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Hessisch babbele mit de gallische Buzztrupp

von Ralf Euler aus: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24. Februar 2002

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"Beim heilige Bembel!" Asterix und Obelix sind Helden und Lehrmeister einer "Sprach- und Lebenshilfe Hessisch" - der idealen Ergänzung zu den bisher vier Dialekt-Comicbänden.

"Was en Rotz!" mag sich so mancher denken, der zum erstenmal versucht, "hessisch" zu babbele. Und selbst "Eigeplackte" tun sich schwer mit der Sprache, wie sie zwischen Main und Rhein, Werra und Weser gepflegt wird. Dabei sind die Regeln für Aussprache und Grammatik nicht sehr zahlreich. "Hessisch babbele iss gar net so schwer", meint denn auch der Autor einer "Sprach- und Lebenshilfe Hessisch", die der Berliner Egmont Ehapa Verlag unter dem Titel "Die habbe en Dubbe, die Hesse" ("Die spinnen, die Hessen") im Juni 2002 veröffentlichte.

Als Lehrmeister agieren zwei Haudegen, die einschlägige Erfahrungen bei der Verteidigung von Minderheitsrechten vorweisen können: Asterix und Obelix, die beiden Vorzeige-Gallier aus dem "klaa Kaff", das nicht aufhört, den Römern Widerstand zu leisten.

Seit 1997 sind vier von inzwischen 31 Asterix-und-Obelix-Bänden auf hessisch erschienen: Asterix bei den Olympischen Spielen ("Fix un ferdisch"), Asterix und Kleopatra ("Asterix un es Zuckerschnecksche"), Obelix auf großer Fahrt ("Ruff un runner") sowie Der große Graben ("Hibbe un dribbe"). Die Nachfrage nach in Dialekt gefaßten Abenteuern der beiden Gallier ist nach Angaben von Sibylle Schneider vom Egmont Ehapa Verlag "riesengroß". Von Plattdeutsch über Fränkisch, Kölsch, Hessisch, Sächsisch und Bayrisch bis Berlinerisch seien inzwischen alle Mundart-Regionen abgegrast. Die hessischen Versionen gehören nach Verlagsangaben mit bisher 240 000 verkauften Exemplaren zu den erfolgreichsten Bänden.

Tatsächlich ist die hessische Übersetzung in vielen Fällen noch witziger als die hochdeutsche - aber eben nicht für jeden genauso leicht verständlich. Deshalb sollen nun Asterix und seine Buzztrupp den Lesern nicht nur die Sprache, sondern auch die Eigentümlichkeiten, Bräuche und hervorstechendsten Eigenschaften der Hessen näherbringen. Die Sprach- und Lebenshilfe - mit Gastbeiträgen von Bodo Bach, den Rodgau Monotones, Heinz Schenk und Harald Schmidt - wieder Schneider zufolge der erste einer ganzen Reihe von geplanten Mundart-Anleitungen mit den schlagkräftigen Galliern sein.

Die "Hesse" sind nämlich nicht nur rund um Frankfurt daheim, man kennt sie auf der ganzen Welt: von Goethe bis zum Struwwelpeter, von der Frankfurter Schule bis zu den Hesselbachs, von Heinz Schenk bis Badesalz. Das Land des Ebbelwei, des Handkäs' mit Musik, von Rippchen und Kraut, die Heimat der Eintracht. "Mir sin doch Hesse", verkündet Asterix deshalb voller Stolz. Und weil es "Hessisch" eigentlich gar nicht gibt, sondern zwischen Darmstadt und Kassel eine Fülle von Unterdialekten gesprochen wird, erhebt der Verfasser des Almanachs, der Frankfurter Jürgen Leber, denn auch nur den Anspruch "Allerweltshessisch" zu vermitteln.

Typisch sei zum Beispiel die Verdoppelung von Konsonanten wie in Babba, Babbedeckel, runnerzuus oder drübbergebreddert. Aus ch werde of sch: Aschebescher, Sprüscheklobber, Stöffsche schlabbern. Zentrale grammatische Regel: "De Dativ iss dem Genitiv sein Tod". Statt Fischers Fritze heißt es richtig "De Fischers ihrn Fritz", oder, wenn man mit de Fischers selber babbeln täte, "Ihne Ihr Fritz".

Wer den 62 Seiten umfassenden Schnellkursus absolviert hat, wird keine Schwierigkeiten mehr haben, sich in im Land der Hessen angemessenen Idiom verständlich zu machen. Er wird wissen, wie sich die Ur-Hessen begrüßen, verabschieden und nach dem werten Befinden ihres Gesprächspartners erkundigen ("Guude" oder, wie bei besonders gesprächigen Exemplaren der Spezies Homo Sapiens Hessiensis, "Ei guude, wie"), wird eine Vorstellung vom Lieblingsgericht (Handkäs mit Musik natürlich) und dem wichtigsten Getränk der Hessen (Ebbelwei, was sonst) haben. Und wenn der so Fortgebildete mal etwas zuviel Stöffsche geschlabbert hat, sich dabbisch und zu wie e Handbrems haamzus macht und gegen dieses und jenes dewedderdozzt, dann wird de Briehpump wisse, daß er uffpasse muß, denn sonst gibbts von de Mamma was uff de Horschlappe un es wird zappeduster.

Kommt es dann doch ganz dicke: Schimpfen auf hessisch ist besonders einfach. Schier unerschöpflich scheint die Vielfalt "beeser Wörter": von Dabbes (ungeschickter Mensch) über Fettassel (beleibter Mann), Hahnebambel (Hampelmann), Muffekopp (Angsthase) und Simbel (einfach gestrickter Mensch) bis zum Wutzebobbes (Schinken im Urzustand) darf alles als Replik herhalten. Statt "Beim Teutates" fluchen Asterix und Co. in der hessischen Version des erfolgscomics "Beim heilige Bembel", und der kleine Gallier muß sich verdächtigen lassen, "en nasse Käs im Säckel" zu haben.

Trinkfreudig sind übrigens beide Völkchen: die Hessen wie die Gallier. Beim traditionellen Gelage auf der letzten Seite der Asterix-Bände singen die hessischen Gallier das berüchtigte Zecherständchen: "Wer hobbelt so spät dursch Nacht und Gewidder - des iss de Babba, der holt noch en Lidder!"


 
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