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Asterix und der Greif - Band XXXIX

Egmont Ehapa Media Verlag

Mit seiner fünften Gemeinschaftsarbeit setzt das Autorenduo Jean-Yves Ferri und Didier Conrad das Werk von René Goscinny und Albert Uderzo fort, die das Asterix-Universum vor über 60 Jahren erschufen. Dieser 39. Band der Reihe verspricht wieder ein spannendes Abenteuer zu werden! Wie es die Tradition verlangt, gehen unsere Freunde im neuen Album erneut auf Reisen. Während Asterix und Obelix eine Partie Gallier-Schach spielen, schreckt der Druide Miraculix, der wohl gerade eingenickt war, plötzlich hoch und verkündet, dass ein alter Freund dringend seine Hilfe benötigt. Doch wer ist dieser Freund und weshalb benötigt er Hilfe? Und wohin führt uns die Reise und worum geht es?

Asterix bei den SarmatenWas für eine Landschaft! Wilde, ursprüngliche und eisige Steppen, so weit das Auge reicht, aus denen hier und da furchteinflößende Totems mit Greifen emporragen. Nur die unzähligen römischen Legionäre trüben den Anblick. Wo haben die sich denn hin verirrt, beim Jupiter? Um das herauszufinden, solltet Ihr am besten gleich in Eure Fellstiefel schlüpfen, die gefütterte Tunika überstreifen und Euch mit den Galliern auf die Suche machen – nach einem der rätselhaftesten und gefährlichsten Wesen: dem Greif!

Szenerist Jean-Yves Ferri verrät uns etwas mehr darüber: "Wir haben ein mythologisches Tierwesen in den Mittelpunkt des Abenteuers gestellt. Dabei fiel meine Wahl auf den Greif: Halb Adler, halb Löwe und mit den Ohren eines Pferdes - ein durch und durch rätselhaftes Geschöpf!"

Eine Expedition ins Reich der ... Sarmaten! Im Westen Europas: Rom und seine Zivilisation, wo alles in mehr oder weniger geregelten Bahnen verläuft. (Auch wenn ein gallisches Dorf dem Eindringling noch immer Widerstand leistet!) Wer waren die Sarmaten? (aus Asterix – Vox Populi : Antike Völker, antike Sitten (erscheint im April 2022 in der Egmont Comic Collection): Die Sarmaten sind ein Nomadenvolk, das erstmals im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung von Herodot erwähnt wurde. Sie waren ein kriegerisches Volk, ausgezeichnete Reiter und beherrschten zu Beginn unserer Zeitrechnung die Steppen vom Ural bis zur Donau.

Bereits im Album Asterix in Italien (2017) sind sie auf einigen Paneln zu bewundern (als sie mit ihrem Streitwagen und zahlreichen anderen Völkern zum großen Rennen antreten). Die Sarmaten, die in der Steppe lebten, verbündeten sich im Kampf gegen die Perser zunächst mit ihren skythischen Nachbarn. Im 2. Jahrhundert v. Chr. besiegten und verdrängten sie dann auch die Skythen und beherrschten fortan einen Teil Mitteleuropas. Heute berufen sich sowohl die Polen als auch die Russen auf ihre "sarmatischen" Wurzeln.

Die Sarmaten standen den Skythen nicht nur kulturell und linguistisch nahe. Sowohl das Sarmatische als auch das Skythische sind indoiranische Sprachen. Bei beiden Völkern spielte auch die Gleichberechtigung eine wichtige Rolle. Ihre Frauen kleideten sich wie die Männer und zogen bewaffnet und mit wilder Entschlossenheit in den Kampf. Auf sie geht der Mythos um die Amazonen zurück, wie ihn Herodot beschrieb.

Politisch und militärisch spielten die Sarmaten eine bedeutende Rolle in Ost- und Mitteleuropa. Auch in Bezug auf den kulturellen Austausch, den technischen Fortschritt, den Handel und die Kriegsführung waren sie wichtige Akteure. Die Römer bewunderten die Reit- und Kriegskunst der Sarmaten (die Kosaken stehen ganz in dieser Tradition der berittenen Kavallerie) und heuerten einige von ihnen als Söldner an. Die sarmatischen Reiterinnen sind sogar auf der Trajanssäule verewigt, die im Jahre 113 n. Chr. in Rom eingeweiht wurde. Hundert Jahre später, im 2. Jahrhundert, wurden die Sarmaten, Frauen wie Männer, von den Goten unterworfen, rächten sich jedoch, indem sie sich später den Hunnen anschlossen.

Die Sarmaten waren ein Nomadenvolk, das vom 7. Jh. v. Chr. bis zum 6. Jh. n. Chr. nördlich des Schwarzen Meeres lebte. Sie verdrängten die Skythen in der Ukraine, besiedelten die ungarische Tiefebene und beherrschten sämtliche Steppen zwischen Ural und Donau. Damit sind sie die Vorfahren der Slawen.

Drei Fragen an den Szenaristen Jean-Yves Ferri

Warum hast du für das 39. Asterix-Album ausgerechnet diesen Landstrich ausgewählt?

Ich wollte die Handlung in einem fiktiven Gebiet ansiedeln, eine Art "Amazonenreich". Daher entschied ich mich auch für die Region zwischen Russland, der Mongolei und Kasachstan. Nach dem, was ich gelesen habe, lag das Gebiet der Sarmaten tatsächlich sehr weit in Richtung Ural bzw. Altai. In diesen abgelegenen Gegenden wurden Gräber von Kriegerinnen entdeckt. Der griechische Dichter Aristeas von Proconnes, der um 600 v. Chr. lebte, berichtet über diese mythischen Regionen und die "Amazonen", die laut ihm irgendwo dort lebten.

Das brachte mich auf die Idee, es ihm gleichzutun und für meine Amazonen ein sarmatisches Gebiet zu erfinden, das im Altai liegt und dessen Kultur um Jurten und Schamanen kreist.

Was hat Sie an diesem Volk fasziniert? Wie und wo haben Sie recherchiert?

Es gibt einige Bücher über die Sarmaten (z. B. die von Laroslav Lebedynsky). Aber es ging nicht darum, ein historisch korrektes Bild zu zeichnen. Es sollte eher so etwas wie ein imaginäres Syldavien sein. Es hat Spaß gemacht, sich eine ganze Region samt ihrer Traditionen und Kulte auszudenken. Es ist ein gewisser Bruch mit der Tradition der Reihe, denn Asterix bereist normalerweise real existierende Länder. Das verleiht dem Ganzen eine märchenhafte Atmosphäre, die sehr gut zu der vermeintlichen Anwesenheit eines fantastischen Tieres passt. In der Geschichte wird übrigens erklärt, warum sich dieser Greif so weit im Osten aufhält!

Für die Kulisse haben Didier und ich uns von der winterlichen Landschaft des Altai inspirieren lassen, die aus Steppen und kleinen verschneiten Bergen mit Lärchenwäldern besteht, die von Bächen und kleinen Seen durchzogen werden. Auch die Filme Eine größere Welt (2019) und Hüter der mongolischen Pferde (2019) haben mir dabei geholfen, die richtige Atmosphäre für dieses Abenteuer zu kreieren.

Ja, aber … wie passt der Greif zu alledem?

Der Greif im Album ist das Totemtier des Schamanen. Hier zeigt sich ein bisschen die Ignoranz der Römer und die weltfremde Vorstellung, die sie sich von der Tierwelt in der noch unerforschten Gegend machen. Obwohl er den Körper eines Löwen und den Kopf eines Adlers haben soll, erscheint ihnen die Existenz des Greifs zunächst nicht fantastischer als die der Giraffe oder des Nashorns. Doch je weiter sie in das Barbaricum vordringen, desto mehr Zweifel kommen ihnen. Was, wenn der Greif in Wahrheit ein mächtiger Naturgott ist? Da gerät ihr Eroberungsgeist plötzlich ins Wanken ...

Zumal Asterix und Obelix (und natürlich Idefix!) den Sarmaten zur Hilfe eilen und den Römern wie immer das Leben noch schwerer machen!

Fragen an den Zeichner Didier Conrad

Da bist du also unter die Eastern-Zeichner gegangen, zumindest für die Dauer eines Albums ...

Ganz genau! Im neuen Album findet man die klassischen Elemente des Westerns: weitläufige Landschaften; die Helden, die von weit her kommen, um den Unschuldigen zu helfen; die "Wilden", die von einer Armee erobert werden sollen ... nur eben im Osten statt im Westen!

Wie zeichnet man einen Eastern?

Das ist ganz einfach! Man braucht nur eine atemberaubende Kulisse, ein großes Abenteuer, ein bisschen Action auf dem Pferd und eine lebensfeindliche Umgebung. Asterix schlägt sich hier ganz klar auf die Seite der Einheimischen. Er eilt im Galopp herbei, um seine neuen Freunde zu retten und ihr Totemtier zu beschützen: den Greif. In dem Panel, das oben auf dieser Seite abgebildet ist, dreht sich alles um die Bewegung. Ein bisschen Humor ist auch dabei: Scheinbar findet Obelix, dass es schneller geht, wenn er die Rollen von Pferd und Reiter vertauscht!

Was hat dich an diesem Abenteuer besonders gereizt?

Bei Western denkt man sofort an unendliche Weiten und ursprüngliche Landschaften. Wenn man sich alte Filme von John Ford oder Howard Hawkes ansieht, fallen sie einem sofort ins Auge. Man ist einfach überwältigt von diesen idyllischen Naturaufnahmen. Für mich als Zeichner war das eine echte Herausforderung: Wie kann ich diesen Filmen gerecht werden, die ich seit meiner Kindheit liebe, wie kann ich die Symbolik des Wilden Westens würdig wiedergeben, wenn die Kulisse zwar so traumhaft wie die des Grand Canyon ist. Nur eben ohne den Grand Canyon!

Jedenfalls hoffe ich, dass es mir gelungen ist, diese großen Gefühle aufs Papier zu bringen, die ein klassischer Western beim Zuschauer auslöst.

Pressetext Egmont Ehapa Media

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