Asterix-Zeichner Albert Uderzo ist tot

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Erik
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Re: Asterix-Zeichner Albert Uderzo ist tot

Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo,
WeissNix hat geschrieben:
26. März 2020 18:56
Erik hat geschrieben:
26. März 2020 18:11
zumindest nach deutschem Erbrecht kann ein Erblasser seinen testamentarischen Erben für 30 Jahre Auflagen machen und deren Einhaltung kann z.B. ein Testamentsvollstrecker dann auch durchsetzen. Inwieweit das dem französischen Erbrecht entspricht, weiß ich aber natürlich nicht.
Ich bezweifle, dass Uderzo bezüglich Asterix eine solche Auflage einklagbar bestimmen kann, denn er ist ja nicht alleiniger Inhaber des Urheberrechts, sondern muss sich dieses mit den Erben von Goscinny teilen. Eine solche Auflage hätte also nicht nur Konsequenzen für seine Erben, sondern auch für die seines Kumpels Goscinny. Und wäre somit vor Gericht kaum durchsetzbar, sollten diese alle die Fortführung der Serie wollen.
die Rechtsstellung der Goscinny-Erben dürfte dabei keine Rolle spielen. Die Erben treten jeweils an die Stelle des Erblassers. Insofern ist es bei zwei Erbengemeinschaften nicht abers als bei zwei Mitautoren: Wenn beide etwas veröffentlichen, veräußern, übertragen wollen etc., müssen beide mitwirken. Das heißt, um "Ja" zu sagen, braucht es beide, um "Nein" zu sagen, nur einen.

Wenn also die Uderzo-Erben zu Neuveröffentlichungen "Nein" sagen - weil sie das wollen oder weil sie das wegen einer testamentarischen Auflage müssen -, dann können die Goscinny-Erben niemals alleine die Fortsetzung der Serie durchsetzen.

Die Einhaltung einer Auflage könnte durchaus ein Testamentsvollstrecker, wenn denn einer eingesetzt ist, rechtlich durchsetzen. Er könnte bei einem Verstoß gegen die Erben darauf klagen (oder auch einen entsprechenden Antrag im einstweiligen Rechtsschutz stellen), dass sie "Nein" zu einer Rechteveräußerung sagen, also ihr Veto einlegen.

Wie gesagt, das fransösische Erbrecht kenne ich allerdings nicht. Nach deutschem Erbrecht wäre eine solche Auflage - auch rechtlich durchsetzbar - prinzipiell denkbar.

WeissNix hat geschrieben:
26. März 2020 18:56
Die Verträge betreffen nur Hachette - die Erben könnten sich ja einen anderen Verlag suchen, wenn Hachette durch einen solchen Vertrag wirklich dauerhaft gehindert wäre. Was ich bezweifle.
Das beschrreibt aber den umgekehrten Fall zu dem, von dem ich sprach. Ich meinte den Fall, dass die Uderzo-Erben die Veröffentlichung neuer Abenteuer verhindern wollen oder - infolge einer Auflage Uderzo's - müssen. Wenn das so ist, dann wird es relevant, welche Verträge Uderzo mit Hachette geschlossen hat, ob er also diesen neuen Meinungsumschwung zum "Nun-soll-nach-mir-Asterix-doch-nicht-weiterleben" überhaupt noch vollziehen konnte, nachdem er Hachette die Fortsetzung ja gegen ein gewisses Entgelt schon erlaubt hat. Das werden nur die wenigen beantworten können, die diese Verträge kennen.

Iwan hat geschrieben:
27. März 2020 16:26
Eine weitere interessante Frage, über die sich Juristen sicher den Kopf zerbrechen können: Goscinny ist 1977 gestorben, also vor weit mehr als 40 Jahren. Sind dann seine Erben überhaupt noch berechtigt, bei der Weiterentwicklung von Asterix mitzuentscheiden?
Ja, das sind sie. Das Urheberrecht besteht 70 Jahre nach dem Tod des Autors (lat.: post mortem auctoris) fort, wie WeissNix schon schrieb. Das ist auch EU-weit harmonisiert, gilt mithin auch in Frankreich. Dabei ist "nach dem Tod des Autors" bei Mitautoren als "nach dem Tod des letztverstorbenen Mitautors" zu verstehen. Die Frist hat also gerade erst mit Uderzo's Tod zu laufen begonnen. Und solange es das Urheberrecht noch gibt, sind die Erben Goscinny's auch dessen Mitinhaber.

Eine andere Frage ist die, wie lange ein Erblasser seinen Erben (z.B. durch Auflagen oder durch Anordnung von Vor- und Nacherbschaft oder Testamentsvollstreckung) Bindungen und Beschränkungen auferlegen kann. Das sind in Deutschland 30 Jahre. Danach ist der Erbe frei von Bindungen des Erblassers mit den Gegenständen des Erbes zu verfahren, also auch mit einem dann noch fortbestehenden Urheberrecht.

Gruß
Erik
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WeissNix
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Re: Asterix-Zeichner Albert Uderzo ist tot

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Erik hat geschrieben:
27. März 2020 18:38
die Rechtsstellung der Goscinny-Erben dürfte dabei keine Rolle spielen. Die Erben treten jeweils an die Stelle des Erblassers. Insofern ist es bei zwei Erbengemeinschaften nicht abers als bei zwei Mitautoren: Wenn beide etwas veröffentlichen, veräußern, übertragen wollen etc., müssen beide mitwirken. Das heißt, um "Ja" zu sagen, braucht es beide, um "Nein" zu sagen, nur einen.

Wenn also die Uderzo-Erben zu Neuveröffentlichungen "Nein" sagen - weil sie das wollen oder weil sie das wegen einer testamentarischen Auflage müssen -, dann können die Goscinny-Erben niemals alleine die Fortsetzung der Serie durchsetzen.

Die Einhaltung einer Auflage könnte durchaus ein Testamentsvollstrecker, wenn denn einer eingesetzt ist, rechtlich durchsetzen. Er könnte bei einem Verstoß gegen die Erben darauf klagen (oder auch einen entsprechenden Antrag im einstweiligen Rechtsschutz stellen), dass sie "Nein" zu einer Rechteveräußerung sagen, also ihr Veto einlegen.

Wie gesagt, das fransösische Erbrecht kenne ich allerdings nicht. Nach deutschem Erbrecht wäre eine solche Auflage - auch rechtlich durchsetzbar - prinzipiell denkbar.
Das mit dem "nein" sagen bei geteiltem Urheberrecht mag für die eigentlichen Urheber selbst gelten, als ledigliche Auflage in einem Testament glaube ich aber nicht, dass es vor Gericht Bestand hätte. Die Regelungsfreiheiten des Erblassers hat ihre Grenzen in den Rechten vom Erbfall selbst gar nicht betroffener Dritter.

Nun, das ganze Erbrecht in Deutschland steht unter dem Vorbehalt, dass testamentarische Willensäusserungen nicht gegen die guten Sitten verstossen dürfen; eine solche Auflage gegenüber den eigenen Erben, die dann die ureigenen Rechte eines oder mehrerer vom eingetretenen Erbfall eigentlich komplett Unbetroffenen Dritten komplett zunichte macht, dürfte gegen die guten Sitten verstossen. Zumindest entfaltet sie eine erhebliche Drittwirkung, die vor Gericht m.E. schwerlich durchsetzbar wäre. Denn so gesehen würde Uderzo dann den Erben Goscinnys genau das versagen, wovon er selbst jahrzehntelang ausserordentlich gut gelebt hat - und damals selbstherrlich entschieden hatte, alleine weiter zu machen - was demzufolge nur mit der expliziten oider stillschweigenden Duldung der Erben der anderen Hälfte des Urheberrechts möglich war. So gesehen wäre eine derartige Auflage auch kein feiner Charakterzug, aber das ist meine persönliche Meinung.
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Re: Asterix-Zeichner Albert Uderzo ist tot

Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo,
WeissNix hat geschrieben:
27. März 2020 18:57
Das mit dem "nein" sagen bei geteiltem Urheberrecht mag für die eigentlichen Urheber selbst gelten, als ledigliche Auflage in einem Testament glaube ich aber nicht, dass es vor Gericht Bestand hätte. Die Regelungsfreiheiten des Erblassers hat ihre Grenzen in den Rechten vom Erbfall selbst gar nicht betroffener Dritter.
die Erben treten an die Stelle des Erblassers. Die Dritten (Erben Goscinny's) sind von einer entsprechenden Auflage an seine Erben nicht mehr betroffen als sie es von einem "Nein" durch ihn selbst zu seinen Lebzeiten gewesen wären. - Aber glaube, was Du willst. Ich möchte Dir Deinen Glauben nicht nehmen. Ich habe hier nur meine Rechtsauffassung betreffend des deutschen Erbrechts dargestellt.

Ich halte eine entsprechende, rechtlich bindende und durchsetzbare Auflage für rechtlich möglich. Ob sie so verfügt ist, weiß ich nicht. Ob der Wirksamkeit einer solchen Verfügung gegebenenfalls lebzeitig geschlossene Verträge entgegen stehen, weiß ich nicht. Ob das französische Erbrecht anders liegt und dies vielleicht gar nicht zulässt, weiß ich nicht. Insofern kann es durchaus sein, dass weitere Asterix-Bände trotz des von Uderzo geäußerten Willens erscheinen werden. Es ist aber auch möglich, dass dem nun tatsächlich rechtliche Gründe entgegenstehen.

WeissNix hat geschrieben:
27. März 2020 18:57
Nun, das ganze Erbrecht in Deutschland steht unter dem Vorbehalt, dass testamentarische Willensäusserungen nicht gegen die guten Sitten verstossen dürfen; eine solche Auflage gegenüber den eigenen Erben, die dann die ureigenen Rechte eines oder mehrerer vom eingetretenen Erbfall eigentlich komplett Unbetroffenen Dritten komplett zunichte macht, dürfte gegen die guten Sitten verstossen.
Verstöße gegen die guten Sitten sind gerade bei Testamenten ein sehr, sehr seltener Fall, der fast nie angenommen wird. Die Auflage, ein Urheberrecht in bestimmter, von dem Erblasser gewünschter Weise auszuüben, wäre gewisslich weit davon entfernt. - Aber auch da lasse ich natürlich jedem, der etwas anderes glauben will, seine Glaubensfreiheit.

Um es abschließend noch einmal deutlich zu machen: Es werden keine Rechte von unbetroffenen Dritten zunichte gemacht. Goscinny hatte niemals das Recht, alleine das weitere Erscheinen von Asterix zu bestimmen. Deshalb haben es auch seine Erben nicht. Wer mit einem anderen zusammen ein Werk schafft, ist in seinen Entscheidungen über das Schicksal des Werkes von Natur aus an dessen Willen gebunden. Für die jeweiligen Erben gilt nichts anderes, denn sie treten in die Rechtsposition der Erblasser ein.

Und so wie jeder Mensch zu Lebzeiten verfügen kann, kann er auch von Todes wegen - also durch Testament oder Erbvertrag - verfügen. Darin kann er auch Vorgaben für den Umgang mit seinem Vermögen nach seinem Tode machen. Wenn das einem Erben nicht gefällt, kann er das Erbe ausschlagen und - sofern er Pflichtteilsberechtigter ist - den Pflichtteil verlangen.

Gruß
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Nullnullsix
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Re: Asterix-Zeichner Albert Uderzo ist tot

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

WeissNix hat geschrieben:
26. März 2020 20:55
(...) ohne neue Alben wird Asterix definitiv irgendwann aus dem kollektiven Gedächtnis der Welt mehr und mehr verschwinden und letztlich auf einen immer seltener aufgerufenen Wikipedia-Artikel reduziert werden. (...)
Das glaub ich nicht. Hergé ist seit knapp 40 Jahren hin und die Popularität von Tim und Struppi wohl ziemlich ungebrochen, scheint mir.
Eigentlich hätte was passieren müssen, als ich auf den Knopf drückte!

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Re: Asterix-Zeichner Albert Uderzo ist tot

Beitrag: #Beitrag Terraix »

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WeissNix
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Re: Asterix-Zeichner Albert Uderzo ist tot

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Nullnullsix hat geschrieben:
27. März 2020 21:05
Hergé ist seit knapp 40 Jahren hin und die Popularität von Tim und Struppi wohl ziemlich ungebrochen, scheint mir.
Ich hab erst vor wenigen Jahren das Gesamtwerk gelesen, um zu ergründen, warum die reihe derart populär war, und finde T&S zwar wegweisend für die Zeit, in der er in seinen Grundzügen entstand (30er bis 50er Jahre), aber heute ist das doch ziehmlich kalter Kaffee. Ich kann mir nicht vorstellen, dass T&S nachwachsende Generationen noch beeindrucken kann. Selbst als Kind in den 70ern fand ich T&S nicht weiter beachtenswert, nachdem ich ein, zwei Alben mal geschenkt bekommen hatte - war mir damals schon irgendwie zu "antiquiert", sowohl hinsichtlich der Sprache als auch vom Setting.
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Nullnullsix
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Re: Asterix-Zeichner Albert Uderzo ist tot

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

Wenn Du ergründen wolltest, warum die Serie so populär ist, gibst Du damit ja zu, DASS sie es ist. Dass Du persönlich die Gründe dafür nicht nachvollziehen kannst, ändert aber nichts daran, dass es welche gibt. - Mir geht das übrigens ähnlich: Mir war T&S (und überhaupt die Ligne claire) immer schon irgendwie zu steif, zu statisch, zu hölzern, zu leblos, zu formelhaft. Was bei mir soweit geht, dass ich das zwar komplett im Regal hab, aber im Gegensatz zu Dir, mich noch nie aufraffen konnte, es wirklich mal komplett zu lesen. Reizt mich nicht wirklich. Wenn, dann wäre es wirklich - wie bei Dir - nur das Interesse, was finden andere daran so toll, dass es nicht nur viele Leser findet, sondern auch so viele andere Künstler inspiriert hat, die Ligne claire aufzugreifen, zu kopieren, weiter zu entwickeln... - Der einzige aus der Ecke, den ich wirklich tatsächlich gut finde, ist Henk Kuijpers mit seiner Franka, die ich immer als 'moderne' Version von T&S empfunden hab. Aber auch da sprechen mich die Zeichnungen nicht emotional an, sondern auf einer graphisch-intellektuellen Ebene...
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WeissNix
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Re: Asterix-Zeichner Albert Uderzo ist tot

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Nullnullsix hat geschrieben:
28. März 2020 13:45
Wenn Du ergründen wolltest, warum die Serie so populär ist, gibst Du damit ja zu, DASS sie es ist...
Lies richtig; ich gab nicht zu, dass die Serie populär IST, sondern dass sie populär WAR! Und das war sie in meiner Kindheit noch, zweifellos. Heute ist sie zwar noch bekannt, aber nicht mehr populär... das geht aber vielen zu ihrer Zeit sehr erfolgreichen Autoren im Laufe der ihnen folgenden Jahrzehnte so.

Und dass ich sie komplett durchgeackert habe liegt daran, dass ich nach einem Wiedereinstieg in die Comicwelt einfach mal ergründen wollte, worin der damals noch nicht so genannte "Hype" denn gründete (und die damals gerade erschienen Kompaktausgabe bot dazu eine recht preiswerte Möglichkeit). Ich kann mir bis heute nicht erklären, warum ausgerechnet T&S so einen Erfolg hatte... vielleicht lag es ja einfach daran, dass man nicht viel anderes hatte, so nachem Krieg...
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jouhmään
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Re: Asterix-Zeichner Albert Uderzo ist tot

Beitrag: #Beitrag jouhmään »

Hallo Marco,

ich habe gerade gelesen, dass Uderzo gestorben ist.

Was für ein Lebenswerk !!!!!!!!!!

Er war wohl der größte Comiczeichner der Geschichte!

Jouhmään

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Michael_S.
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Re: Asterix-Zeichner Albert Uderzo ist tot

Beitrag: #Beitrag Michael_S. »

Ich bin kein Jurist und weiß genauso wenig wie alle anderen hier im Forum, was in den Verträgen steht, aber ich denke, die Frage des Weiterlebens von Asterix ist deutlich einfacher, als hier zum Teil diskutiert. Anders als beim Tod Goscinnys, der für alle völlig überraschend kam, hat Uderzo ja nun ein wahrlich stattliches Alter erreicht. Zudem hat er seinen eigenen Tod und die daraus resultierenden Implikationen für die Zukunft von Asterix schon lange öffentlich thematisiert. Völlig unabhängig davon, wie klar er sich dabei ausgedrückt hat und wie oft er dabei seine Meinung geändert hat, dürften diese öffentlichen Äußerungen für alle Beteiligten Anlass genug gewesen sein, ihre jeweiligen Verträge entsprechend zu gestalten. Ich gehe daher davon aus, dass die derzeitigen Autoren ganz exakt wissen, ob sie den Stift jetzt beiseite legen müssen oder nicht und auch, welche finanziellen Einbußen nun auf sie zukommen - oder eben nicht. Dasselbe wird für den Verlag gelten, der m. E. schon in eigenem Interesse das Szenario des Ablebens von Uderzo schon vorgeplant haben wird und diese Pläne jetzt einfach nur aus der Schublade holen muss. Und nachdem es nach Goscinnys Tod ja durchaus Differenzen mit dem damaligen Verlag gab, dürften sich auch alle Erben schon entsprechend abgesichert haben, nun von keiner Verlagsentscheidung oder -forderung überrascht zu werden.

Ich schaue daher gerade mit einem traurigen Auge zurück auf das Lebenswerk Uderzos und mit einem neugierigen Auge nach vorne, wie sich die Zukunft von Asterix entwickeln wird.

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Troubadix
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Re: Asterix-Zeichner Albert Uderzo ist tot

Beitrag: #Beitrag Troubadix »

Hallo ... ich bin zwar etwas spät dran, möchte aber auch gerne kurz die Chance nutzen, mich hier sozusagen ins Kondolenzbuch einzutragen. Die Nachricht von Uderzos Tod im stolzen Alter von 92 Jahren hat mich nicht unbedingt schockiert, weil ich schon seit Längerem die Wahrscheinlichkeit seines baldigen Ablebens auf dem Schirm hatte. Sie hat mich aber innehalten und darüber nachdenken lassen, wie dieser Mann meine Kinderjahre und damit einen beträchtlichen Teil meines jetzt neunzehnjährigen Lebens geprägt hat.

Seit ich lesen konnte, habe ich jeden Asterixband verschlungen, der sich nur irgendwo finden ließ. Als ich so um die acht Jahre alt war, war meiner alleinerziehenden Mutter die vollständige Asterixsammlung ihres neuen Freundes hochwillkommen, da ich mich damit über längere Zeiträume ruhigstellen ließ. Auch wenn ich inzwischen die Genialität von Goscinnys Texten auf Höchste wertschätze, war Uderzos Einfluss auf mein Leben wahrscheinlich der Größere, denn bis heute ist das Comiczeichnen mein liebstes Hobby, und wahrscheinlich hätte mich kaum ein anderer Stil als der dieses großen Meisters so stark dazu anregen können, selbst den Zeichenstift in die Hand zu nehmen. Bei meinen ersten dokumentierten Gehversuchen auf dem Gebiet fallen entsprechend sofort die riesigen Knollennasen ins Auge. Mit dem Zeichnen habe ich seither nie aufgehört - auch wenn ich, Asche auf mein Haupt, kurzzeitig vom Asterixweg abfiel, als ich mit etwa zehn Jahren die Lustigen Taschenbücher für mich entdeckte und, von der idiotischen Annahme ausgehend, man könne nicht von zwei Comics gleichzeitig Fan sein, alle meine bis zu diesem Zeitpunkt gesammelten Asterixhefte an eine Schulfreundin weiterverschenkte, was ich natürlich nicht allzu viel später bereute.

Ich danke dem großen Uderzorix also aus ganzem Herzen dafür, dass er mit seinem Werk bis heute mein Leben bereichert - zum einen, weil ich es bis heute gerne lese, zum anderen, weil es mich maßgeblich zu meinem größten Hobby inspiriert hat! Ob es für ihn ein Leben nach dem Tod gibt oder nicht - mit den Zeugnissen seines unübertroffenen Könnens wird er so oder so noch lange, lange Zeit auf dieser Erde fortbestehen.
Gar nichts erklärt man mir! Ich bin nur da, weil ich so dekorativ bin!

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WeissNix
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Re: Asterix-Zeichner Albert Uderzo ist tot

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Troubadix hat geschrieben:
28. März 2020 17:38
... auch wenn ich, Asche auf mein Haupt, kurzzeitig vom Asterixweg abfiel, als ich mit etwa zehn Jahren die Lustigen Taschenbücher für mich entdeckte und, von der idiotischen Annahme ausgehend, man könne nicht von zwei Comics gleichzeitig Fan sein, alle meine bis zu diesem Zeitpunkt gesammelten Asterixhefte an eine Schulfreundin weiterverschenkte, was ich natürlich nicht allzu viel später bereute.
Ja, als Kind kommt man bisweilen auf die allerdümmsten Ideen... :-D
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Terraix
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Re: Asterix-Zeichner Albert Uderzo ist tot

Beitrag: #Beitrag Terraix »

Die Diskussion um das juristische Für und Wider, die hier so angeregt läuft, ist natürlich völlig legitim, doch frage ich mich, ob dabei vielleicht untergegangen ist, dass sich Anne Goscinny bereits öffentlich zur Zukunft von Asterix geäußert hat.

Von Google Translate übersetzt:

"Jetzt werden Waisen, Asterix und Obelix mit dem Tod von Uderzo sterben?

Nein, Asterix wird nicht mit Uderzo sterben. Er hatte sein drittes Leben im Jahr 2010 begonnen, als Jean-Yves Ferri und Didier Conrad die Charaktere übernommen hatten, um das Abenteuer mit Asterix unter den Picten neu zu starten. Aber ich erinnere mich, dass Albert zu dieser Zeit diese beiden Käufer als eine Art Schutzfigur unterstützt hatte. Er wird jetzt ihr himmlischer Tutor sein ..."

Die Frage ist, würde sie so etwas leichtfertig behaupten, wenn sie es nicht genau wüsste?

Quelle: https://www.lefigaro.fr/culture/anne-go ... o-20200325

Ganzer Artikel übersetzt: https://translate.google.de/translate?s ... o-20200325
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Iwan
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Re: Asterix-Zeichner Albert Uderzo ist tot

Beitrag: #Beitrag Iwan »

Stimmt, Terraix! Ichvermute, wenn die Dame etwas gelernt hat in den letzten Jahren, dann, sich nicht leichtfertig zu äußern. Von da her dürfte diese Wortmeldung schon in irgendeiner Weise abgesprochen sein.
Gott sagte zum Stein: "Und du wirst Feuerwehrmann!" Der Stein sagte: "Nein, dazu bin ich nicht hart genug."

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Comedix
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Re: Asterix-Zeichner Albert Uderzo ist tot

Beitrag: #Beitrag Comedix »

Terraix hat geschrieben:
29. März 2020 11:59
Die Frage ist, würde sie so etwas leichtfertig behaupten, wenn sie es nicht genau wüsste?
Ja, das würde sie. In diesem Unternehmen geht es um sehr, sehr, sehr viel Geld. Und Macht. Und Einfluss. Manchmal forciert man in diesen Kreisen Meldungen, damit sie einem bestimmten Zweck dienen.
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