das Anmelden auf Websites.

S. 45 Die Amazonen schießen zur Begrüßung Pfeile in die Luft - Anspielung auf Salutschüsse.
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Re: Asterix und der Greif - Wortspiele und Anspielungen, insbes. mit Blick auf das Original

Beitrag: #Beitrag Terraix »

Zudem soll Ferdecus eine Karikatur eines Herren sein, der in der französischen Asterix-Redaktion arbeitet. Die Quelle habe ich mir leider nicht gemerkt ( :hammer: ), aber es war ein französischsprachiger Artikel.

Bei 45,2 taut Schnee und es sieht so aus, als ob die Greif-Figur Tränen vergießen würde.
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Re: Asterix und der Greif - Wortspiele und Anspielungen, insbes. mit Blick auf das Original

Beitrag: #Beitrag bdhk »

Tennisplatzis hat geschrieben: 25. Oktober 2021 21:32S. 8: Terrine begrüßt Miraculix mit "Alter Genosse" - Anspielung darauf, dass kommunistische Parteigenossen mit "Genosse" angesprochen werden.

Da hat die Übersetzung diese Anspielung eindeutiger gemacht: Im Original heißt es "camarade", was sowohl der normale Kamerad als auch der politisch konnotierte Genosse sein kann.
Tennisplatzis hat geschrieben: 25. Oktober 2021 21:32"Öffne oder ich hacke euch" - Referenzen an das Anmelden auf Websites.
Passt gut, und stammt vom Übersetzer. Im Original heißt es nur "Ouvrez toute de suite ou bien...", "Öffnet sofort, oder..."
Terraix hat geschrieben: 25. Oktober 2021 21:43Zudem soll Ferdecus eine Karikatur eines Herren sein, der in der französischen Asterix-Redaktion arbeitet. Die Quelle habe ich mir leider nicht gemerkt ( :hammer: ), aber es war ein französischsprachiger Artikel.
In dem mittlerweile leider hinter der Bezahlschranke verschwundenen SZ-Artikel, den comedix gepostet hat, wird das auch erwähnt: Und zwar soll Dienstschlus Céleste Surugue sein. Da Dienstschluss im Original Célastus heißt, dürfte das wohl so sein.
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Re: Asterix und der Greif - Wortspiele und Anspielungen, insbes. mit Blick auf das Original

Beitrag: #Beitrag Terraix »

bdhk hat geschrieben: 25. Oktober 2021 22:29
Terraix hat geschrieben: 25. Oktober 2021 21:43Zudem soll Ferdecus eine Karikatur eines Herren sein, der in der französischen Asterix-Redaktion arbeitet. Die Quelle habe ich mir leider nicht gemerkt ( :hammer: ), aber es war ein französischsprachiger Artikel.
In dem mittlerweile leider hinter der Bezahlschranke verschwundenen SZ-Artikel, den comedix gepostet hat, wird das auch erwähnt: Und zwar soll Dienstschlus Céleste Surugue sein. Da Dienstschluss im Original Célastus heißt, dürfte das wohl so sein.
Stimmt, Surugue wars! Aber bist du dir sicher, dass Dienstschlus diesen verkörpert und nicht Ferdecus? Wenn ich mich recht erinnere, war die Rede davon, dass es der Legionär sein soll, der die Gefangene ganz besonders anhimmelt. Da würde bildlich m. E. eher Ferdecus passen (siehe 28,6).
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Re: Asterix und der Greif - Wortspiele und Anspielungen, insbes. mit Blick auf das Original

Beitrag: #Beitrag bdhk »

So steht es geschrieben, ja, aber Dienstschlus passt einfach von den Gesichtszügen und natürlich von seinem Namen (Célastus -> Céleste) her.
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Re: Asterix und der Greif - Wortspiele und Anspielungen, insbes. mit Blick auf das Original

Beitrag: #Beitrag Terraix »

Dann enthielt der Artikel eine Fehlinformation.
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Re: Asterix und der Greif - Wortspiele und Anspielungen, insbes. mit Blick auf das Original

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Tennisplatzis hat geschrieben: 25. Oktober 2021 21:32 S. 8: Terrine begrüßt Miraculix mit "Alter Genosse" - Anspielung darauf, dass kommunistische Parteigenossen mit "Genosse" angesprochen werden.
Schade eigentlich, dass nicht noch mit einem sozialistischen "Bruderkuss" begrüsst wurde, dann wäre mE die Anspielung perfekt gewesen. Ich bezweifle, dass Goscinny und/oder Uderzo diese Verstärkung ausgelassen hätten.
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Re: Asterix und der Greif - Wortspiele und Anspielungen, insbes. mit Blick auf das Original

Beitrag: #Beitrag bdhk »

Noch ein kleiner in der Übersetzung verlorengegangener Punkt, den ich jetzt gefunden habe:

19,6: Obelix sagt im Original "Aïэ!", deutsch aber nur "Oha!" Wobei ich ehrlich gesagt auch nicht verstehe, weshalb er genau einmal das Э aus dem sarmatischen Dialekt verwendet. Es ist zusammenhanglos, nicht wirklich lustig und bringt keinen erzählerischen Mehrwert. Insofern ist es vielleicht gar nicht schlecht, dass dieser "Witz" nicht übersetzt wurde.