Rassismus als Running Gag?

Allgemeine Themen, die etwas mit Asterix zu tun haben und Vorstellung aktueller Asterix-Hefte, -Filme und -Produkte.

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RaptorX
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Re: Rassismus als Running Gag?

Beitrag: #Beitrag RaptorX »

WeissNix hat geschrieben: 19. April 2020 19:39 Wie sollte ich, wo Du Dich seit vier Seiten gernau an derartigen Überzeichnungen abarbeitest?
Nachdem ich hier erfahren habe, dass Einzelbetrachtungen im Asterix-Universum kaum möglich sind, erschließt sich der Gesamtüberblick erst beim "Abarbeiten" von sämtlichen Comicbänden und Filmen. Das führt (leider) zu gewissen Beobachtungen.
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Michael_S.
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Re: Rassismus als Running Gag?

Beitrag: #Beitrag Michael_S. »

RaptorX hat geschrieben: 19. April 2020 14:13 Nach meiner Auffassung wird das Leopardenfell aber nicht benutzt, um eine Volksgruppe optisch zu positionieren. Der Band Asterix in Italien (2017) zeigt aber zwei Frauen beim Wagenrennen. Diese sollen aus einem Königreich in Ägypten stammen. Bisher nicht verwerflich. Gleiches Leopardenfell wird aber auch für weitere Schwarze genutzt (bei Asterix in den Anfangsjahren; der finalen Szene in Band 38, demnach nicht nur bei Asterix in Italien).
Die Felle der Windfächerer sind auch keineswegs pompös oder gar beeindruckend wie bei den Römern dargestellt (Schwanz und sehr enges Höschen). Stammen all die Schwarzen aus dem selben Königreich? Das bezweifle ich stark.
Eigentlich doch. Das Asterix-Universum kannte als Volksbezeichnung für Dunkelhäutige (egal ob im Leopardenfell oder wie im Falle von Baba ohne ein solches) bis Band 37 nur die Bezeichnung "Numid(i)er". In sofern ist die Darstellung tatsächlich stereotyp für genau ein Volk/Reich. Dass in Band 37 dann eine weitere Herkunftsbezeichnung (nämlich eben das Königreich Kusch) eingeführt wurde, die ohne weitere Erklärung diesen Stereotyp übernimmt, wurde beim Erscheinen des Bandes durchaus irritiert von den Lesern bemerkt. Leider haben uns die neuen Autoren bisher im Dunkeln gelassen, was sie weiter mit diesem Königreich vorhaben, genauso wie uns die alten Autoren nicht weiter darüber aufgeklärt haben, wie sie sich das Numidische Reich überhaupt vorstellen. Von daher kann es durchaus sein, dass das Königreich Kusch ein Teil des Numidischen Reiches ist (dann wäre die Darstellung innerhalb des Asterix-Universum konsistent) und früher oder später weitere Gegenden mit dunkelhäutigen Bewohnern hinzukommen, die einen anderen Stereotyp in der Kleidung bekommen. Genauso gut kann es natürlich sein, dass die neuen Autoren einfallslos und naiv sind und deshalb einen heute eher unangemessen wirkenden Stereotyp unreflektiert weiterverwendet und in einen neuen Kontext gesetzt haben. Für eine solcher Beurteilung ist es aber zumindest mir noch zu früh.
RaptorX hat geschrieben: 19. April 2020 18:41 Und ja, Kindern fällt sehr wohl eine Verbindung gewisser Darstellungen bei Gruppen auf. Brestimmte Personengruppen tragen Lippenstift, was sie in einer Lächerlichkeit zeigt.
Meinem Kind würde ich dann zwei Dinge erklären: Erstens sind gruppenbezogene Darstellungen ein typisches Stilmittel des Comics und zweitens gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen "lustig" und "lächerlich". Dass jemand einen Mann mit Lippenstift lustig finden mag, gestehe ich jedem zu, aber lächerlich (= nur noch zur Belustigung seiner Umgebung wert) darf man einen Menschen deshalb nicht finden. Der Wert einer Person bemisst sich nie nach ihrer Äußerlichkeit - weder im realen Leben, noch im Comic. Da vermutlich niemand in dieser Runde hier seinen Kindern beibringt, dass dunkelhäutige Menschen minderwertig sind, dürfte auch keines unserer Kinder auf die Idee kommen, dass sie es doch sind, nur weil sie in den Asterix-Comics rote Lippen haben. Da sind wir als Eltern eben in der Pflicht, Aufklärungsarbeit zu leisten und mögliche Interpretationen zu diskutieren.
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Re: Rassismus als Running Gag?

Beitrag: #Beitrag RaptorX »

Michael_S. hat geschrieben: 19. April 2020 20:16Da sind wir als Eltern eben in der Pflicht, Aufklärungsarbeit zu leisten und mögliche Interpretationen zu diskutieren.
Aufklärungsarbeit/Diskussion/Interpretation- das klingt beinahe nach verantwortungsvollem Handeln. Also nicht "drucktechnische Gründe" vorschieben, um jede Art der Konfrontation zu umgehen? Eltern sprechen mit Kindern darüber. Der nächste Schritt wäre dann wohl, wenn Eltern auch mit Eltern diskutieren und interpretieren können. Das scheint hier nur mit vereinzelten Ausnahmen sinnvoll möglich zu sein ohne direkt selbst als Rassist eingestuft zu werden. Die intensive Beschäftigung mit einem Thema, um fundiert zu argumentieren, löst direkt Verdachtsmomente aus. Motto: Aufklärungsarbeit ja, aber bitte nicht zu viel und am besten irgendwo anders.
Michael_S. hat geschrieben: 19. April 2020 20:16 Dass in Band 37 dann eine weitere Herkunftsbezeichnung (nämlich eben das Königreich Kusch) eingeführt wurde, die ohne weitere Erklärung diesen Stereotyp übernimmt, wurde beim Erscheinen des Bandes durchaus irritiert von den Lesern bemerkt. Leider haben uns die neuen Autoren bisher im Dunkeln gelassen, was sie weiter mit diesem Königreich vorhaben, genauso wie uns die alten Autoren nicht weiter darüber aufgeklärt haben, wie sie sich das Numidische Reich überhaupt vorstellen.
Aufklärung!? Das Wort taucht hier schon wieder auf! Ich wüsste auch gerne, ob die Leopardenkleidung zu diesem Reich gehört und weshalb Schwarze ausschließlich unterwürfig gezeigt werden. Nach 60 Jahren grenzwertiger Darstellungen von Schwarzen in Fellen wäre es vorteilhaft zu erfahren. Vielleicht wurde über 60 Jahre lang nur zu voreilig interpretiert und die neuen Autoren fügen jetzt alles schlüssig zusammen. Wie ich hier erfahren habe, ist nur die Einzelbetrachtung rassistisch. Sofern sich alles logisch in das Universum einfügt, gibt es keinen Rassismus mehr. Selbstverständlich kann die Aufklärung auch erst nach 60 Jahren nachgereicht werden. Alles muss historisch korrekt sein! Eine metaphorische Transferleistung auf die Gegenwart kann nicht erbracht werden.
Das Königreich wird vermutlich sehr viele Leoparden haben, weniger groß in der Anzahl ist Wildschwein. Oder manche Schwarze teilen sich ein Leopardenfell, manch einer trägt wenig am Leib. Die Hüte mit Federn erhalten sie erst von den Römern. Alles nur Interpretation.

Michael_S. hat geschrieben: 19. April 2020 20:16Genauso gut kann es natürlich sein, dass die neuen Autoren einfallslos und naiv sind und deshalb einen heute eher unangemessen wirkenden Stereotyp unreflektiert weiterverwendet und in einen neuen Kontext gesetzt haben. Für eine solcher Beurteilung ist es aber zumindest mir noch zu früh.
Ja, besser noch abwarten. Vielleicht dauert es nochmal 60 Jahre bis ein drittes Autorenduo das Geheimnis aufdeckt.
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Re: Rassismus als Running Gag?

Beitrag: #Beitrag Michael_S. »

Klingt irgendwo nach einem ironischen Schlusswort. Anscheinend sind alle inhaltlichen Argumente ausgetauscht. Schade eigentlich. Ich hatte zwischendurch durchaus die Erwartung, dass hinter diesem Thread mehr steckt als der Versuch, im Überschwang der vermeintlichen Erkenntnis Asterix den Rassismus-Stempel aufzudrücken. Aber wenn es tatsächlich nur darum geht, in einer über 50 Jahre alten Comic-Serie die quasi zwangsläufig existierenden, veralteten Stereotypen aufzuspüren und einem neuen Autoren-Duo vorzuwerfen, diese nicht schnell genug über Bord geworfen zu haben, dann bin ich hier wohl auch raus. Das mit dem Stempel funktioniert bei so ziemlich jedem Werk. Die differenzierte Analyse, bei der sich manches anders darstellen könnte, als es auf den ersten Blick scheint, finde ich persönlich spannender, aber das ist natürlich Geschmackssache.
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Re: Rassismus als Running Gag?

Beitrag: #Beitrag Comedix »

Hallo,

ich finde das Thema sehr spannend und ich würde mir tatsächlich auch mehr als nur Meinungen wünschen, damit sich die Diskussion weiterentwickelt. Was sagt die Forschung zu diesem Thema? Wie gehen Autoren damit um? Und was sagen überhaupt die Betroffenen dazu - also die POC (People of Color)? Man kann sowohl einen rassistischen Ansatz dieser Stereotypen erkennen als auch Argumente finden, warum diese so dargestellt werden, zumal die Asterix-Comics auch einen geschichtlichen Ansatz haben und die Zeichnungen Herrschende und Beherrschte entsprechend darstellen und pointieren. Spannend wäre auch die Frage, wie sich Asterix entsprechend den heute geltenden Werten und Normen anpassen könnte ohne seinen Charakter zu verlieren.

Oft übernehmen Menschen die Diskussionen, die selbst gar nicht den Blickwinkel einnehmen können, weil sie nicht Teil dieser Gruppe sind. Vereinzelt wird diese Vereinnahmung schon als rassistisch empfunden. Das sind alles Themen, die das Thema Rassismus berühren und hier im Zusammenhang erörtert werden können.

Bitte vermeidet jedoch Mutmaßungen über die Beteiligten und verkneift euch Unterstellungen, auch zwischen den Zeilen.

Gruß,
Marco
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Re: Rassismus als Running Gag?

Beitrag: #Beitrag RaptorX »

Michael_S. hat geschrieben: 20. April 2020 13:50 Anscheinend sind alle inhaltlichen Argumente ausgetauscht. Schade eigentlich. Ich hatte zwischendurch durchaus die Erwartung, dass hinter diesem Thread mehr steckt als der Versuch, im Überschwang der vermeintlichen Erkenntnis Asterix den Rassismus-Stempel aufzudrücken. Das mit dem Stempel funktioniert bei so ziemlich jedem Werk. Die differenzierte Analyse, bei der sich manches anders darstellen könnte, als es auf den ersten Blick scheint, finde ich persönlich spannender, aber das ist natürlich Geschmackssache.
Und ich dachte zwischendurch, dass hier Leute unterwegs sind, die Rassismus nicht permanent versuchen wollen, schön zu reden und abzuschwächen. Überschwang? Ein User sagte es bereits: Das Thema Rassismus bei Asterix existiert seit Jahren!

Ich habe einige Freunde dunkelhäutiger Erscheinung, kann mich demnach in die Lage versetzen und spreche nicht von außerhalb.

Nochmal: Die Asterix-Reihe ist ein Spiegel aktueller politische Geschehnisse. Deshalb treten viele Gegenwartspersonen darin auf. Deshalb sind auch die Darstellungen der Schwarzen sehr kritisch zu sehen. Asterix hat nur rein per Kulisse einen Geschichtsbezug.

Und auch nochmal: Heutige Generationen erleben zuallererst Asterix mit den neuen Heften. Die Einzelbeobachtung eines Heftes oder Films muss möglich sein. Oder sind Comics immer noch Medien für einen "elitären" Kreis von Hardcore-Fans der ersten Stunde?! Es scheint so. Ja, diese verteidigen alle Darstellungen bis aufs Blut. Eine Distanz zum Werk ist leider nicht möglich. Selbst nach Aneignen des Gesamtwerks aller Bände und Filme wird unterstellt, die Meinung sei überhastet.
Die Reihe kann Rassismusprobleme haben und trotzdem weiterhin gelesen werden. Aber teilweise kommentiert, wie bereits vorgeschlagen. Disney+ und Warner Bros. haben erste Versuche dahingehend gestartet.

Es gibt bereits seit Jahren wissenschaftliche Forschung dazu (ein Beispiel für eine Publikation, darin wird Asterix mehrfach in Kapiteln analysiert):

Buchtitel: Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics
https://www.comicgesellschaft.de/2011/1 ... in-comics/
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Re: Rassismus als Running Gag?

Beitrag: #Beitrag Comedix »

Danke, dass du das Werk verlinkst. Das zitierte Buch zeigt meines Erachtens sehr gut auf, dass die Sichtweise desjenigen, der mutmaßlich Rassismus oder Antisemitismus aufzeigen möchte, durch seine eigene Meinung beschränkt wird, als dass die Asterix-Autoren diese Intention gehabt hätten.

Mir ist zum Beispiel schleiferhaft, wie man in der Darstellung des Sehers "ein Beispiel des „Ewigen Juden“ – mit Jakobsstab, krummer Nase und Fellbekleidung" sehen könnte, wie es die Autorin Regina Schleicher im Buch getan hat. Ein anderes Beispiel für die eingeschränkte Sichtweise sind auch die Beispiele "Der Hitler-Code auf dem Kinderkarussell" und "Hakenkreuz-Karussell sorgt für Aufregung". Ideologisch eingeschränkt sind da eher diejenigen, die darin Zeichen eines auferstehenden Nationalsozialismus sehen und die Behörden einschalten. Ich möchte keinem der hier in der Diskussion beteiligen Personen ideologisch eingeschränkte Sichtweisen unterstellen. Ich möchte darauf hinweisen, dass die als rassistisch bezeichneten Situationen und unglücklichen Darstellungen auch eine Intention des Urhebers bedingen.

Was man jedoch mit deinen Hinweisen erreichen könnte, ist, die Darstellungen in den zukünftigen Geschichten dahingehend näher zu betrachten und bereits bspw. im Vorwege auf in Felle gekleidete Numiden zu verzichten.

Gruß,
Marco
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Re: Rassismus als Running Gag?

Beitrag: #Beitrag Michael_S. »

RaptorX hat geschrieben: 20. April 2020 15:04 Überschwang? Ein User sagte es bereits: Das Thema Rassismus bei Asterix existiert seit Jahren!
Dann habe ich dich wohl missverstanden als du schriebst, der Tod von Uderzo im März hätte deinen Blick nach Jahren der Abstinenz wieder auf die Asterix-Comics gelenkt. An anderer Stelle schriebst du, dass du (zu diesem Zeitpunkt) noch nicht alle Bände gelesen hast. Das hörte sich für mich so an, als wenn du erst jüngst deine Beobachtungen gemacht und daraufhin deine These vom Rassismus als Running Gag formuliert hättest.
RaptorX hat geschrieben: 20. April 2020 15:04 Nochmal: Die Asterix-Reihe ist ein Spiegel aktueller politische Geschehnisse. Deshalb treten viele Gegenwartspersonen darin auf. Deshalb sind auch die Darstellungen der Schwarzen sehr kritisch zu sehen.
Der Kausalzusammenhang erscheint mir hier zwar nicht ganz schlüssig, aber ich glaube zu verstehen was du meinst. Nur gehe ich nicht mit, wenn "kritisch sehen" zwingend impliziert, dass man die Darstellung als rassistisch klassifiziert. Man kann eben auch kritisch hingucken und dann feststellen, dass in der einen Szene eine (latente oder offene) rassistische Intention wahrscheinlicher ist als in einer anderen. Das hat dann meines Erachtens auch nichts mit "schön reden" oder "abschwächen" zu tun, sondern mit einer differenzierten Sichtweise. Von Schwarz-Weiß-Sichtweisen halte ich nicht viel.
RaptorX hat geschrieben: 20. April 2020 15:04 Oder sind Comics immer noch Medien für einen "elitären" Kreis von Hardcore-Fans der ersten Stunde?! Es scheint so. Ja, diese verteidigen alle Darstellungen bis aufs Blut. Eine Distanz zum Werk ist leider nicht möglich.
Ich kann und werde nicht für alle Diskussionsteilnehmer sprechen, aber für mich selbst nehme ich in Anspruch, nur der These vom Rassismus als Running Gag vehement widersprochen zu haben. Ganz sicher habe ich nicht alle Darstellungen verteidigt.

Abgesehen davon: Du verteidigst deine These doch auch. Dann dürfen auch andere zu ihrer Meinung stehen.
RaptorX hat geschrieben: 20. April 2020 15:04 Selbst nach Aneignen des Gesamtwerks aller Bände und Filme wird unterstellt, die Meinung sei überhastet.
Falls du damit meinen Kommentar bezüglich der neuen Autoren meinst: Da geht es nicht um deine Aneignung des Gesamtwerks sondern um die Tatsache, dass wir noch nicht wissen, was die neuen Autoren vorhaben. Stand jetzt sind für mich beide diesbezüglich geäußerten Thesen realistisch und frühestens der nächste Band wird uns da weiter bringen. Schlimmstenfalls stellen wir dann fest, dass die Autoren gar nichts weiter im Sinn hatten und dann waren die Prinzessinnen im Leopardenkleid tatsächlich nur eine dumme Idee, die den Vorwurf des Rassismus völlig zu Recht trägt. Aber vielleicht haben die Autoren ja doch etwas vor und machen die beiden zu zentralen, positiven Figuren einer tollen Geschichte in Afrika und dann müssten wir das Rassismus-Urteil revidieren.
RaptorX hat geschrieben: 20. April 2020 15:04 Die Reihe kann Rassismusprobleme haben und trotzdem weiterhin gelesen werden. Aber teilweise kommentiert, wie bereits vorgeschlagen. Disney+ und Warner Bros. haben erste Versuche dahingehend gestartet.
Den oben zitierten Hinweis aus Disney+ (?) halte ich dahingehend für zu trivial. Die Formulierung "[...] könnte überholte kulturelle Darstellungen enthalten" ist so allgemein, dass sie genauso auch auf eine Tagesschau-Sendung von vor 30 Jahren, eine Oper von Mozart und die Bibel zutrifft. Alleine deshalb, weil sie im Konjunktiv steht und somit überhaupt keine Auseinandersetzung mit dem Werk erfolgt sein muss. Selbst wenn sich bei genauerer Betrachtung herausstellt, dass das jeweilige Werk völlig unbelastet ist, ist der Satz nicht falsch (frei nach dem Motto: "könnte [...] enthalten, tut es aber nicht"). Ein solcher Satz fällt für mich daher eher unter allgemeine Medienbildung: Ich muss bei jedem Werk damit rechnen, dass es Darstellungen enthält, die heute nicht mehr aktuell sind. Rassistische, politische, kulturelle, geografische, ... Explizit drauf hinzuweisen schadet freilich nicht, aber einen Mehrwert bietet es in meinen Augen auch nicht. Es entsteht eher die Gefahr den Eindruck zu erwecken, Werke ohne diesen Hinweis seien tatsächlich vorbehaltfrei zu betrachten.

Aber ist die Feststellung, dass die Asterix-Serie Darstellungen enthält, die wir heute als rassistisch einstufen, nicht erst der Anfang und der einfache Teil der Diskussion? Eine kritische Kommentierung (über einen trivialen Hinweis hinaus) ist ein möglicher nächster Schritt. Eine solche, differenzierte Kommentierung könnte eben auch Versatzstücke enthalten, die ich in diesem Thread genannt habe (Was ist Karikatur und was freie Kreation? Wo gibt es eine Kontinuität in der Serie und wo wurde sie gebrochen?). Eine andere, vielleicht noch spannendere Frage in der Diskussion ist die, woher die rassistischen Darstellungen kommen. Wurden sie von den Autoren unbewusst eingefügt, weil sie der damaligen Geisteshaltung entsprachen? Wurden sie bewusst eingefügt, in der Kenntnis ihrer Tendenz? Oder als bewusste Karikatur auf eben jene Tendenzen? Oder als Karikatur auf eine andere Darstellung (andere Comics, Filme, ...), ohne dabei die Möglichkeit einer abweichenden Rezeption zu berücksichtigen? Wurden bei der Fortführung über die Originalautoren hinaus (durch neue Autoren, durch Drehbuchautoren und andere Filmschaffende, ...) Änderungen und Erweiterungen vorgenommen? Mit welcher Wirkung? Ich bin weder (Literatur-)Historiker noch Kunstkritiker und kann diese Fragen nicht beantworten - aber ich finde sie sehr spannend. Und von einem wertvollen, kritischen Kommentar zur Serie erwarte ich, dass er Antworten darauf enthält.
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Re: Rassismus als Running Gag?

Beitrag: #Beitrag RaptorX »

Michael_S. hat geschrieben: 20. April 2020 20:49Ich bin weder (Literatur-)Historiker noch Kunstkritiker und kann diese Fragen nicht beantworten - aber ich finde sie sehr spannend. Und von einem wertvollen, kritischen Kommentar zur Serie erwarte ich, dass er Antworten darauf enthält.
Es gibt den bekannten Satz: "Der Text weiß mehr als sein Autor" (Heiner Müller)

Die personale Wissenszuschreibung ist demnach nur ein Teil des publizierten Endprodukts. Der Fiktionsbegriff darf nicht einzig auf die Frage abzielen (die hier auch gerne wiederholt gestellt wurde), was der Autor sagen möchte. Die Frage lautet daher: Was sagt der Text? Der Text emanzipiert sich vom Autor (gerade bei einem Duo Autor/Zeichner). Somit reihen sich auch die Asterix-Comics in hermeneutische Prozesse ein. Das führt zu Interpretationen. Das Verstehen ist ein Prozess des Aneigens mittels rekursiven Leseverfahren. Verschiedene Lesemethoden eröffnen so auch neue Beobachtungen. Nur so kann ein Leopardenfell überhaupt sichtbar werden, wo es anderen verborgen bleibt. Spannend dabei: Der Text verrät es ganz von selbst. Ich brauche keine Autoren zu befragen. Womöglich haben sie selbst keine Ahnung.

Weshalb also die Leopardenfelle? Spielt hier das Unbewusste rein? Vielleicht. Beantwortet der nächste Band die Fragen? Vielleicht. Haben die Felle eine Funktion? Vielleicht.
Nochmal das eingefügte Bild ansehen! Welche Funktion hat der schwarze Diener im Fell in dieser Bildmontage? Würde die Handlung und das Bild auch ohne ihn funktionieren? Vermutlich. Aber weshalb ist er trotzdem da? Und nein: Wir befragen nicht die Autoren! Wir befragen uns selbst.

-

Wissenschaft ist auch keine Meinung des Forschenden! Wissenschaft ist eine methodisch angeleitete Untersuchung mit Quellenangabe; Zugriff auf ein Wissenschaftsnetzwerk; Aneignen eines bisher geführten Diskurs zu einem Thema mittels eingehender Recherche. Das ist kein Zeitungsartikel oder Essay mit Auflagendruck.
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Re: Rassismus als Running Gag?

Beitrag: #Beitrag Comedix »

RaptorX hat geschrieben: 20. April 2020 23:42Das Verstehen ist ein Prozess des Aneigens mittels rekursiven Leseverfahren. Verschiedene Lesemethoden eröffnen so auch neue Beobachtungen. Nur so kann ein Leopardenfell überhaupt sichtbar werden, wo es anderen verborgen bleibt. Spannend dabei: Der Text verrät es ganz von selbst. Ich brauche keine Autoren zu befragen. Womöglich haben sie selbst keine Ahnung. Weshalb also die Leopardenfelle? Spielt hier das Unbewusste rein? Vielleicht. Beantwortet der nächste Band die Fragen? Vielleicht. Haben die Felle eine Funktion? Vielleicht.
Womöglich spielten die Autoren in den Asterix-Abenteuern auch auf die so genannten Leopardenmenschen an, die die Leopardenfelle voller Stolz als Zeichen ihres Bundes trugen. Ein sehr gutes Beispiel ist dafür Mobutu Sese Seko, seines Zeichens langjähriger Präsident des Kongo, der den Mythos des Leoparden ausgiebig bei seiner Selbstdarstellung nutzte.

Kann sein. Oder auch nicht. Möglicherweise sind die Asterix-Autoren auch deshalb auf den Leoparden-Stil bei der Darstellung von Schwarzafrikanern gekommen, eine Anspielung. Es gibt Rassismus, für den es keine seitenlangen Diskussionen braucht. Der vom Großteil der Bevölkerung deutlich wahrgenommen und entsprechend auch bewertet wird. In Comics ist es - offensichtlich - nicht so eindeutig.
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Re: Rassismus als Running Gag?

Beitrag: #Beitrag Iwan »

Was mich in diesem Zusammenhang interessieren würde: Denkt ihr, dass die Alben vor der Veröffentlichung von Juristen durchgesehen werden (idealerweise vermutlich lang vorher), um solche Probleme zu vermeiden? Insbesondere jetzt etwas wie Asterix, in dem immer wieder Karikaturen von Personen auftauchen?
Ich meine, die großen Verlage haben ja vermutlich für genau solche Fälle ihre Hausjuristen. Oder werden die erst nachträglich aktiv? Wenn es solche Prüfungen gibt, müsste man sich ja schon fragen, was diese Juristen über all die Jahre getan haben.
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Re: Rassismus als Running Gag?

Beitrag: #Beitrag RaptorX »

Comedix hat geschrieben: 21. April 2020 09:25 Womöglich spielten die Autoren in den Asterix-Abenteuern auch auf die so genannten Leopardenmenschen an, die die Leopardenfelle voller Stolz als Zeichen ihres Bundes trugen.
Der verlinkte Artikel bezeichnet die Leopardenmenschen als Geheimbund. Die felltragenden Schwarzen bei Asterix sind aber größtenteils Sklaven. Auf den letzten Bildern hier sieht es auch nicht unbedingt so aus, als ob sie die Leopardenfelle voller Stolz tragen. Schau in die Gesichtsausdrücke.
Comedix hat geschrieben: 21. April 2020 09:25Es gibt Rassismus, für den es keine seitenlangen Diskussionen braucht. Der vom Großteil der Bevölkerung deutlich wahrgenommen und entsprechend auch bewertet wird. In Comics ist es - offensichtlich - nicht so eindeutig.
Meinst du die Diskussionen hier? Sagtest du nicht gestern erst, dass du das Thema sehr spannend findest. Jetzt klingt es, als ob jeder Austausch darüber überflüssig ist.
Iwan hat geschrieben: 21. April 2020 09:43 Was mich in diesem Zusammenhang interessieren würde: Denkt ihr, dass die Alben vor der Veröffentlichung von Juristen durchgesehen werden (idealerweise vermutlich lang vorher), um solche Probleme zu vermeiden? Insbesondere jetzt etwas wie Asterix, in dem immer wieder Karikaturen von Personen auftauchen?
Ich meine, die großen Verlage haben ja vermutlich für genau solche Fälle ihre Hausjuristen. Oder werden die erst nachträglich aktiv? Wenn es solche Prüfungen gibt, müsste man sich ja schon fragen, was diese Juristen über all die Jahre getan haben.
Es gibt für Printmedien bekanntlich keine Altersprüfung. Asterix-Filme erhalten eine empfohlene Freigabe der FSK. Comics hingegen "brauchen" keine Prüfung. Was sollen Juristen machen? Die Darstellungsart ist keine Straftat, wenn auch bedenklich.
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Re: Rassismus als Running Gag?

Beitrag: #Beitrag upsala »

Mal zwei Frage bei dieser ganzen Diskussion, die ich jetzt zumindest bei meinem Durchlesen hier nicht beantwortet gefunden habe (und auch im restlichen Internet auf die Schnelle nicht):
- Was hatten denn dunkelhäutige (auf dem afrikanischen Kontinent) denn tatsächlich zu der Zeit um etwa 50 v. Christus tatsächlich für KLeidung? Leder aus erlegtem Wild? Waren da auch Leoparden dabei?
- Waren dunkelhäutige häufig Sklaven im römischen Reich oder Ägypten?
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Re: Rassismus als Running Gag?

Beitrag: #Beitrag Michael_S. »

RaptorX hat geschrieben: 20. April 2020 23:42 Die personale Wissenszuschreibung ist demnach nur ein Teil des publizierten Endprodukts. Der Fiktionsbegriff darf nicht einzig auf die Frage abzielen (die hier auch gerne wiederholt gestellt wurde), was der Autor sagen möchte.
Aber er darf diese Frage auch nicht ausschließen.
RaptorX hat geschrieben: 20. April 2020 23:42 Das Verstehen ist ein Prozess des Aneigens mittels rekursiven Leseverfahren. Verschiedene Lesemethoden eröffnen so auch neue Beobachtungen.
Auf unsere Lesemethoden und Beobachtungen, die die deinen ergänzt haben, hast du nicht allzu freudig reagiert.
RaptorX hat geschrieben: 20. April 2020 23:42 Ich brauche keine Autoren zu befragen. Womöglich haben sie selbst keine Ahnung.
So kann man sich als Kritiker natürlich auch selbst eine Sonderrolle zuschreiben. Das schöne daran: Ich brauche den Kritiker nicht zu fragen, was er mit seiner Kritik meint. Die Kritik verrät es von selbst. Der Kritiker hat womöglich selbst keine Ahnung.
RaptorX hat geschrieben: 20. April 2020 23:42 Weshalb also die Leopardenfelle? Spielt hier das Unbewusste rein? Vielleicht. Beantwortet der nächste Band die Fragen? Vielleicht. Haben die Felle eine Funktion? Vielleicht.
Nochmal das eingefügte Bild ansehen! Welche Funktion hat der schwarze Diener im Fell in dieser Bildmontage? Würde die Handlung und das Bild auch ohne ihn funktionieren? Vermutlich. Aber weshalb ist er trotzdem da? Und nein: Wir befragen nicht die Autoren! Wir befragen uns selbst.

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Wissenschaft ist auch keine Meinung des Forschenden! Wissenschaft ist eine methodisch angeleitete Untersuchung mit Quellenangabe; Zugriff auf ein Wissenschaftsnetzwerk; Aneignen eines bisher geführten Diskurs zu einem Thema mittels eingehender Recherche. Das ist kein Zeitungsartikel oder Essay mit Auflagendruck.
Nun denn, Glück auf und frisch ans Werk! Wenn du den ganzen "Vielleichts" die wir gemeinsam hier aufgeworfen haben, mit offenem Geist und wissenschaftlichem Scharfsinn in einer eingehenden Recherche in alle erdenklichen Richtungen nachgegangen bist, dann werde ich deine fundierte Interpretation der Asterix-Reihe mit Vergnügen lesen.
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Re: Rassismus als Running Gag?

Beitrag: #Beitrag RaptorX »

upsala hat geschrieben: 21. April 2020 20:17 - Was hatten denn dunkelhäutige (auf dem afrikanischen Kontinent) denn tatsächlich zu der Zeit um etwa 50 v. Christus tatsächlich für KLeidung? Leder aus erlegtem Wild? Waren da auch Leoparden dabei?
- Waren dunkelhäutige häufig Sklaven im römischen Reich oder Ägypten?
Ich würde es auch gerne wissen.
Michael_S. hat geschrieben: 21. April 2020 21:02 Auf unsere Lesemethoden und Beobachtungen, die die deinen ergänzt haben, hast du nicht allzu freudig reagiert.
Weniges hat mich bisher überzeugt. Zuletzt der Einwurf, dass es sich um Mitglieder eines Geheimbunds handeln könnte. Bei aller Interpretationsfreude, aber das ergibt einfach keinen einleuchtenden Sinn.

Grundlegend ist die Frage, ob das gemeinsame Interpretieren überhaupt gewünscht ist. Die Emotionen wechseln schnell. Heute wird das Thema als spannend bescheinigt, einen Tag später erscheint es bei den gleichen Personen als beinahe lästig. Ich betrachte "euch" nicht als Gegner! Lieber kämen mir plausible Erklärungen in den Sinn, weshalb manche Darstellungen so sind wie sie sind. Bisher wird zwar auch interpretiert, aber beide "Seiten" teilen dazu nebenbei Seitenhiebe aus. Die Energie ließe sich besser für weitere Diskussionen nutzen. Diese Frage sollte zuvor aber geklärt sein.