Sprachbarrieren

Allgemeine Themen, die etwas mit Asterix zu tun haben und Vorstellung aktueller Asterix-Hefte, -Filme und -Produkte.

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Nullnullsix
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Re: Sprachbarrieren

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

Und hier n noch schönerer Zeitraffer:

https://youtu.be/UY9P0QSxlnI?t=115
Eigentlich hätte was passieren müssen, als ich auf den Knopf drückte!
Taugenix
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Re: Sprachbarrieren

Beitrag: #Beitrag Taugenix »

Michael_S. hat geschrieben: 6. Januar 2023 12:16 In Asterix und die Normannen hätte eine Sprachbarriere die Geschichte nur behindert, denn einen Dolmetscher hätte es ja mangels vorherigem Kontakt nicht geben können und nur mit Händen und Füßen lässt sich das komplexe Unterfangen, die Angst kennenzulernen, kaum vermitteln.
Vorherige Kontakte mit Galliern dürfte es schon gegeben haben. Zumindest die Normannen würden dann über gallische Sprachkenntnisse verfügen, selbst wenn sie alle Gesprächspartner anschließend zur Erweiterung ihrer Schädelbechersammlung verarbeiteten. ;-)
Noch im Eismeer fällt die Wahl des Zielortes "zufällig" auf "Gallien". Auch Grautvornix, der verweichlichte Jüngling aus dem fernen Lutetia, kann auf den ersten Blick die heransegelnden Normannen anhand ihres Drachenbootes identifizieren und Alarm schlagen.

Dass die historischen Nordmänner und die heutigen Bewohner der Normandie sich denselben Begriff "Normands" teilen, wird für den Wortspieler Goscinny eine Steilvorlage gewesen sein. Sind viele Eigenheiten der Asterix-Normannen eine Karikatur der modernen Normandiebewohner (immerhin direkte Nachbarn der Bretagne)? Haben die den Ruf, alles zu wissen, sich für die Besten und Fuchtlosesten zu halten, und schauen sie vielleicht sogar auf die Bewohner der Bretagne herunter?

Die unmittelbare Nachbarschaft in Frankreich könnte auch ein Grund gegen eine Sprachbarriere sein. Um die Nordmänner noch näher an die heimischen "Normands" zu rücken.
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Arnd
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Re: Sprachbarrieren

Beitrag: #Beitrag Arnd »

Es stimmt, Norwegen ist wegen der vereisten Landschaft plausibler als Dänemark. Das Norwegische hat ja auch die ø und å.
Taugenix hat geschrieben: 7. Januar 2023 22:29 Dass die historischen Nordmänner und die heutigen Bewohner der Normandie sich denselben Begriff "Normands" teilen, wird für den Wortspieler Goscinny eine Steilvorlage gewesen sein.
Ich meine, das ist die einzige Stelle, wo Frau Penndorf jemals ein französisches Wortspiel in einer Fußnote erklärt hat, statt sich ein eigenes auszudenken.
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Michael_S.
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Re: Sprachbarrieren

Beitrag: #Beitrag Michael_S. »

Taugenix hat geschrieben: 7. Januar 2023 22:29 Vorherige Kontakte mit Galliern dürfte es schon gegeben haben. Zumindest die Normannen würden dann über gallische Sprachkenntnisse verfügen, selbst wenn sie alle Gesprächspartner anschließend zur Erweiterung ihrer Schädelbechersammlung verarbeiteten. ;-)
Noch im Eismeer fällt die Wahl des Zielortes "zufällig" auf "Gallien". Auch Grautvornix, der verweichlichte Jüngling aus dem fernen Lutetia, kann auf den ersten Blick die heransegelnden Normannen anhand ihres Drachenbootes identifizieren und Alarm schlagen.
Sicher, Wissen über die gegenseitige Existenz scheint der Band anzunehmen - auch Majestix weiß ja prinzipiell Bescheid, wer die Normannen sind. Aber allzu tiefgreifend scheinen diese Kenntnisse insbesondere auf Seite der Normannen nicht zu sein, sonst hätten sie von der Furchtlosigkeit der Gallier ja auch schon gehört. Ich denke, dass ist genau der springende Punkt: Wenn es in der Geschichte einen Dolmetscher gäbe, müsste man regelmäßige Kontakte annehmen und dann müssten die Normannen wissen, wie furchtlos die Gallier sind (bzw. können sich "Angst" einfach vom Dolmetscher erklären lassen, wenn es für diesen Begriff keine Übersetzung gibt). Damit entfällt der Grund für die Reise. Also dürfen die Normannen praktisch nichts über die Gallier wissen, während Grautvornix genug über sie wissen muss, um gehörig Angst zu haben - auch sonst hätte die Geschichte nicht funktioniert. So ergibt sich die lustige Konstellation, dass der ängstliche Grautvornix den furchtlosen Normannen Angst machen soll - was aber wiederum nur lustig ist, wenn es am Missverständnis über das Konzept der Angst scheitert und nicht daran, dass sie verschiedene Sprachen sprechen.

Kurzum: Wer hier was über wen weiß und wer wen versteht, ist hier einfach genau so angelegt, wie es für die Geschichte gebraucht wird, ohne allzu große Rücksicht auf Plausibilität.
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WeissNix
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Re: Sprachbarrieren

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Michael_S. hat geschrieben: 8. Januar 2023 13:37 ...während Grautvornix genug über sie wissen muss, um gehörig Angst zu haben...
Typischer Bildungsbürger halt; von allem eine vage Ahnung, ohne wirklich was zu wissen :-D
Michael_S. hat geschrieben: 8. Januar 2023 13:37 Kurzum: Wer hier was über wen weiß und wer wen versteht, ist hier einfach genau so angelegt, wie es für die Geschichte gebraucht wird, ohne allzu große Rücksicht auf Plausibilität.
Eben; und so ist es eben auch in den anderen Bänden mit den vorhandenen oder eben nicht vorhandenen Sprachbarrieren; einfach so hinnehmen und sich durch das Hinterfragen vermeintlicher Widersprüche und möglicher Ungereimtheiten nicht den Spass verderben lassen.
Hören Sie mal, würde es Ihnen was ausmachen, wenn ich jetzt einfach aufgebe und verrückt werde? (Arthur Dent in "Per Anhalter durch die Galaxis" von D. Adams)
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Caius_P
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Re: Sprachbarrieren

Beitrag: #Beitrag Caius_P »

Taugenix hat geschrieben: 7. Januar 2023 22:29 Dass die historischen Nordmänner und die heutigen Bewohner der Normandie sich denselben Begriff "Normands" teilen, wird für den Wortspieler Goscinny eine Steilvorlage gewesen sein. Sind viele Eigenheiten der Asterix-Normannen eine Karikatur der modernen Normandiebewohner (immerhin direkte Nachbarn der Bretagne)? Haben die den Ruf, alles zu wissen, sich für die Besten und Fuchtlosesten zu halten, und schauen sie vielleicht sogar auf die Bewohner der Bretagne herunter?
Die Steilvorlage hat Goscinny in der Tat eifrig genutzt, allerdings nicht in der von Dir angesprochenen Form, sondern hauptsächlich bei Speisen und Getränken:
In der Normandie wird historisch sehr viel Milchwirtschaft betrieben und dementsprechend kennt die regionale Küche sehr viele Speisen "à la crème", was sich wie ein roter Faden durch den Band zieht.
Auch der typisch normannische Calvados wird mehrfach angesprochen, wobei das Wortspiel mit dem "Calva d'os" = Calva im (Schädel-)Knochen auf Deutsch leider verloren geht.
Darüber hinaus bedienen sich die Normannen auch der sprichwörtlichen "réponse de Normand": Im Mittelalter gab es in der Normandie ein Gesetz, dass eine 24-stündige Rücktrittsklausel von Kaufverträgen gewährte. Verträge mit Bewohnern der Normandie galten darum als wenig zuverlässig. Eine Normand-Antwort ist also ausweichend, vage, vielseitig interpretierbar und damit wertlos.
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WeissNix
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Re: Sprachbarrieren

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Caius_P hat geschrieben: 10. Januar 2023 13:26 Darüber hinaus bedienen sich die Normannen auch der sprichwörtlichen "réponse de Normand": Im Mittelalter gab es in der Normandie ein Gesetz, dass eine 24-stündige Rücktrittsklausel von Kaufverträgen gewährte.
Eine Art Vorläufer des heutigen Rücktrittsrechts bei Fernabsatzverträgen? :-D

Mal wieder herzlichen Dank für die Einblicke in einige der Originalwortspielereien Goscinnys.
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Taugenix
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Re: Sprachbarrieren

Beitrag: #Beitrag Taugenix »

Caius_P hat geschrieben: 10. Januar 2023 13:26 In der Normandie wird historisch sehr viel Milchwirtschaft betrieben und dementsprechend kennt die regionale Küche sehr viele Speisen "à la crème", was sich wie ein roter Faden durch den Band zieht.
Auch der typisch normannische Calvados wird mehrfach angesprochen, wobei das Wortspiel mit dem "Calva d'os" = Calva im (Schädel-)Knochen auf Deutsch leider verloren geht.
Danke für die Hintergrundinfo! Die deutschen Übersetzungen scheinen bei kulinarischen Spezialitäten auch da vereinfacht zu sein, wo in der französischen Originalausgabe regionale Herkunftsbezeichnungen stehen. Hatten wir im gerade im Quiz, als es bei der Lösung "um die Wurst" ging. Französischer Text: "Saucisson de Lugdunum", deutsch: "1a Dauerwurst". Allerdings hatten wir in den 1960er/1970er Jahren nicht ansatzweise die riesige Lebensmittelauswahl, wie im heutigen Supermarkt. Da hätten die genauen Begriffe den meisten Lesern nichts gesagt.
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WeissNix
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Re: Sprachbarrieren

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Taugenix hat geschrieben: 10. Januar 2023 19:11 Allerdings hatten wir in den 1960er/1970er Jahren nicht ansatzweise die riesige Lebensmittelauswahl, wie im heutigen Supermarkt. Da hätten die genauen Begriffe den meisten Lesern nichts gesagt.
Und auch kein Internet für die, denen auch mit dem heutigen grossen Lebensmittelangebot manche Lebensmittelbezeichnungen, insb. regionale, nichts sagen... :-D

Coeur de Neufchatel ist ja zB auch keine blumige Umschreibung für eine Liebschaft in einem kleinen Kaff in der Normandie ;-)
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Re: Sprachbarrieren

Beitrag: #Beitrag bdhk »

Taugenix hat geschrieben: 10. Januar 2023 19:11Die deutschen Übersetzungen scheinen bei kulinarischen Spezialitäten auch da vereinfacht zu sein, wo in der französischen Originalausgabe regionale Herkunftsbezeichnungen stehen. Hatten wir im gerade im Quiz, als es bei der Lösung "um die Wurst" ging. Französischer Text: "Saucisson de Lugdunum", deutsch: "1a Dauerwurst". Allerdings hatten wir in den 1960er/1970er Jahren nicht ansatzweise die riesige Lebensmittelauswahl, wie im heutigen Supermarkt. Da hätten die genauen Begriffe den meisten Lesern nichts gesagt.
Gerade mit der Lyoner Wurst hätte das ja sehr gut gepasst. Wie ist das, gab es die zum Zeitpunkt der Übersetzung noch nicht in Deutschland? Zumindest unter dem Namen, denn Fleischwurst/Brühwurst als solche gab es mit Sicherheit.

Übrigens steht in der MV-Version die Wurst gar nicht auf dem Schild der "Gallischen Gaststätte", nur "Erstklassige Weine". Dito in Lupo, Siggi - Kampf um Rom, da sind es am "Germania-Grill" "Weine von Saar Ruwer Mosel". Und heute ist es nur noch "Dauerwurst", ohne "1a".
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Comedix
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Re: Sprachbarrieren

Beitrag: #Beitrag Comedix »

Caius_P hat geschrieben: 10. Januar 2023 13:26 Darüber hinaus bedienen sich die Normannen auch der sprichwörtlichen "réponse de Normand": [...]
Ich habe jetzt dazu kein Beispiel in der deutschen Ausgabe gefunden. Wird das nur im Original thematisiert?
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Caius_P
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Re: Sprachbarrieren

Beitrag: #Beitrag Caius_P »

Ein schneller Blick in Deine tolle Volltextsuche gibt mir S. 47, B. 11 (ohne Bezug zu Duftwasser). Ich muss später mal die Texte an den entsprechenden Stellen in den beiden Sprachen vergleichen, wenn ich zu Hause bin.
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Comedix
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Re: Sprachbarrieren

Beitrag: #Beitrag Comedix »

Caius_P hat geschrieben: 11. Januar 2023 15:29 Ein schneller Blick in Deine tolle Volltextsuche gibt mir S. 47, B. 11 (ohne Bezug zu Duftwasser). Ich muss später mal die Texte an den entsprechenden Stellen in den beiden Sprachen vergleichen, wenn ich zu Hause bin.
Danke.
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Michael_S.
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Re: Sprachbarrieren

Beitrag: #Beitrag Michael_S. »

Comedix hat geschrieben: 11. Januar 2023 15:10
Caius_P hat geschrieben: 10. Januar 2023 13:26 Darüber hinaus bedienen sich die Normannen auch der sprichwörtlichen "réponse de Normand": [...]
Ich habe jetzt dazu kein Beispiel in der deutschen Ausgabe gefunden. Wird das nur im Original thematisiert?
Im vorletzten Bild der Geschichte steht auf Deutsch "Die Antwort war typisch normannisch: Weder ja noch nein". Steht hier vielleicht im Original etwas von einer "réponse de Normand"
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Re: Sprachbarrieren

Beitrag: #Beitrag Taugenix »

Michael_S. hat geschrieben: 11. Januar 2023 19:56 Im vorletzten Bild der Geschichte steht auf Deutsch "Die Antwort war typisch normannisch: Weder ja noch nein". Steht hier vielleicht im Original etwas von einer "réponse de Normand"
Ja, in Baba's Sprechblase (aus den Wellen): "Ils nous ont fait une 'éponse de no'mand" ("Sie haben uns eine Normannische Antwort gegeben").
Die weitergehende deutsche Erklärung war im Original nicht nötig.