Eure Meinung zu Band 40

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Erik
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo,

ich stimme beileibe nicht allem zu, was wirdnix in seiner Rezension geschrieben hat. Aber ich denke mal, auf das Resumee
wirdnix hat geschrieben: 17. November 2023 00:58weder Klassiker noch Altpapier.
werden sich doch die allermeisten hier einigen können. Auch Marcos Schlussatz in seiner Renzension verstehe ich in genau diese Richtung.

Zu dem "Kurzgeschichtenartigen" an dem Album: Ja, das ist da. Beim ersten Lesen habe ich es aber gar nicht so bemerkt. Und das zeigt in meinen Augen, dass der neue Autor die einzelnen Passagen durchaus gut zu einem Ganzen zusammengesetzt hat. Das Gegenbeispiel wäre der Geburtstagsband (Nr. XXXIV), in dem es Uderzo nicht gelungen ist, die vielen Versatzstücke zu einer geschlossenen Geschichte zu formen. Dass es auch in "Iris" trotzdem ein paar "Brüche" oder weniger logische Wendungen gibt, stimmt schon. Aber das war auch bei Goscinny nicht anders. Gerade in den frühen Abenteuern, die tatsächlich auf stückweise Magazin-Erscheinungen ausgerichtet waren, finden sich solche Neuansätze nach jeweils einer oder zwei Seiten des Öfteren. Und wenn man Goscinnys Alben mit dem Logik-Anspruch durchliest, fänden sich diverse Stellen, an denen ich sagen würde: das ist nicht logisch, weshalb handeln die Gallier jetzt so und so. Z.B. in Gladiator, der Abbruch, Troudabix mit Gewalt aus dem Kerker unter dem Circus zu befreien. Die Gefahr durch die dortigen Legionäre ist kaum glaubhaft, wenn sich Asterix und Obelix am Ende des Bandes geradezu lustvoll mit einer Kohorte von Cäsars besten Legionären im Circus Maximus prügeln und sich sogar noch beschweren, dass diese (wovon sie zuvor nicht ausgehen konnten) auf Cäsars Befehl unbewaffnet angreifen sollen. Dass die gewaltsame Befreiung misslingt, ist einfach nötig für die weitere Geschichte; ebenso wie in "Lorbeeren", wo ein gewaltsames Eindringen in den Palast mäßig glaubwürdig ausgeschlossen wird, um die Geschichte zu entwickeln. Ähnlich ist es hier mit Visusversus plötzlichem Entschluss, Gutemine mehr oder minder zu entführen. Die Entführung ist nötig, um eine für Asterix und Obelix lösbare Aufgabe zu schaffen und zugleich Majestix' noch unbekannte Seite entwickeln zu können.

Gruß
Erik
"Alle sollt ihr noch sehen, daß ich habe recht!" (Erik der Blonde, Die große Überfahrt, S. 5)
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Nullnullsix
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

Ich kann meinem Vorredner fast 100%ig zustimmen. Besonders hierzu:
Erik hat geschrieben: 17. November 2023 10:30 (...) Zu dem "Kurzgeschichtenartigen" an dem Album: Ja, das ist da. Beim ersten Lesen habe ich es aber gar nicht so bemerkt. (...) Gerade in den frühen Abenteuern, die tatsächlich auf stückweise Magazin-Erscheinungen ausgerichtet waren, finden sich solche Neuansätze nach jeweils einer oder zwei Seiten des Öfteren. (...)
Mir ging das genauso: Beim ersten Lesen nicht aufgefallen (wie früher auch bei den Goscinny-Bänden nicht), erst wenn mans mit 'analytischem' Blick noch mal liest, kann man ungefähr erkennen, wo die 'Cuts' für die Fortsetzungsfolgen in Pilote damals waren. Nun ist dieser 'Vorveröffentlichungs-Rhythmus' mit den Fortsetzungesfolgen ja seit langem nicht mehr gegeben, insoweit gibt es auch beim neuen Band keine Notwendigkeit, diesem 'Szenen-Rhythmus' zu folgen. Deshalb frage ich mich, ob es nicht Fabcaros Absicht/Rangehensweise war, dass er vielleicht zuerst Goscinnys Asterix-Geschichten genau analysiert hat, die Struktur dahinter herausgearbeitet, damit ein 'Schema' der Geschichten-Konstruktion erkannt und dieses dann angewendet hat. Also das, was Goscinny vielleicht 'intuitiv' gemacht hat, von Fabcaro bewusst so gemacht wurde. Das würde jedenfalls ein Stück weit erklären, warum sich der neue Band (für einige hier) etwas 'konstruiert' 'anfühlt'. - Eventuell ist dieser 'Sequenzen-Rhythmus' aber auch einfach ein weiterer Aspekt, wie Fabcaro dem 'klassischen' Asterix und Goscinny seine Referenz erweisen wollte, es also mit ein Teil der 'Hommage' an die große Zeit der Serie ist (als sie noch in Pilote in zweiseitigen Fortsetzungen lief). Er hat ja in irgendnem Interview gesagt, dass es seine Rangehensweise war, einen Asterix zu schreiben, den er selbst gerne lesen würde - und das bedeutet ja bei den meisten Asterix-Fans ein Album, das viel von dem hat, was die Serie (früher) ausgemacht hat.
Eigentlich hätte was passieren müssen, als ich auf den Knopf drückte!
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WeissNix
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Nullnullsix hat geschrieben: 17. November 2023 20:09 Nun ist dieser 'Vorveröffentlichungs-Rhythmus' mit den Fortsetzungesfolgen ja seit langem nicht mehr gegeben, insoweit gibt es auch beim neuen Band keine Notwendigkeit, diesem 'Szenen-Rhythmus' zu folgen. Deshalb frage ich mich, ob es nicht Fabcaros Absicht/Rangehensweise war, dass er vielleicht zuerst Goscinnys Asterix-Geschichten genau analysiert hat, die Struktur dahinter herausgearbeitet, damit ein 'Schema' der Geschichten-Konstruktion erkannt und dieses dann angewendet hat. Also das, was Goscinny vielleicht 'intuitiv' gemacht hat, von Fabcaro bewusst so gemacht wurde. Das würde jedenfalls ein Stück weit erklären, warum sich der neue Band (für einige hier) etwas 'konstruiert' 'anfühlt'.
Und vielleicht ist dieser "Rhythmus" ja ein Teil dessen, der den "anderen hier" bei Uderzo und noch viel mehr bei Ferri gefehlt hat. Für diese war der "Szenen-Rhythmus" vielleicht dann doch eine "Notwendigkeit" für ein gutes Gefühl bei einem neuen Asterix-Album. Ich hatte ja bei Ferri immer das Gefühl, dass er die Geschichten nicht in sich rund erzählt hatte, und trotz manchem Feuerwerk an Anspielungen und Wortwitz konnten mich seine Alben nie wirklich überzeugen (Papyrus stach für mich etwas heraus wegen der Aktualität des Themas und der überaus gelungenen Schlusspointe).

Band XL ist für mich irgendwie ein bisschen wie ein alter Lieblings-Pulli - man streift ihn über und fühlt sich direkt wohl, während ich mit den meissten Uderzo-Szenarien und auch mit den Ferri-Bänden gefremdelt hatte. Um beim Vergleich zu bleiben: wie ein gestärktes Hemd mit zu engem Kragen.
Hören Sie mal, würde es Ihnen was ausmachen, wenn ich jetzt einfach aufgebe und verrückt werde? (Arthur Dent in "Per Anhalter durch die Galaxis" von D. Adams)
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Michael_S.
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag Michael_S. »

Nullnullsix hat geschrieben: 17. November 2023 20:09
Erik hat geschrieben: 17. November 2023 10:30 (...) Zu dem "Kurzgeschichtenartigen" an dem Album: Ja, das ist da. Beim ersten Lesen habe ich es aber gar nicht so bemerkt. (...) Gerade in den frühen Abenteuern, die tatsächlich auf stückweise Magazin-Erscheinungen ausgerichtet waren, finden sich solche Neuansätze nach jeweils einer oder zwei Seiten des Öfteren. (...)
Mir ging das genauso: Beim ersten Lesen nicht aufgefallen (wie früher auch bei den Goscinny-Bänden nicht)
Spannend, wie unterschiedlich man Asterix-Bände wahrnehmen kann. Mir war das gleich beim ersten Lesen des neuen Bandes positiv aufgefallen, weshalb ich es auch in meiner ersten Rezension hier im Forum direkt lobend erwähnt hatte.
Erik hat geschrieben: 17. November 2023 10:30 Und wenn man Goscinnys Alben mit dem Logik-Anspruch durchliest, fänden sich diverse Stellen, an denen ich sagen würde: das ist nicht logisch
Danke. Sowas lag mir zuletzt hier auch schon auf der Zunge, als über die (Un)Logik der Wendungen diskutiert wurde. Eines meiner Lieblingsbeispiele dafür, dass auch bei Goscinny längst nicht alles genial war ist der Anfang von Asterix in Spanien: Warum sollte ernsthaft jemand auf die Idee kommen, eine Geisel aus einem aufständischen Dorf in Spanien ausgerechnet in einer Garnison beim einzigen aufständischen Dorf in Gallien unterbringen zu wollen?! Das passiert doch nur genau deshalb, weil damit ein Grund für eine Reise geschaffen wird. Und um das noch zu toppen: Die Römer lernen nicht aus ihrem Fehler, sondern bringen in Asterix auf Korsika wieder einen aufständischen Gefangenen dorthin! Das ist nicht nur komplett unlogisch, sondern auch noch billigstes Recycling von Ideen.

Womit ich keineswegs sagen möchte, dass mich das stört. Ich mag beide Bände, insbesondere auch Asterix auf Korsika. Und deshalb stören mich die Wendungen im aktuellen Band auch nicht, zumal sie hier nicht auf ein kollektives Versagen der römischen Staatsmacht hinweisen, sondern sich lediglich als schwer nachvollziehbare Sinneswandel im Kopf von Visusversus abspielen - und das ist dann schon wieder geradezu realistisch, dass Menschen auch mal etwas für Außenstehende völlig unlogisches tun.
Comedix hat geschrieben: 14. November 2023 10:41 Es fehlen mir die augenzwinkerten, feinen Hintergedanken, die sich womöglich nicht schon in der nächsten Sprechblase, sondern erst einige Seiten später auflösen.
Gerade da kann ich beim aktuellen Band auch nicht meckern. Mir hat es da insbesondere Seite 37 in Verbindung mit Seite 42 angetan: Dass Obelix auf Seite 37 den Wagen durch den Stau trägt, um das Abendessen nicht zu verpassen ist zwar ganz nett als Schlusspointe der Seite, aber nicht überragend. Aber die eigentliche Pointe kommt erst auf Seite 42, wo Obelix den Roller genauso trägt (anstatt ihn einfach stehen zu lassen, wenn er ihn nicht benutzen will) und sich fragt, wo nun der Unterschied zu einem normalen Wagen ist. Und wem das noch nicht trickreich genug ist, der blättere zurück auf Seite 36, wo sich einer der Stauteilnehmer über die Roller beschwert, die sich überall durchschlängeln, was Obelix dann ja eine Seite später mit dem Wagen ebenfalls tat. Aber gut, vielleicht finde ich das alles auch nur witzig, weil ich wie Obelix lieber meine eigenen Füße als einen Roller benutze... :-D
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WeissNix
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Michael_S. hat geschrieben: 17. November 2023 21:51 Aber gut, vielleicht finde ich das alles auch nur witzig, weil ich wie Obelix lieber meine eigenen Füße als einen Roller benutze... :-D
Nein, an Deinen Vorlieben bezüglich der Fortbewegungsmittel liegt es nicht - ich finde das nämlich auch alles witzig, obwohl ich alles andere lieber benutze als meine Füsse :-D
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Hedonix
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag Hedonix »

So, nun will ich auch mal meine Meinung zum neuen Band abgeben. Ich bin etwas spät dran, weil ich ihn mir nicht vorbestellt habe und auch nicht am Erscheinungstag extra in die Stadt gefahren bin; ich habe ihn halt einfach bei nächster Gelegenheit gekauft und dann durchgelesen und mein erster Eindruck war „Hm, ja, ganz nett, aber irgendwie kein so richtig großer Wurf“. Dann habe ich hier reingeschaut und gesehen, dass viele von euch den Band sehr loben, und dachte mir, dass ich da wohl was übersehen habe. Ich wartete ein paar Tage und las ihn nochmal, und ja, ich sehe schon, warum er hier gelobt wird. Trotzdem bleibt er für mich irgendwo im Mittelfeld. Bevor ich mich dazu durchringen konnte, das auch zu hier schreiben, hat Comedix sich ähnlich geäußert und ich habe wieder gezögert und meine Sicht nochmal überdacht und den Band ein drittes Mal gelesen. Aber irgendwie bleibt es für mich doch dabei, dass ich „Die weiße Iris“ ziemlich durchschnittlich finde – sogar leicht unterdurchschnittlich. Aber der Reihe nach:

Das zuletzt hier angesprochene episodenhafte, also dass der Band über weite Strecken eine Aneinanderreihung von 1-2-Seiten-Kurzgeschichten ist, fiel mir gleich beim ersten Lesen auf und ich finde das erzählerisch eher schwach. Ich hatte bei manchen Episoden den Eindruck, dass sie bloß wegen eines einzelnen Witzes oder Bildes ins Album genommen waren, das wirkt mir zu konstruiert. An anderen Stellen hätte ich mir ein bis zwei weitere solche Episoden gewünscht, um den Handlungsverlauf, v.a. die Wendungen, besser zu erklären. Letzten Endes ist es wohl eine Geschmacksfrage; mir persönlich gefällt diese Erzählstruktur eben nicht so gut.
Die vielen Anspielungen auf frühere Bände finde ich auch eher übertrieben. Hier und da ist sowas cool, aber in der Menge weckt es keine Begeisterung mehr bei mir. Man kann sich auch zuviel vor einem Original verneigen. Aber das ist natürlich auch wieder Geschmackssache. Manch einer findet es toll, die ganzen Anspielungen zu entdecken, während ich darin eben keinen Reiz sehe und es schade finde, dass solche Episoden reinkamen, während andere, die die handlung besser erklärt hätten, fehlen. Da hätte ich meine Prioritäten einfach anders gesetzt.
Die generelle Handlung finde ich eher wenig spannend, sie erinnert mich doch ziemlich stark an „Streit“ und „Seher“. So gesehen hat sie nicht viel Neues. Natürlich stimmt der Einwand, dass das nach 40 Bänden nicht mehr so leicht ist. Das Konzept ist ja auch nicht schlecht – unsere heutige Art, alles Mögliche (und Unmögliche) zu tolerieren und die eigene Meinung hinterm Berg zu halten, um niemanden zu verletzen, wird sehr schön auf die Schippe genommen (auch, dass dies an den tatsächlichen Verhältnissen nunmal nichts ändert). Aber einer Geschichte, in der alle durch diese Haltung Konflikte vermeiden, fehlt es dann logischerweise auch am Konflikt, weshalb sie doch eher dahinplätschert.
Visusversus‘ Konzept bzw. seine plötzlichen Planänderungen erschließen sich mir deshalb auch nicht so recht. Was erhofft er sich eigentlich? Ursprünglich geht es ja nur darum, die Moral der röm. Truppe zu stärken. Dafür hätte es doch gereicht, wenn die Geschichte sich darauf konzentriert, dass (wie) Visusversus dies mit den Legionären in Babaorum schafft, und als Ergebnis hätte man zeigen können, dass die neue positive Grundhaltung nichts am Ergebnis ändert – die Legionäre werden weiterhin verprügelt! Trotzdem hätte Caesar zufrieden sein können, weil seine Legionäre dies nun ohne Moralverlust hinnehmen. Das wäre so vielleicht zu wenig für ein komplettes Album gewesen, aber es wäre eine runde Geschichte. Wieso Visusversus überhaupt seine Methode zu den Galliern trägt, wieso er dann den Plan wechselt und Gutemine nach Lutetia „überführt“ (als Mischung aus „überreden“ und „entführen“ zu verstehen), all das erscheint mir storymäßig doch etwas schwach auf der Brust zu sein.
Aber vielleicht ist genau das ja Fabcaros „Botschaft“ auf der Metaebene? Dass die von ihm als „Weiße Iris“ karikierte Haltung unserer modernen Gesellschaften eben keine guten Geschichten mehr ermöglicht, weil sie Konflikte und Provokationen vermeidet? Ich vermisse schon länger bei Asterix Gags wie den mit dem „liebenswürdig sein“ im „Legionär“ oder auch (selber Band) „hör auf zu hauen, man versteht ja sein eigenes Klopfen nicht mehr“. Das mag Manchem niveaulos erscheinen, aber mir gefallen solche Sachen nunmal. Wenn jedoch niemand verletzt werden darf (weder konkret noch übertragend gemeint, und wenn „auf die Schippe nehmen“ oder “karikieren“ Manchem auch schon als zu verletzend erscheint), dann wird es halt immer schwieriger, eine Geschichte zu erzählen.
Wenn/falls diese Metaebene tatsächlich in der Geschichte steckt, dann sehe ich da eine Parallele zu „Gallien in Gefahr“, die auf der Metaebene gut und richtig ist, im Album aber eben nicht so gut funktioniert. Aber vielleicht über-interpretiere ich da auch bloß?
Zurück zum Band: Majestix‘ Reaktionen erscheinen mir auch wenig überzeugend. Gutemine besucht ihren Bruder (den er nicht leiden kann), und Majestix interpretiert das als Beziehungskrise – ok, kann man machen. Aber dass er (er! Der alte Kämpe! Der auch mal cholerisch reagiert) deswegen lethargisch wird und nörgelt wie ein Teenager, passt irgendwie nicht so ganz zu ihm, finde ich. Dass er aufbraust, ja. Und dass er (heimlich) weint, auch klar. Aber dass er lustlos „mir egal“ sagt und sich total verschließt, das sehe ich bei ihm einfach nicht.
Der Hinkelsteinwurf aufs Piratenschiff erscheint mir auch etwas weit. Ich stimme zu, dass die Piraten in der Schlussszene mit Visusversus auf der Galeere besser aufgehoben gewesen wären. Allzu tragisch ist dies für mich aber nicht.

Ok, genug genörgelt. Kommen wir zum Positiven:
Dass wohlhabende Gallier auch Sklaven haben, so wie hier z.B. Homöopatix, gefällt mir, weil es realistisch ist. Also eine Art von Realismus, der den Geschichten guttut, wie ich finde. Die Gallier werden so differenzierter dargestellt.
Viele Witze zünden bei mir durchaus – Anspielungen auf die Bahn, die Intellektuellen von Paris, die motivierten Legionäre mit ihren dummen Sprüchen, die Tretroller, der Stau, all das gefällt mir gut!
Die hier mehrfach kritisierte Darstellung Caesars (Frisur!) finde ich zwar auch nicht ideal, aber „stören“ tut sie mich nicht.
Auch im Dorf finde ich Vieles putzig, z.B. der betont nette Umgang zwischen Automatix und Verleihnix und dass Verleihnix sich wundert, ob das Fehlen der Fliegen kein Qualitätsmangel ist bzw. auf einen hinweist. Die Reaktionen auf Trouibadix' Konzert sind auch sehr schön.
Miraculix tritt sehr dezent auf, aber er stand schon öfter im Mittelpunkt, da ist es durchaus ok, ihn mal etwas zurücktreten zu lassen. Das gleiche gilt für Idefix, der ja inzwischen ohnehin seine eigene Serie hat. Dafür bekommt Majestix hier mehr Raum, das ist auch schön.
Die Darstellung Gutemines gefällt mir sehr – sowohl charakterlich als auch zeichnerisch ist sie sehr gelungen, sehr differenziert, dabei sehr überzeugend. Sie ist die heimliche Hauptfigur, und dabei gibt sie eine wirklich gute Figur ab. Schön!

In der Summe ist der neue Band also schon ganz nett und hat einige Stärken, aber genial oder „endlich mal wieder ein toller Band“, das trifft es m.M.n. nicht. Für mich landet „Die weiße Iris“ irgendwo im Mittelfeld, vielleicht sogar im hinteren. Das neue Album ist sichtlich anders als die Bände von Ferry, aber ob es deswegen "besser" ist, scheint mir doch stark eine Geschmacksfrage zu sein. Wenn ich es bewerten oder gar "benoten" sollte, würde es in der Summe letztendlich wohl knapp unter dem Durchschnitt der Ferry-Bände liegen.
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WeissNix
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Hedonix hat geschrieben: 18. November 2023 08:18 ...unsere heutige Art, alles Mögliche (und Unmögliche) zu tolerieren und die eigene Meinung hinterm Berg zu halten, um niemanden zu verletzen, wird sehr schön auf die Schippe genommen (auch, dass dies an den tatsächlichen Verhältnissen nunmal nichts ändert). Aber einer Geschichte, in der alle durch diese Haltung Konflikte vermeiden, fehlt es dann logischerweise auch am Konflikt, weshalb sie doch eher dahinplätschert.
Das ist doch gerade der Konflikt - mit der Konfliktlosigkeit nämlich.

Hedonix hat geschrieben: 18. November 2023 08:18Visusversus‘ Konzept bzw. seine plötzlichen Planänderungen erschließen sich mir deshalb auch nicht so recht. Was erhofft er sich eigentlich? Ursprünglich geht es ja nur darum, die Moral der röm. Truppe zu stärken. Dafür hätte es doch gereicht, wenn die Geschichte sich darauf konzentriert, dass (wie) Visusversus dies mit den Legionären in Babaorum schafft, und als Ergebnis hätte man zeigen können, dass die neue positive Grundhaltung nichts am Ergebnis ändert – die Legionäre werden weiterhin verprügelt! Trotzdem hätte Caesar zufrieden sein können, weil seine Legionäre dies nun ohne Moralverlust hinnehmen. Das wäre so vielleicht zu wenig für ein komplettes Album gewesen, aber es wäre eine runde Geschichte. Wieso Visusversus überhaupt seine Methode zu den Galliern trägt...
Die Idee kam ihm ja auch eher spontan - und er ist eben von seiner Methode anfangs so überzeugt, dass er ihr alles zutraut: Aus kampfesmüden legionären wieder Kampfmaschinen zu machen, und aus aggressiven Galliern zarte Lämmchen. Das antike Pendant zu einer "feministischen Aussenpolitik", wenn man so will. :comedix:

Hedonix hat geschrieben: 18. November 2023 08:18...wieso er dann den Plan wechselt und Gutemine nach Lutetia „überführt“ (als Mischung aus „überreden“ und „entführen“ zu verstehen), all das erscheint mir storymäßig doch etwas schwach auf der Brust zu sein.
Wie so oft bei "Asterix" kommt den Antagonisten eben immer eben dieser in die Quere.

Hedonix hat geschrieben: 18. November 2023 08:18 ...Aber dass er (er! Der alte Kämpe! Der auch mal cholerisch reagiert) deswegen lethargisch wird und nörgelt wie ein Teenager, passt irgendwie nicht so ganz zu ihm, finde ich. Dass er aufbraust, ja. Und dass er (heimlich) weint, auch klar. Aber dass er lustlos „mir egal“ sagt und sich total verschließt, das sehe ich bei ihm einfach nicht.
Und genau das zeigt doch die Folge einer Indoktrination wie durch die "weisse Iris" - dass sie den trotz aller Schwächen liebgewonnen Charakter eines Menschen völlig auf den Kopf stellen kann.

Hedonix hat geschrieben: 18. November 2023 08:18Für mich landet „Die weiße Iris“ irgendwo im Mittelfeld, vielleicht sogar im hinteren. Das neue Album ist sichtlich anders als die Bände von Ferry, aber ob es deswegen "besser" ist, scheint mir doch stark eine Geschmacksfrage zu sein. Wenn ich es bewerten oder gar "benoten" sollte, würde es in der Summe letztendlich wohl knapp unter dem Durchschnitt der Ferry-Bände liegen.
Ja, es gibt ja auch durchaus Leute, denen gefallen viele Uderzo-Szenarien oder auch einige von Ferri besser als einige von Goscinny. Fabcaro ist mE aber nah an denen, die nach wie vor Goscinny nachtrauern und (endlich) wieder Teile seiner "Handschrift" in dem Band entdecken konnten (hatte ich zB damals ansatzweise in "Odyssee", nachdem "Graben" für mich eine herbe Entäuschung war - nur um dann in Folge mit ein, zwei Beinahe-Ausnahmen wieder regelmässig enttäuscht zu werden).
Sicher ist die Geschichte nicht wirklich innovativ, bedient aber meine nostalgische Ader dafür bestens, und wie ich finde auf durchaus hohem Niveau, das eben auch meinen Humor meisstens trifft.

De gustibus non disputandum, wie der Pirat Einbein jetzt wohl konstatieren würde...
Hören Sie mal, würde es Ihnen was ausmachen, wenn ich jetzt einfach aufgebe und verrückt werde? (Arthur Dent in "Per Anhalter durch die Galaxis" von D. Adams)
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo Hedonix,
Hedonix hat geschrieben: 18. November 2023 08:18Die vielen Anspielungen auf frühere Bände finde ich auch eher übertrieben. Hier und da ist sowas cool, aber in der Menge weckt es keine Begeisterung mehr bei mir. Man kann sich auch zuviel vor einem Original verneigen. Aber das ist natürlich auch wieder Geschmackssache. Manch einer findet es toll, die ganzen Anspielungen zu entdecken, während ich darin eben keinen Reiz sehe und es schade finde, dass solche Episoden reinkamen, während andere, die die handlung besser erklärt hätten, fehlen. Da hätte ich meine Prioritäten einfach anders gesetzt.
darin stimme ich zu. Ein paar Bezugnahmen oder Anspielungen auf frühere Bände finde ich durchaus gut. Das zeigt, dass die Gallier nicht alles vergessen, was sie erlebt haben, sondern auch Verknüpfungen herstellen. Wenn aber schon gewesene Szenen allzu häufig "kopiert" oder in neuem Gewandt wiedergebracht werden, ist das eine zweischneidige Sache. Handelt es sich um einen Running Gag (Abstürze von Majestix, "Die spinnen, die ..." von Obelix, Helmchen-Spiel etc.), ist das natürlich völlig in Ordnung. Auch sonst kann eine Reminiszenz an eine bestimmte Szene aus einem vorherigen Band durchaus bereichernd sein. Aber wenn das Überhand nimmt, erweckt es den Eindruck der Kopie eines Originals oder auch zu weniger eigener Ideen. Und mir waren es in diesem Band auch ein paar zu viele Déjà-Vus. Das hat mich nicht so wahnsinnig gestört. Aber in der Tendenz wäre hier weniger eher mehr gewesen.
Hedonix hat geschrieben: 18. November 2023 08:18Visusversus‘ Konzept bzw. seine plötzlichen Planänderungen erschließen sich mir deshalb auch nicht so recht. Was erhofft er sich eigentlich? Ursprünglich geht es ja nur darum, die Moral der röm. Truppe zu stärken. Dafür hätte es doch gereicht, wenn die Geschichte sich darauf konzentriert, dass (wie) Visusversus dies mit den Legionären in Babaorum schafft, und als Ergebnis hätte man zeigen können, dass die neue positive Grundhaltung nichts am Ergebnis ändert – die Legionäre werden weiterhin verprügelt! Trotzdem hätte Caesar zufrieden sein können, weil seine Legionäre dies nun ohne Moralverlust hinnehmen. Das wäre so vielleicht zu wenig für ein komplettes Album gewesen, aber es wäre eine runde Geschichte. Wieso Visusversus überhaupt seine Methode zu den Galliern trägt, wieso er dann den Plan wechselt und Gutemine nach Lutetia „überführt“ (als Mischung aus „überreden“ und „entführen“ zu verstehen), all das erscheint mir storymäßig doch etwas schwach auf der Brust zu sein.
So wie ich Visusversus verstehe, geht es ihm wder um die Legionäre noch um die Gallier. Er ist Medicus und arbeitet an seiner Methode schon lange. Diese möchte er in die Tat umsetzen und das bedeutet, möglichst viele - am besten alle - Menschen damit zu "beglücken". Was sein Motiv dahinter ist, bleibt dunkel. Es mag eine innere Überzeugung sein, dass ein Leben nach seiner Methode für die Menschen besser ist, es mag Egozentrik sein, dass alle "nach seiner Pfeife tanzen" sollen, oder auch Machtgier, falls er die Beeinflussung möglichst vieler Menschen als Mittel sieht, sie seinen Lehren unterzuordnen, so dass er sich in führender Position befindet.

Jedenfalls aber scheint doch Cäsar für ihn zunächst nur Mittel zum Zweck zu sein. Er dient in Cäsars Armee als oberster Medicus. Also wendet er sich an Cäsar, um den Auftrag zu bekommen, seine Methode bzw. Lehre zu verbreiten und anzuwenden. Davon verspricht er sich sicherlich eine Verbreitung derselben, die er anders nicht erreichen könnte. Die Situation der mangelnden Moral der Legionäre kommt ihm da zufällig gelegen, deshalb preist er seine Methode als Lösung, um die Legionäre wieder unter Kontrolle zu bringen. Wären es aufständische Sklaven, hätte er die Methode vielleicht als Lösung hierfür angeboten und sich aussenden lassen, den Sklaven mit seiner Methode die Erfüllung, welche in der Dienstbarkeit gegenüber ihren Herren liegt, beizubringen.

Dass Cäsar ihm dann gleich im Misserfolgsfall die Hinrichtung im Zirkus androht, setzt ihn natürlich zusätzlich unter Druck.

Bei den Galliern wendet er seine Methode an, weil nach seinem Ansatz eben alle Menschen, nicht nur die Legionäre nach seiner Lehre leben sollten. Er will damit in seinem Sinne beeinflussen. Die Legionäre beeinflusst er dahin, trotz der Angst, besiegt zu werden, anzugreifen oder diese Angst zu überwinden. Die Gallier beeinflusst er, weniger wachsam zu sein und vielleicht auch, der Anwesenhet der Legionäre in ihrer Umgebung gegenüber toleranter. Letztlich mag es sein Ziel gewesen sein, sie soweit zu beeinflussen, dass sie keinen Zaubertrank mehr trinken oder dass sie die römische Herrschaft als gewünschten Fortschritt akzeptieren und sich assimilieren. Da er diesen Plan nicht zuende führen kann, weil die Beeinflussung nicht bei allen so gut klappt, wie er dachte, erfahren wir sein Endziel nicht. Der Ausgangspunkt ist aber, alle Menschen mit seiner Lehre beeinflussbar - und für seine Einflüsterungen zugänglich - zu machen. In gewisser Weise kann er wohl auch gar nicht anbders, weil auch er ein Gefangener seiner eigenen Denkweisen ist (das sieht man ja am Ende auf der Galeere).

Den Plan wechselt er dann, weil er eben bemerkt hat, dass es zuviele Zweifler im Drof gibt (auch der Seher Lügfix hatte diesen Moment, als er sich entschied, auf einer Lichtung im Wald zu bleiben und sich Asterix und Obelix auf Distanz zu halten). Als Gutemine ihm dann von ihrer Sehnsucht, nach Lutetia zu gehen, erzählt hat, kam ihm der neue Gedanke, seine Methode bei ihr - bei der die Beeinflussung besonders gut wirkte - dahin anzuwenden, dass er sie Cäsar zuführt. Damit hätte er diesem bewiesen, dass er mit der Methode Erfolge hervorbringt, indem er ihm eine Unbeugsame als Geisel verschafft, und wäre damit einerseits dem Tod im Circus entgangen und hätte andererseits vielleicht sogar die Gelegenheit erhalten, seine Methode weitflächiger in den von Cäsar beherrschten Bereichen (z.B. seinen Legionen) zu verbreiten.

Verstehen kann ich das soweit schon, meine ich. Ob es überzeugend ist, ist dann wieder eine andere Frage. Und ob es deutlich genug hervortritt, ist eine noch andere. Das ist sicher nicht immer der Fall.
Hedonix hat geschrieben: 18. November 2023 08:18Zurück zum Band: Majestix‘ Reaktionen erscheinen mir auch wenig überzeugend. Gutemine besucht ihren Bruder (den er nicht leiden kann), und Majestix interpretiert das als Beziehungskrise – ok, kann man machen.
Na, sie will ja schon etwas mehr als nur ihren Bruder besuchen. Ihr zurückgelassener Zettel ist ja schon soetwas wie eine Trennung auf Zeit. Sie braucht Abstand von ihm. Zwar kündigt sie ihre Rückkehr an, aber für wann und ob sie sich in Lutetia nicht doch anders entscheidet, bleibt für ihn ja offen. Dass er das - auch nach dem "Vorspiel" - als einschneidende Krise in der Ehe erlebt, finde ich überaus verständlich.
Hedonix hat geschrieben: 18. November 2023 08:18Aber dass er (er! Der alte Kämpe! Der auch mal cholerisch reagiert) deswegen lethargisch wird und nörgelt wie ein Teenager, passt irgendwie nicht so ganz zu ihm, finde ich. Dass er aufbraust, ja. Und dass er (heimlich) weint, auch klar. Aber dass er lustlos „mir egal“ sagt und sich total verschließt, das sehe ich bei ihm einfach nicht.
Naja, in genau so einer für ihn emotionalen Ausnahmesituation haben wir ihn ja noch nie gesehen. Nicht so ganz unähnlich hat er sich aber ja in "Belgier" verhalten, wo er die ganze Reise über gegrummelt hat, weil er sich über das Unverständnis gegenüber der tiefen Kränkung seines Stammes durch Julius Cäsar verärgert zeigen wollte. Dass er sich also auch für geraume Zeit zurückziehen und "schmollen" kann, ist nichts so ganz Neues. Hier ist es natürlich noch mal stärker überzeichnet. Und auch ich finde das z.T. ein Bißchen übertrieben. Aber einen Bruch oder, dass er jetzt völlig "out-of-character" dargestellt wäre, sehe ich nicht.
Hedonix hat geschrieben: 18. November 2023 08:18Dass wohlhabende Gallier auch Sklaven haben, so wie hier z.B. Homöopatix, gefällt mir, weil es realistisch ist. Also eine Art von Realismus, der den Geschichten guttut, wie ich finde. Die Gallier werden so differenzierter dargestellt.
Ja, das ist aber auch schon seit "Der Kampf der Häuptlinge" angelegt, wo dargestellt wird, dass es zwei Arten von Galliern gibt, jene, die weiter so leben wollen, wie bisher und jene, die sich anpassen und als Gallo-Römer verstehen. Zu letzteren gehört Augenblix, aber eben auch Homöopathix. Dass er wie ein wohlhabender Römer Sklaven hält, ist nur logisch. Die Frage, ob auch die Gallier, die ihre Romaisierung (noch) ablehnen, Sklaven halten, bleibt dabei offen. Historisch gesehen war das sicherlich der Fall.
Hedonix hat geschrieben: 18. November 2023 08:18Für mich landet „Die weiße Iris“ irgendwo im Mittelfeld, vielleicht sogar im hinteren. Das neue Album ist sichtlich anders als die Bände von Ferry, aber ob es deswegen "besser" ist, scheint mir doch stark eine Geschmacksfrage zu sein. Wenn ich es bewerten oder gar "benoten" sollte, würde es in der Summe letztendlich wohl knapp unter dem Durchschnitt der Ferry-Bände liegen.
Für meine Bewertung der Asterx-Bände vertragen sich schon die beiden Aussagen nicht. Ein Band der unter dem Durchschnitt der Ferri-Bände liegt, wäre für mich nicht im Mittelfeld, sondern ziemlich am unteren Ende der Reihe angesiedelt. Allerdings gefällt mir der neue Band besser als jeder einzelne Ferri-Band, aber weniger gut als jeder Goscinny-Band. Ich würde ihn etwa in der Mitte, vielleicht auch im oberen Bereich der Uderzo-Bände (das sind ja nicht so viele) einordnen. Mit "Der Sohn des Asterix" oder "Der große Graben" kann er vielleicht so gerade mithalten, "Asterix und Latriaviata" überflügelt er hingegen. "Asterix und Maestria" könnte so seine Liga sein; vielleicht toppt er den sogar noch ein wenig - nach meiner Wertung.

Gruß
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Comedix
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag Comedix »

Ich kann den Bezügen zu früheren Abenteuern durchaus etwas abgewinnen. Diese Bezüge haben für mich eine unterschiedliche Qualität. Beispielsweise der Dialog zu etwas, das die Dorfbewohner so richtig wachrüttle:

Obelix: "Ein Hinkelsteinwurf?"
Asterix: "Nein, das hatten wir schon..."

Das finde ich wirklich gut, weil hier ein Bezug verwendet wird, der für erfahrene Leser Erinnerungen weckt und für Gelegenheitsleser ein versteckter Gag ist. Gleichzeitig ist es ein schöner Nachweis, dass die Dorfbewohner durchaus lernfähig sind. Auch der Fakt, dass Verleihnix erwähnt, dass er seine Fische in Lutetia bezieht, ist ein Bezug auf Die große Überfahrt. So etwas gefällt mir.

Der Bezug zu Die Lorbeeren des Cäsar kommt mit dem Besuch bei Homöopatix in Lutetia praktisch von selbst. Der explizite Hinweis auf die Geschichte hätte nicht sein müssen, aber gerade wir dürfen nicht vergessen, dass die meisten anderen Menschen außerhalb unserer Asterix-Blase u.U. gar nicht wissen, welche anderen Geschichten es gibt oder sie mal vor 30 Jahren gelesen haben.

Ja, und so viele andere Bezüge gibt es dann auch nicht, dass es mich stören würde.
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag Hedonix »

So wie ihr erschließe ich mir Visusversus' Motivation ja auch. Aber ich finde es nicht so gelungen, dass man sich das dermaßen erschließen muss. Die Handlungsmotive des Antagonisten sind ja ein wichtiger Teil der Handlung, und an deren Erläuterung hat Fabcaro meines Erachtens etwas zuviel gespart. Den Platz, den er mit diesen Einsparungen gewonnen hat, hat er für andere sachen genutzt, von denen einige gute Gags oder schöne Anspielungen waren, aber andere waren auch nicht so gelungen, und die hätte man durchaus für ein oder zwei Seiten zusätzliche Erläuterung weglassen können.
Ok, klar, damit würde jetzt die Diskussion anfangen, welche man hätte rausnehmen können und welche unbedingt drinbleiben sollten. Ist wie gesagt Geschmackssache und ich will da auch gar kein Fass aufmachen. Mir wären eben einfach ein paar mehr Erläuterungen lieber gewesen. Dafür hätte er auch gerne seine 1-2-Seiten-Abschnitt-Struktur aufweichen dürfen und auch mal über 'ne halbe gehen können. Wir wissen ja alle, dass man auch mit halben Platten weit kommen kann :-D
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Erik
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo Marco,
Comedix hat geschrieben: 18. November 2023 22:06Ja, und so viele andere Bezüge gibt es dann auch nicht, dass es mich stören würde.
dann verstehst Du den Begriff "Bezugnahmen" wohl enger als ich ihn oben meinte. Ich schließe darin vor allem Szenen ein, die in sehr ähnlicher Weise schon einmal in einem Asterix-Abenteuer aufgetaucht sind, so dass man den Eindruck einer Wiederholung hat bzw. haben kann.

Z.B.
- Seite 5: Brutus, der am Tisch der Cäsar-Berater sitzt und von Cäsar mit "mein Sohn" angesprochen wird, wobei eine gewisse, unterschwellige Maßregelung durchklingt,
- Seite 10: Der Einkauf von Fischen und Amboss durch den Antagonisten, um Verleihnix und Automatix auf seine Seite zu bringen, ohne an den Waren interessiert zu sein (schon in "Geschenk" gesehen),
- Seite 29: annachronistische Nachbildung eines Schnellzugs (vgl. "Olympiade in Lutetia"),
- Seiten 30 ff.: während einer Reise verstimmt grummelnder Majestix,
- Seite 33: Die Piraten werden durch einen von Obelix zu weit geworfenen Stein versenkt,
- Seite 37: Obelix trägt sein Transportmittel (schon in "Tour", "Odyssee", "Italien" gesehen),
- Seite 38: Museumsbesuch mit anachronistischer Darstellung einer Vielzahl von antiken wie modernen Kunstwerken, die teils bereits von Uderzo umgesetzt wurden,
- Seite 44: Obelix hat Lampenfieber vor großem Theater (schon in "Lorbeeren" und insbesondere "Kupferkessel" gesehen).

Wie gesagt, nichts davon ist für sich genommen schlecht oder gar vom Teufel. Es ist in diesem Band nur eben sehr viel schon mal Gesehenes. Der Eindruck wird verstärkt dadurch, dass Visusversus und die Art seiner Bedrohung schon für sich genommen ja sehr nah an Destructivus sind. Dort führte jedes seiner Worte zu Streit und die Sprechblasen wurden grün, hier führt fast jeder von Visusversus' Aussprüchen zu einem "Umdenken" und die Aussprüche der "positiv Denkenden" werden kursiv. Diese Nähe und die vielen bekannten Zutaten wecken ein wenig den Eindruck, der Autor habe ein "Best-of" seiner Lieblingsbände kreieren wollen und eben keine - bzw. in zu geringem Maße eine - innovative neue Geschichte erdacht.

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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Hedonix hat geschrieben: 19. November 2023 08:38 Wir wissen ja alle, dass man auch mit halben Platten weit kommen kann :-D
Wobei man sich dann aber wieder für die Verschnaufpausen zwischen zwei halben Platten rechtfertigen muss... irgendwas ist ja immer :-D
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag Comedix »

Erik hat geschrieben: 19. November 2023 12:18 dann verstehst Du den Begriff "Bezugnahmen" wohl enger als ich ihn oben meinte. Ich schließe darin vor allem Szenen ein, die in sehr ähnlicher Weise schon einmal in einem Asterix-Abenteuer aufgetaucht sind, so dass man den Eindruck einer Wiederholung hat bzw. haben kann.
Verstehe. In deiner Aufzählung sind es dann doch einige Wiederholungen und wir wissen ja, wie Lateiner auf Wiederholungen reagieren. Vielleicht hat man deshalb das wunderbare Wort "Reminiszenz" erfunden. Womöglich ist es eine Verbeugung von Fabcaro an die Arbeit von Goscinny.
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag wirdnix »

Hedonix hat geschrieben: 18. November 2023 08:18
Das zuletzt hier angesprochene episodenhafte, also dass der Band über weite Strecken eine Aneinanderreihung von 1-2-Seiten-Kurzgeschichten ist, fiel mir gleich beim ersten Lesen auf und ich finde das erzählerisch eher schwach. Ich hatte bei manchen Episoden den Eindruck, dass sie bloß wegen eines einzelnen Witzes oder Bildes ins Album genommen waren, das wirkt mir zu konstruiert. An anderen Stellen hätte ich mir ein bis zwei weitere solche Episoden gewünscht, um den Handlungsverlauf, v.a. die Wendungen, besser zu erklären. Letzten Endes ist es wohl eine Geschmacksfrage; mir persönlich gefällt diese Erzählstruktur eben nicht so gut.
Die vielen Anspielungen auf frühere Bände finde ich auch eher übertrieben. Hier und da ist sowas cool, aber in der Menge weckt es keine Begeisterung mehr bei mir. Man kann sich auch zuviel vor einem Original verneigen.
Im Grossen und Ganzen stimme ich der Meinung von Hedonix überein. Mir ist allerdings die Machart mit den Kurzgeschichten erst beim 2ten Lesen und durch eine andere Rezension aufgefallen. So wie es Hedonix es hier auch beschreibt, hätte vermutlich die ein oder andere Kurzgeschichte, die dann möglicherweise herausgekürzt wurde der Handlung mehr Klarheit gebracht. So zumindest meine wohlwollende Interpretation, meine bereits genannte "Wäscheleinen-Theorie".
Passe ich das Lesetempo entsprechend an, indem es z.B. eine pro Woche erschienene Kurzgeschichte gegeben hätte, dann wären die "einzelnen Witze oder Bilder" wieder sehr nett zu konsumieren sein. Dann kann Fabcaro auch gerne hier und da frühere Bände zitieren, ohne dass es zu aufgesetzt wirkt.
Für mich biedert sich aber Fabcaro mit seinen so geballten Verweisen und Einbeziehen der alten Bände ein stückweit bzw zu sehr an, dass er darstellen möchte wie gut er Asterix kennt und gerne weitermachen möchte.

Auch denke ich, dass wir heutzutage viel zu kritisch auf jedes Detail achten und ja genau, es auch schon früher viele Sprünge und Ungereimtheiten gegeben hat, die aber hingenommen wurden.
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

wirdnix hat geschrieben: 19. November 2023 15:44Für mich biedert sich aber Fabcaro mit seinen so geballten Verweisen und Einbeziehen der alten Bände ein stückweit bzw zu sehr an, dass er darstellen möchte wie gut er Asterix kennt und gerne weitermachen möchte.
Ich denke, Ihr vergesst bei der Kritik der vielen Anspielungen, dass wir es hier mit Band XL und immerhin einem runden Jubiläum zu tun haben. Solche runden Zahlen sind immer Anlass, in verklärter Nostalgie zurückzublicken - warum denn nicht auch hier?
Mir hat das gerade gefallen und mich einige eher miese und viele allenfalls mittelmässige Bände dazwischen vergessen lassen.
wirdnix hat geschrieben: 19. November 2023 15:44Auch denke ich, dass wir heutzutage viel zu kritisch auf jedes Detail achten und ja genau, es auch schon früher viele Sprünge und Ungereimtheiten gegeben hat, die aber hingenommen wurden.
d'accord!
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