Ist Asterix rassistisch?

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Brando1988
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Re: Ist Asterix rassistisch?

Beitrag: #Beitrag Brando1988 »

@Nullnullsix
Das erstaunt mich. Dann solltest du eigentlich gut genug vertraut sein mit den parodistischen Elementen in LL. Selbst wenn ich die Parodien auf die "großen Westernlegenden" oder die Parodien auf den berühmten "American Was Of Life" ignoriere, sehe ich allein an der Grundhaltung der Comics die Parodie. So wie ich es auch bei Asterix sehe.

Ric
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WeissNix
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Re: Ist Asterix rassistisch?

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Parodistische Elemente streitet ja keiner ab; deshalb muss es aber nicht zur Gänze eine Parodie sein, denn dazu gibt es ja in nahezu jedem Band durchaus faktenbasierte Elemente wie zB reale Vorbilder vieler Protagonisten oder auch solche im Hinblick auf die - auch zivilisatorische - Erschliessung des Westens der heutigen USA.

Muss denn alles immer unbedingt in irgendeine Schublade gesteckt werden?
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Brando1988
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Re: Ist Asterix rassistisch?

Beitrag: #Beitrag Brando1988 »

WeissNix hat geschrieben: 16. September 2021 22:59 Parodistische Elemente streitet ja keiner ab; deshalb muss es aber nicht zur Gänze eine Parodie sein, denn dazu gibt es ja in nahezu jedem Band durchaus faktenbasierte Elemente wie zB reale Vorbilder vieler Protagonisten oder auch solche im Hinblick auf die - auch zivilisatorische - Erschliessung des Westens der heutigen USA.
Und genau das ist eben einer der Gründe warum LL für mich eine Parodie ist. Die realen Vorbilder oder Umfelder, deren legendäres Werk/Geschichte zum größten Teil ordentlich auf die Schippe genommen wird.
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WeissNix
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Re: Ist Asterix rassistisch?

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Wie gesagt, ich steck nicht alles in Schubladen. Ob diverse Charaktere nun Parodien der realen Vorbilder sind oder nur als Aufhänger amüsanter Geschichten dienen, ist mir völlig wurscht, solange es eine gute Story ist, die für eine Lacher taugt. Wahrscheinlich ist es über die gesamte Reihe gesehen beides, in allen Facetten.
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Brando1988
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Re: Ist Asterix rassistisch?

Beitrag: #Beitrag Brando1988 »

Eine Parodie des Western allgemein. Und das ist es definitiv. Billy The Kid tauchte schon zur Zeit des wilden Westens in so vielen sensationellen Geschichten auf, hätte der die alle selbst erlebt hätte er über 100 Jahre alt werden müssen. So war es mit den meisten Legenden aus der Zeit. Die saßen irgendwo auf ihrer Farm und lachten über die Duelle vor der Kirche, die sie angeblich erlebt haben sollen.

Westernfilme zählen natürlich auch dazu. Und auch da wird sich bei Lucky Luke über jedes Klischee lustig gemacht. Vom Steppenroller bis zur tropfenden Schweißperle beim Duell.
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Comedix
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Re: Ist Asterix rassistisch?

Beitrag: #Beitrag Comedix »

Zurück zum Thema für (das LL-Thema gerne einen neuen Thread öffnen. Ich verschiebe eure Beiträge dann dort hin):

Politsch-korrekte 'Moralisten' wollen auch Asterix und Obelix verbieten lassen
Asterix, der Kolonialismus und der Deutschlandfunk

"Eine gute Serie zeichnet sich dadurch aus, dass sie verschieden gelesen werden kann. Nach der Biographie René Goscinnys kann man die Gallier auch als Außenseiter lesen, die sich ständig behaupten und um ihre Existenz als Volk kämpfen müssen.
Eine andere Lesart wäre eine europäische Version der US amerikanischen Superhelden, denn Goscinny, Morris und die anderen Frankobelgier waren große US Comicsfans, wenn nicht auch US Fans."

Ich empfehle diese Arte Doku (Deutsch) zu Goscinny.
Deutsches Asterix Archiv: https://www.comedix.de
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WeissNix
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Re: Ist Asterix rassistisch?

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Aus dem zweiten Link stammt folgender erster Satz nach dem header:

"In einem auf der Internetseite des Deutschlandfunks erschienen[en] Text hat der Autor Florian Werner versucht, Asterix neu zu lesen. Man wünscht sich, er hätte es gelassen."

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen!


Und ein Kommentar unter dem ersten verlinkten Artikel konstatiert:

"Die spinnen, die Politisch-Korrekten!"

Was ich persönlich aber in "Die spinnen, die Politisch-Überkorrekten!" abändern würde, denn:
Ein bisschen Obacht im (sprachlichen) Umgang miteinander hat noch keinem geschadet! Nur übertreiben muss man es eben auch nicht.
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Nullnullsix
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Re: Ist Asterix rassistisch?

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

Brando1988 hat geschrieben: 16. September 2021 20:56 @Nullnullsix
Das erstaunt mich. Dann solltest du eigentlich gut genug vertraut sein mit den parodistischen Elementen in LL. Selbst wenn ich die Parodien auf die "großen Westernlegenden" oder die Parodien auf den berühmten "American Was Of Life" ignoriere, sehe ich allein an der Grundhaltung der Comics die Parodie. So wie ich es auch bei Asterix sehe.

Ric
Mir deucht, Du kannst oder willst mich nicht verstehen.
Und mir deucht, wir gehen von zwei unterschiedlichen Begriffsverständnissen von 'Parodie' aus. Ich hatte es bereits schon mal ganz zu Beginn verlinkt, hier noch mal der Link zum konkreten Posting, in dem der Auszug aus dem Comic-Jahrbuch-Artikel zitiert ist, in dem u.a. auf eben diese unterschiedlichen Begriffsbedeutungen eingegangen wird: https://www.comicforum.de/showthread.ph ... ost2792373
Das ist die Auffassung der Authoren. Ich neige dazu, ihnen zu folgen, wenn auch vielleicht nicht 100%ig.
Letztlich sehe ich aber durchaus -wie Affolter und Hangarter, beide sicherlich auch Leute, die wissen, wovon sie schreiben- einen diesbezüglichen Unterschied zwischen Asterix und Lucky Luke.
Eigentlich hätte was passieren müssen, als ich auf den Knopf drückte!
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Nullnullsix
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Re: Ist Asterix rassistisch?

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

Brando1988 hat geschrieben: 16. September 2021 23:36 (...) Und auch da wird sich bei Lucky Luke über jedes Klischee lustig gemacht. (...)
Kann man so sehen, ja. Aber man kann es auch so sehen, dass sich eben nicht über jedes Klischee lustig gemacht wird, sondern 'nur' jedes Klischee lustig dargestellt wird. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Vielleicht auch abhängig vom Betrachter. Aber dieser Unterschied macht eben aus, ob's ne Parodie ist oder nicht.

Und weil Billy the Kid erwähnt wurde: Der in Lucky Luke hat nun wirklich wenig mit dem realen und/oder aus anderen Western (Liedern, Filmen, Geschichten, Comics...) bekannten 'Revolverhelden' zu tun. Der reale bekam den Beinamen 'the Kid' weil er relativ jung war (und auch nicht viel älter wurde, afaik). Bei Lucky Luke hat man ihm nun nur aufgrund dieses Beinamens 'frei assoziierend' jede Menge 'kindische' Eigenschaften (Bonbons, Tobsuchtsanfälle wenn er seinen Willen nicht bekommt, Daumenlutschen, Vorliebe für Geschichten, die gefälligst gut auszugehen haben...) zugeschrieben, die weder mit dem realen, noch mit dem legendären Billy irgendwas zu tun haben. Das ist im Ergebnis lustig, aber nicht parodistisch.
Eigentlich hätte was passieren müssen, als ich auf den Knopf drückte!
Medienmix
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Re: Ist Asterix rassistisch?

Beitrag: #Beitrag Medienmix »

Um noch einmal auf diesen doch eher eigenartigen Beitrag über Asterix im Deutschlandfunk zurückzukommen: Hier gibt es noch eine ausführliche Replik, die mir durchaus lesenswert scheint:

https://textundsubjekt.wordpress.com/20 ... en-geburt/
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WeissNix
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Re: Ist Asterix rassistisch?

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Danke für den Link auf eine fast perfekte Replik auf ein unsägliches Pamphlet. Fast Perfekt? Ja,...

...denn wenn in der Replik (siehe Link in Post https://www.comedix.de/pinboard/viewtop ... 537#p67537) konstatiert wird:
"Wenn derselbe Horizont ein klein wenig weiter wäre (und über die Versatzstücke der cultural-studies-Debatten hinausginge), dann wüsste er, dass das realgeschichtliche „Reich“, das Gallien bis vor kurzem noch besetzt hatte, genauer: bis 1944, und gegen das Asterix und Obelix ab 1961, in nachträglicher Wunscherfüllung, Widerstand leisten, seinen Hauptsitz nicht in Rom, sondern in genau der Stadt hatte, aus der Dr. Werner kommt." (Hervorhebung in Fettsatz von mir),
dann wird ein entscheidender Fehler dieses Pamphlets nicht etwa korrigiert, sondern durch Wiederholung eher noch manifestiert.

"Asterix der Gallier" erschien erstmals als Fortsetzungsserie in Pilote bereits im Jahre 1959 (genauer: ab 29.10.1959) und nicht erst 1961. Bis 1961 waren bis auf die Komoren (laut Wikipedia) die französischen Kolonien in Afrika bereits allesamt unabhängig, der von Werner unterstellte südlich des Mittelmeeres "tobende Kampf " war also eigentlich schon ausgefochten und vorbei, als die Reihe erstmals publiziert wurde, und mit der ersten Albenveröffentlichung 1961 war der Drops dann nicht nur gelutscht, sondern bereits verdaut.
bis repetita non placent!
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